LONDON (IT BOLTWISE) – Der Kauf von Warner Bros. Discovery durch Paramount steht kurz vor dem Ziel, wird aber durch eine Klage mehrerer US-Bundesstaaten ausgebremst. Besonders Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta drängt auf „robuste strukturelle“ Maßnahmen und will im Zweifel im Prozess verhandeln. Gleichzeitig argumentieren Paramount und Skydance um ihren eigenen Plan, der unter anderem auf einem festen Film-Output und einer späteren Zusammenführung von Streaming-Angeboten zielt. Für Ellison bedeutet die Verzögerung vor allem: zusätzliche Kosten und ein eng getakteter Gerichtstermin im Frühjahr.

Paramounts David Ellison scheitert vorerst am finalen WBD-Kauf-Hürdenlauf
Paramounts David Ellison scheitert vorerst am finalen WBD-Kauf-Hürdenlauf (Foto: IT BOLTWISE)
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David Ellison führt Paramount Skydance nun seit gut einem Jahr, doch die entscheidende unternehmerische Aufgabe beginnt erst, wenn der letzte rechtliche Flaschenhals überwunden ist. Im Kern geht es um die Übernahme von Warner Bros. Discovery (WBD) zu einem vorgeschlagenen Kaufpreis von 110 Milliarden US-Dollar, die bereits von zahlreichen globalen Regulatoren abgesegnet wurde. Was bleibt, ist eine antitrustrechtliche Auseinandersetzung mit Staaten – angeführt von Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta – die den Zusammenschluss als Gefahr für Wettbewerb in Film und Fernsehen einstufen. Ellison steht damit nicht nur vor einem juristischen, sondern auch vor einem wirtschaftlichen Problem: Jede zusätzliche Verzögerung wirkt wie ein Kostenmultiplikator, weil Paramount während des Wartens weiter laufende Lasten trägt und der Deal erst später abschließt.

Die Zeitachse ist dabei eng. Laut dem berichteten Stand ist für den Antitrust-Prozess ein Termin im März angesetzt, sodass Ellison den Prozess offenbar als den wahrscheinlichsten Weg sieht, den Deal doch noch „zu Ende zu bringen“. Paramount argumentiert öffentlich über seinen Prozessbevollmächtigten Jeffrey Kessler: Das Unternehmen habe im Sommer die Bereitschaft signalisiert, notfalls bis vor den Supreme Court zu gehen, falls sich kein Kompromiss erzielen lasse. Parallel versucht die Gegenseite, die Gespräche außerhalb des Gerichtssaals durchzusteuern – mit einem klaren Anspruch. Bonta sagt sinngemäß, dass ein Vergleich für ihn nur bei „robusten strukturellen“ Abhilfen realistisch sei; zugleich soll er grundsätzlich offen für Gespräche außerhalb des Verfahrens gewesen sein, wenn die Verhandlungslogik auf die Kernfragen des Falls ausgerichtet bleibt.

Technisch wird der Streit im Kern über Marktdefinitionen geführt: Paramount/WBD bündelt TV- und Filmportfolios mit teils sehr bekannten Marken, und genau diese Breite nutzen die klagenden Staaten als Argument für eine „überschießende“ Marktmacht. Konkret stehen Pay-TV-Netzwerke und Studios im Fokus; Bonta hebt dabei wiederholt darauf ab, dass die Skalierung aus seiner Sicht zu einer Konzentration führt, die als „präsumptiv illegal“ bewertet werden könnte. Paramount hält dem entgegen, dass Größe allein kein belastbarer Nachweis für wettbewerbliche Dominanz ist – unter anderem, weil die größten Einflussfaktoren im Mediengeschäft nicht nur in Konsolidierung liegen, sondern in Verhalten der Nutzer und in der Fähigkeit, gegen global finanzierte Streaming- und Tech-Wettbewerber mitzuhalten. In den öffentlichen Debatten um den Deal wird außerdem deutlich, dass die Staaten nicht einfach „irgendwelche“ Zugeständnisse wollen, sondern Maßnahmen, die sich direkt auf die behaupteten problematischen Marktsegmente beziehen.

