DÜSSELDORF / LONDON (IT BOLTWISE) – Konzernchef Oliver Blume startet einen großen Umbau in der Führung von Audi, VW und Skoda. Im Zentrum steht ein Wechsel im Vertrieb: Marco Schubert soll das Nordamerikageschäft verantworten, während andere Top-Rollen nachziehen. Gleichzeitig verschiebt Blume laut Plan das Gewicht der Region im Konzernvorstand, um die anhaltenden Probleme in den USA anzugehen. Der Fahrplan reicht in die Zeit um September oder Oktober, während intern noch Zweifel an der Größenordnung der Aufgabe laut werden.

Beim Volkswagen-Konzern wird aus einem Personalwechsel ein Strukturtest für den Vertrieb. Konzernchef Oliver Blume bereitet nach Berichten aus Konzern- und Branchenkreisen mehrere Rochaden vor, die gleich mehrere Markenebenen treffen: Audi, die Kernmarke VW und Skoda sollen personell neu sortiert werden. Besonders auffällig ist dabei die Zielrichtung, denn die USA sind nicht nur ein weiteres Kapitel der Strategie, sondern sollen organisatorisch stärker an den Konzernvorstand gekoppelt werden. Für Marco Schubert bedeutet das: Er soll das Nordamerikageschäft künftig aus einer Konzernperspektive führen und damit eine Region abarbeiten, die dem Konzern seit Jahren hinter den eigenen Ambitionen herläuft.
Die Ausgangslage verschärft den Druck. Laut den Angaben im Umfeld der Planung sind die Auslieferungszahlen im Volkswagen-Konzern zum ersten Halbjahr um mehr als sechs Prozent gesunken; bei Audi fiel das Minus mit sieben Prozent sogar noch größer aus. Im Vertrieb ist Schubert derzeit für beide Marken zuständig, weswegen der Schritt nicht nur ein Karrierewechsel ist, sondern eine unmittelbare Reaktion auf die verminderte Performance in einem Kernsegment. Schubert gilt dabei als jemand, der Vertriebslinien im Konzern kennt – und genau diese Mischung aus operativer Erfahrung und regionaler Verantwortung soll helfen, die Bremse in Nordamerika zu lösen.
Im Kern geht es um eine Neugewichtung der Region im Konzernvorstand. Blume nutzt den Umbau, um die Führungsarchitektur beim zweitgrößten Autobauer der Welt neu auszurichten, wobei Nordamerika ähnlich stark berücksichtigt werden soll wie zuvor China – dort spielt Vorstand Ralf Brandstätter als Ankerfigur bereits eine zentrale Rolle. Konzeptionell ist das mehr als Symbolpolitik: Eine Region, die wirtschaftlich nicht die gewünschten Ergebnisse liefert, bekommt dadurch in der Entscheidungslogik mehr Nähe zur oberen Führungsebene, häufig auch kürzere Wege bei Zielkonflikten zwischen Produktplanung, Budget und Marktanforderungen. Genau hier liegt der Unterschied zwischen „Region beobachtet Probleme“ und „Region steuert Maßnahmen“.
Die Personalrochade wirkt zudem wie ein Dominoeffekt über Marken hinweg. Für Schubert wäre bei Audi ein anderer Vertriebskopf gefragt: Martin Sander, aktuell oberster Vertriebler der Kernmarke VW, soll offenbar bei Audi nachrücken. Dass Sander intern als Vertriebler mit hohem Ansehen bei Händlerstrukturen beschrieben wird, passt ins Bild, denn gerade dort entstehen Reibungen, wenn Vertriebschefs zwischen lokalen Interessen und zentralen Vorgaben vermitteln müssen. Für Sanders künftige Aufgabe in der VW-Kernmarke wird wiederum ein Wechsel aus Skoda diskutiert, konkret wird Martin Jahn als möglicher Kandidat genannt; in der skizzierten Kette soll schließlich in Mlada Boleslav die Südafrika-Verantwortung von Martina Biene übernehmen. Solche Mehrstufenwechsel sind für Organisationen riskant, weil jede Station gleichzeitig Kompetenzübergang und Vertrauensaufbau verlangt.
Auch deshalb gibt es in Konzernkreisen skeptische Stimmen. Ein hochrangiger Manager warnt intern, die Aufgabe in Nordamerika könne „eine Nummer zu groß“ für Schubert sein – eine Aussage, die eher auf die Komplexität der Region verweist als auf die Fähigkeit einzelner Führungskräfte. Nordamerika gilt intern als zentraler Baustein des sogenannten Group Target Picture, doch gleichzeitig bleibt offen, wie schnell politische Rahmenbedingungen in konkrete Produkt- und Absatzpfade übersetzt werden. Im Hintergrund stehen laut Quelle die wiederholten Gespräche zwischen Blume und der US-Regierung sowie der Umstand, dass Zollerleichterungen bisher nicht den gewünschten Effekt entfaltet hätten.
Der Handlungsdruck zeigt sich auch an der Produktseite. Der Rückschlag bei der Elektromobilität in den USA setzt die Strategie zu, weil Volkswagen die Produktion des Elektro-SUV ID.4 im US-Werk in Chattanooga eingestellt hat. Das führt zu Abschreibungen in Höhe von einer halben Milliarde Euro und belastet damit unmittelbar das Ergebnis, bevor die nächste Produktgeneration überhaupt in großen Stückzahlen anläuft. Gleichzeitig soll die Modellpalette künftig stärker auf amerikanische Kunden zugeschnitten werden – mit mehr großen SUV, Geländewagen und Pick-ups. Für 2029 wird dabei ein Pick-up der Marke Volkswagen im Werk Chattanooga als mögliche Zeitlinie genannt; ob das Modell eigenständig entwickelt oder mit einem Partner gebaut wird, bleibt noch offen, als möglicher Kooperationspartner gilt Ford.
Dass Audi und die US-Strategie dabei enger zusammenrücken sollen, zeigt auch die Markenlogik: Audi soll im Premiumsegment stärker werden, während Scout als eigenständige US-Marke wachsen soll. Der Konzern prüft zudem zusätzliche Produktionskapazitäten für Audi in den USA, um weiteren Verlusten durch Zölle zu begegnen – ein Ansatz, der die Verbindung zwischen Standortpolitik und Produktstrategie direkt macht. Technisch und organisatorisch ist das eine Herausforderung, weil Produktionsauslastung, Lieferketten und Modellmix voneinander abhängen. Ein praktisches Signal lieferte zudem die Präsentation des Q9 in New York: Das größte SUV der Unternehmensgeschichte wurde explizit für US-Bedürfnisse entwickelt. In diesem Umfeld wird Schubert als Vertriebsmann für die Amerika-Strategie künftig vermutlich mehr Bedeutung haben als zuvor, nicht zuletzt weil der Konzern nach innen und außen zeigen muss, dass Führung, Produktplan und Marktauftritt wieder konsistent werden.
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