LONDON (IT BOLTWISE) – Perplexity stellt mit „Portable Computer“ eine lokale Variante seines KI-Agenten vor, die auf dem Rechner der Nutzerinnen und Nutzer läuft. Das Angebot soll den kompletten Agent-Stack inklusive Orchestrator, Planner und Task-Queue auf der Hardware ausführen. Für die Nutzung fallen laut Unternehmen keine Credit-Kosten an, solange die Arbeit vollständig lokal bleibt. Entwickelt wurde die Lösung gemeinsam mit NVIDIA, zunächst verfügbar für den NVIDIA DGX Spark unter Linux und mit angekündigter Windows-Unterstützung.

Perplexity und NVIDIA bringen „Portable Computer“: KI lokal auf DGX Spark
Perplexity und NVIDIA bringen „Portable Computer“: KI lokal auf DGX Spark (Foto: IT BOLTWISE)
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Perplexity setzt bei seinem KI-Agenten „Perplexity Computer“ an einer Stelle an, an der viele Teams bislang Kompromisse gemacht haben: Der neue „Portable Computer“ soll die eigentliche Arbeit nicht nur „nahe“ an der Person ausführen, sondern konsequent auf deren Gerät. Damit verschiebt sich das Modell einer agentischen KI von der klassischen Cloud-orientierten Laufzeit hin zu einer lokalen Inferenz- und Ausführungsumgebung. Entscheidend ist dabei nicht nur, dass Texte lokal beantwortet werden, sondern dass der gesamte Unterbau des Agenten – Orchestrator, Planner, Tool Router, Scheduler, Task-Queue und auch der lokale Suchindex – auf derselben Maschine läuft.

Technisch startet das Produkt zunächst auf NVIDIAs Desktop-Format für KI: dem NVIDIA DGX Spark. Die Plattform basiert auf der Grace-Blackwell-Plattform GB10 mit einer 20-Kern-ARM-CPU und 128 GB Unified Memory. Für später geplant ist eine Variante für PCs mit RTX-GPUs. Beim Betrieb geht Perplexity vom „One-Click“-Setup aus, das die Installation direkt aus der App heraus übernehmen soll. In der Praxis wirkt das wie ein Versuch, die Hürde zwischen „KI ausprobieren“ und „KI produktiv betreiben“ deutlich zu senken – zumindest auf der Ebene der lokalen Einrichtung. Das erste Release läuft laut Ankündigung unter Linux; Windows-Unterstützung wurde bereits in Aussicht gestellt.

Für die lokal laufenden Modelle nennt Perplexity Qwen 3.8 27B sowie PPLX 27B. Letzteres ist eine von Perplexity nachtrainierte Variante des Qwen-Modells. Das Post-Training ist laut Darstellung darauf ausgerichtet, möglichst viel der Aufgabe auf dem Gerät zu erledigen und erst dann in die Cloud auszuweichen, wenn ein bestimmter Schritt externe Informationen oder Ressourcen erfordert. Ergänzend soll NVIDIA Nemotron 3.5 Lightning im Modell-Picker auftauchen. Dabei handelt es sich um ein offenes 30B-Modell mit Mixture-of-Experts-Architektur, das NVIDIA als besonders schnell im Vergleich zu anderen offenen Modellen bewirbt. Auch die Diktierfunktion soll lokal arbeiten: Sie nutzt das Nemotron 3.5 ASR Model, wodurch Audiodaten das Gerät nicht verlassen.

Reicht die lokale Rechenleistung doch nicht aus, kann der Orchestrator eine Aufgabe an die Cloud übergeben. Dann geht es nicht nur um „Web-Recherche“, sondern auch um Browser-Nutzung, den Zugriff auf verbundene Apps sowie um die Arbeit mit mehr als 15 Frontier-Modellen. Perplexity betont dabei, dass vor jeder Übertragung von Inhalten die Zustimmung der Nutzerin oder des Nutzers eingeholt wird. Neben den Cloud-synchronen Komponenten werden auch Konnektoren angebunden, darunter Google Drive, Gmail, Slack und GitHub. Auffällig ist zudem, dass Code- und Tool-Ausführung in isolierten Sandbox-Umgebungen stattfinden soll – ein Ansatz, der in agentischen Systemen vor allem dafür gedacht ist, Ausführungsrisiken zu begrenzen, ohne Nutzerkomfort komplett zu opfern.