Die Verhandlungsdynamik bekommt zusätzlich Zündstoff durch den Ton und die Nebenkriegsschauplätze. Während Paramount laut Berichten Offerten mit möglichen Konzessionen zusammengestellt hat, berichten beide Seiten von unterschiedlichen Erwartungen an den Inhalt von Gesprächen. Die Drohkulisse eines möglichen Umzugs aus Kalifornien wurde von Bonta als „blackmail“ bezeichnet und damit als Druckmittel eingeordnet. Später wurden Treffen an Bontas Standort organisiert; gleichzeitig folgten Anschuldigungen rund um Leaks zu Gesprächen und die Frage, ob sich eine Seite im Vergleich dazu „nicht in good faith“ verhält. Tom Rogers, ein Medien-Veteran, der unter anderem als Executive Chairman einer Film- und TV-Produktionsgesellschaft tätig ist, ordnet diese Lage pragmatisch ein: Er stellt darauf ab, dass den Generalstaatsanwälten aus der Perspektive der Wahlkreise in Kalifornien häufig wenig Anreiz für einen Deal ohne klare Gegenleistung bleibt. Für Paramount bedeutet das: Selbst wenn rechtlich viele Regulierungsfreigaben bereits vorliegen, kann die politische und prozessuale Mobilisierung einzelner Staaten den Ablauf weiter blockieren.

Parallel versucht Paramount, den Deal wirtschaftlich so zu „verpacken“, dass er über reine Juristerei hinaus greifbar wird. Ein wiederkehrendes Element ist die Zusage eines Mindest-Outputs im Kinofilm-Bereich: Paramounts Anwälte haben öffentlich in Aussicht gestellt, den festen Rahmen von 30 Filmen pro Jahr in verbindlicher Form zu bekräftigen. Diese Zahl soll dem Unternehmen zudem als Grundlage dienen, Verträge mit Hollywood-Exhibitoren zu unterfüttern, die einen Zeitraum mit gestaffelten Kino-Fenstern vorsehen – eine Logik, die auf planbare Auswertung und damit auf Investitionssicherheit zielt. Ergänzend nennt Ellison als langfristige Perspektive, dass Paramount+ und HBO Max nach Abschluss zusammengeführt werden sollen, während das kombinierte Portfolio zwei große Filmstudios umfassen würde. Genau hier prallen jedoch zwei Sichtweisen aufeinander: Für die Staaten bleibt die Zusammenführung ein Konzentrationsrisiko, für Paramount ist es dagegen eine Konsolidierung, die in einer verschobenen Wettbewerbslandschaft überhaupt erst handlungsfähig macht.

Unterm Strich entscheidet sich der Fall an einer Mischung aus Timing, Finanzen und glaubwürdigen Abhilfemaßnahmen. Paramount argumentiert, dass die Pay-TV-Abonnentenzahlen zwar rückläufig waren, aber dass der Rückgang inzwischen nachlässt; intern wird das als Stabilisierung beschrieben, die mittelfristig wieder zu einer tragfähigen Basis führen soll. Gleichzeitig zeigen Bewertungen und Marktberichte, dass sich dadurch die Verhandlungsposition der Medienunternehmen gegenüber Pay-TV-Operatoren nicht automatisch und schnell verbessert. Dazu kommt der finanzielle Druck: Seit der Fusion von Warner Bros. und Discovery im Jahr 2022 hat das Unternehmen Schulden stark abgebaut; für den Fall, dass Paramount den Deal schließt, läge die kombinierte Verschuldung allerdings bei nahezu 80 Milliarden US-Dollar. Verzögerungen nach dem 30. September würden außerdem zusätzliche Kosten auslösen, weil Paramount damit für den Zeitraum bis zum Abschluss einen „ticking fee“ an WBD-Shareholder übernehmen müsste. Paramount hat deshalb den Versuch unternommen, die klagenden Staaten zur Hinterlegung eines Bonds in Höhe von 1,88 Milliarden US-Dollar zu zwingen, um die Gebühren und Kosten aus der Verzögerung abzufedern.

Für die Branche hat das Verfahren eine über den Einzelfall hinausgehende Wirkung. Wenn Medienkonzerne in einer Zeit kämpfen müssen, in der Pay-TV-Erträge unter Druck stehen und Streaming-Arena-Spieler mit großer Kapitalbasis dominieren, dann werden M&A-Verhandlungen immer stärker zu einem Test für die Frage, wie Gerichte Wettbewerb messen und wie flexibel Unternehmen ihre Kompromissfähigkeit beweisen. Sollte der März-Termin zu einer klaren Linie führen, könnte das als Signal wirken, welche Strukturoptionen Gerichte oder Vergleichsparteien künftig akzeptieren – etwa durch Veräußerungen einzelner Pay-TV-Netzwerke oder durch andere tiefgreifende Eingriffe, die über reine Content-Zusagen hinausgehen. Paramounts aktuelle Strategie verbindet Output-Commitments und eine wettbewerbliche Narration, doch solange Bontas Kernanforderung nach „robusten strukturellen“ Maßnahmen nicht erfüllt ist, bleibt der Ausgang offen und die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Deal seinen finalen Schlusspunkt erst nach einem richterlichen Zeitfenster findet.


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