LONDON (IT BOLTWISE) – In der stationären Pflege klafft laut Fachvertretern eine Lücke zwischen dem Eigenanteil der Bewohner und dem Budget für Essen und Trinken. Daten aus Pflegeheimen sollen häufig nur 6,50 bis 7,50 Euro pro Person und Tag für Verpflegung vorsehen. Christian Heerdt vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) warnt vor gesundheitlichen Folgen bis hin zu Mangelernährung und Funktionsverlust. Der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) fordert für den Verpflegungssatz mindestens 9 Euro statt eines Durchschnitts von 7,24 Euro.

Der Streit beginnt auf einer unscheinbaren Ebene: auf dem täglichen Budgetposten für Lebensmittel und Getränke. In der stationären Pflege wird derzeit eine fachliche Debatte geführt, weil die Versorgung in der Praxis offenbar nicht mit den realen Kosten mitwächst. Im August 2026 wird dabei besonders deutlich, wie stark der Unterschied zwischen dem, was Pflegebedürftige monatlich aus eigener Tasche zahlen müssen, und dem, was den Einrichtungen für die Verpflegung tatsächlich zur Verfügung steht, auseinandergeht.
Ausgangspunkt der Argumentation ist eine konkrete Spanne, die Christian Heerdt vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) genannt haben soll: In Pflegeheimen stünden oft nur Beträge zwischen 6,50 und 7,50 Euro pro Bewohner und Tag für Essen und Trinken bereit. Gleichzeitig liegt der durchschnittliche Eigenanteil der Pflegebedürftigen monatlich inzwischen bei rund 3.500 Euro. Genau diese Schere bildet den Kern der Kritik: Wenn die Sachkosten für die Verpflegung knapp kalkuliert sind, verschiebt sich die Ausrichtung von einer ausgewogenen Ernährung hin zu einer Minimalversorgung, die im Alltag schwer stabil zu halten ist.
Die fachliche Stoßrichtung zielt dabei nicht auf „Geschmack“ oder kulinarische Vielfalt, sondern auf Risiken, die aus einer dauerhaft zu knappen Menge oder Qualität entstehen. Heerdt ordnet die Problematik als medizinisch relevanten Hebel ein: Billigkost in der Pflege könne direkte Risiken bergen, darunter vor allem die Gefahr von Mangelernährung mit der Folge eines raschen Funktionsverlusts bei älteren Menschen. Daneben wird auch auf einen Zusammenhang zwischen schlechter Ernährungsqualität und einer höheren Rate an Krankenhausaufenthalten verwiesen, sodass Einsparungen am Küchentisch laut der Argumentation nicht dort bleiben, wo sie ursprünglich geplant waren.
Auch die Trägerverbände nehmen die Preisentwicklung als Auslöser ernst. Der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) fordert Anfang August 2026 einen Sprung beim Verpflegungssatz: Thomas Knieling soll ausgeführt haben, dass mindestens 9 Euro pro Person und Tag nötig seien, um eine angemessene Versorgung sicherzustellen. In der Darstellung des VDAB liegt der Satz derzeit im Durchschnitt bei 7,24 Euro. Begründet wird das mit der massiven Teuerung bei Lebensmitteln; der Verband nennt für die vergangenen fünf Jahre eine Inflation in diesem Bereich von insgesamt 32 Prozent, die die bisherigen Verpflegungssätze nicht mehr auffangen könnten.
Für Einrichtungen ist das auch ein operatives Thema: Wenn die Budgets zu eng kalkuliert sind, geraten Planung, Einkauf und Speiseplangestaltung in einen Dauerzwang. Die Debatte rückt deshalb auch das Catering als Option stärker in den Fokus, weil externe oder standardisierte Versorgungsmodelle theoretisch Skaleneffekte und stabilere Beschaffungswege ermöglichen können. Gleichzeitig bleibt aber entscheidend, wie Pflegesatzverhandlungen ausgestaltet werden: Laut Einschätzung von Branchenvertretern werden die kommenden Verhandlungen zentral sein, um die Finanzierungslücke zwischen realen Marktpreisen und den in Verträgen abgebildeten Sachkosten zu schließen.
Für Angehörige und Träger stellt sich die Frage, wie aus der Forderung nach 9 Euro mehr wird als ein politischer Richtwert. Praktisch relevant wird das an zwei Stellen: an der Transparenz, wofür die Sachmittel für Essen und Trinken veranschlagt sind, und an der Frage, welche Qualitätsziele in der Vergütung tatsächlich einkalkuliert werden. Gerade weil der Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheitsfolgen betont wird, lässt sich die Verpflegungssicherung nicht als „weiches“ Thema behandeln, sondern als präventive Maßnahme. In der Verhandlungspraxis dürfte das bedeuten, dass nachvollziehbare Kostenannahmen und nachvollziehbare Qualitätsanforderungen zusammen betrachtet werden müssen.
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