Genau hier liegt der zentrale wirtschaftliche Hebel: Solange die Arbeit lokal bleibt, entstehen laut Perplexity keine Credit-Kosten. Das adressiert insbesondere hochvolumige Routineaufgaben, bei denen es oft weniger um „einmalige“ kreative Ergebnisse geht, sondern um wiederkehrende Abläufe wie Zusammenfassungen, Dokument-Checks oder das strukturierte Abarbeiten von To-dos. Für KI-Agenten sind diese Routineanteile besonders wichtig, weil sie bestimmen, wie schnell ein System im Alltag „durchzieht“ – und ob die Bedienung tatsächlich in den Arbeitsprozess hineinpasst oder am Kosten-/Latenzprofil scheitert. Perplexity argumentiert außerdem aus Datenschutz-Sicht: Viele wertvolle Daten, etwa private Codebasen, Vertragsentwürfe oder Mandantenunterlagen, ließen sich im lokalen Modus besser schützen, weil sie das Gerät gar nicht erst verlassen.

Parallel zur Produktankündigung verdichten sich zudem Marktgerüchte rund um eine mögliche Beteiligung von NVIDIA an Perplexity. Berichten zufolge soll NVIDIA über ein weiteres Investment verhandeln, das die Bewertung des Startups auf mehr als 30 Milliarden Dollar treiben würde; beim vorherigen Funding habe die Bewertung noch bei etwa 20 Milliarden Dollar gelegen. Ebenfalls im Gespräch gewesen sein soll ein Technologie-Lizenzdeal. Bestätigt ist laut den Angaben bislang nichts, beide Seiten hätten sich zu den Gesprächen nicht geäußert. Unabhängig davon zeigt der Schritt in Richtung „lokal zuerst“ eine klare strategische Logik: NVIDIA ist bereits auf der Investorenseite vertreten und bündelt damit das Interesse an KI-Beschleunigung mit Beteiligungen an wichtigen Modell-Ökosystemen.

Betrachtet man NVIDIAs Position breiter, erkennt man eine zweigleisige Ausrichtung. Auf der einen Seite investiert der Konzern stark in den Modell-Trainingspfad, also in Hardware und Rechenzentren, die vor allem große Cloud-Clusters versorgen. Auf der anderen Seite wird Hardware auch so gedacht, dass Inferenz näher an den Arbeitsort rückt: Mit Optimierungen für offene Modelle auf RTX-PCs, für DGX Spark und für Jetson sowie mit einer Software-Umgebung rund um lokale Agenten-Workloads. In diesem Muster passt Perplexitys „Portable Computer“ als Referenzfall: Wenn ein agentischer Workflow Teile der Arbeit auf persönlicher Hardware erledigen kann, dann reduziert das nicht nur potenzielle Abhängigkeiten von Cloud-Kapazitäten, sondern verschiebt auch die Nachfrage nach passenden Beschleunigern.

Ob sich die lokale Variante über eine technisch interessierte Zielgruppe hinaus durchsetzt, wird letztlich am Zusammenspiel aus Hardwarepreis, Software-Reife und dem tatsächlichen Eskalationsverhalten in Richtung Cloud entschieden. Denn auch wenn der Orchestrator Aufgaben bei Engpässen übertragen kann, bleibt die Frage, wie oft solche Situationen in typischen Workflows auftreten. Technisch ist das zwar lösbar, aber ökonomisch hängt der Nutzen daran, ob ein relevantes Paket von Aufgaben durchgängig lokal bleibt. Wenn das gelingt, hat die Entwicklung eine klare Konsequenz für Unternehmen: Agenten könnten sich künftig eher wie „lokale Arbeitsumgebungen“ anfühlen, mit kontrollierbaren Datenflüssen, statt wie externe Dienste, deren Kosten und Datenschutzdimension erst nachgelagert bewertet werden müssen.


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