LONDON (IT BOLTWISE) – Philips hebt die Renditeziele für das laufende Jahr nach der Rückzahlung unrechtmäßig erhobener US-Zölle an. Für die bereinigte Ebita erwartet das Unternehmen nun 13,5 bis 14,0 Prozent statt zuvor 12,5 bis 13,0 Prozent. Im zweiten Quartal stieg die bereinigte operative Marge auf 16,4 Prozent, unter anderem gestützt durch die Rückzahlung. Gleichzeitig bleiben Unsicherheiten in China und im Auftragseingang durch zeitliche Verschiebungen bei Connected Care bestehen.

Philips erhöht nach der Rückzahlung von unrechtmäßig erhobenen US-Zöllen seine Ziele für das laufende Jahr. Der Medizintechnikkonzern korrigiert dabei vor allem die Erwartung zur bereinigten Marge gemessen am Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte (Ebita): Statt wie bisher jeweils einen Prozentpunkt darunter zu liegen, peilt das Management nun 13,5 bis 14,0 Prozent an. Damit verschiebt sich der Fokus kurzfristig weg von reinen Kosten- und Kostendruckthemen hin zu einem verbesserten Ergebnisbild, das allerdings nicht vollständig als Signal für nachhaltige Entspannung in allen Märkten gelesen werden kann.
Die unmittelbare Wirkung zeigt sich bereits in der Quartalsrechnung: Im zweiten Quartal stieg die bereinigte operative Marge (Ebita) um vier Prozentpunkte auf 16,4 Prozent. Laut Unternehmen entfielen 4,2 Prozentpunkte davon auf die Rückzahlung der US-Zölle. Bereinigt um diesen Effekt ging die Marge zwar leicht zurück, sie lag aber weiterhin über den Prognosen, die Analysten im Vorfeld veröffentlicht hatten. Genau diese Trennung zwischen Einmaleffekt und operativer Entwicklung ist entscheidend für die Bewertung durch Finanz- und Einkaufsverantwortliche, weil sie zeigt, ob das Unternehmen seine Ergebnisqualität auch ohne Sonderstütze hochhalten kann.
Für das Management bleibt daneben der Blick auf den Mittelzufluss gerichtet. Der freie Mittelzufluss soll stärker ausfallen als zuvor erwartet, während die Umsatzprognose unverändert bleibt. Technisch bedeutet das in der Unternehmenspraxis meist, dass vor allem Working-Capital-Effekte und die Umrechnung von Erträgen in Cash stärker adressiert werden als rein die Topline-Optimierung. Vorstandschef Roy Jakobs verwies zudem auf ein starkes Auftragswachstum in Europa, allerdings mit einem wichtigen Timing-Effekt: Großaufträge im Bereich Connected Care hätten sich ins dritte Quartal verschoben. Solche Verschiebungen wirken sich zwar nicht zwingend auf die langfristige Nachfrage aus, aber sie beeinflussen kurzfristig die Planbarkeit des Auftragseingangs und damit die Dynamik, mit der Produktions- und Vertriebsressourcen ausgelastet werden.
Operativ versucht Philips aktuell, mehrere Kostentreiber gegeneinander aufzurechnen. Dazu zählen Zölle sowie Kostensteigerungen, die sich nach Unternehmensangaben aus den Konflikten im Nahen Osten ergeben haben – mit Auswirkungen auf Fracht, Energie und Kunststoffe. Das Unternehmen setzt dabei nicht nur auf Effizienzprogramme, sondern schließt auch einzelne Preiserhöhungen nicht aus. Gerade bei Medizintechnik ist die Preisweitergabe allerdings stark an Vertragsmodelle, Ausschreibungen und Serviceverträge gebunden; Preiserhöhungen können daher schneller im Service- und Ersatzteilgeschäft wirken als in hoch kompetitiven Gerätemärkten. Entsprechend wird sich die Frage stellen, ob Philips die Marge in der zweiten Jahreshälfte primär über Volumeneffekte stützt oder über wertbasierte Preis- und Mix-Steuerung.
Ein weiterer Hebel betrifft die Versorgungskette rund um Helium. Helium wird in vielen medizinischen Scannern eingesetzt, sowohl bei Philips als auch bei Wettbewerbern, und gerät durch ein temporäres chinesisches Exportverbot unter Druck. Zusätzlich ist das Gas durch die Sperrung der Straße von Hormus teurer geworden. Für die Industrie ist das mehr als nur ein Beschaffungsproblem: Helium-Engpässe können über Produktions- und Inbetriebnahmefenster, Wartungszyklen sowie Lieferzeiten indirekt in den Servicegrad hineinwirken. Hinzu kommt, dass die Gerätehersteller bei solchen Rohstoffschocks häufig nur begrenzt schnell umdisponieren können, weil die Qualifizierung alternativer Lieferketten und Materialqualitäten Zeit braucht.
Auch das Umsatzbild zeigt, dass die regionale Gemengelage weiterhin schwierig ist. Philips’ Umsatz stieg im zweiten Quartal um ein Prozent auf knapp 4,4 Milliarden Euro; auf vergleichbarer Basis, währungs- und portfoliobereinigt, lag das Plus bei vier Prozent. Belastend bleibt das China-Geschäft: In der Region gingen die Umsätze der größten Sparte Diagnosis and Treatment zurück, also bei CT-, Ultraschall- und MRT-Geräten. Damit wird eine typische Herausforderung der Medizintechnik sichtbar: Selbst wenn einzelne Kennzahlen auf Quartalsebene besser aussehen, können sich Umsatz- und Margenpfade regional auseinanderentwickeln, während gleichzeitig Investitionen in Service, Upgrades und Produktzyklen laufen.
Unter dem Strich verdiente Philips im zweiten Quartal 386 Millionen Euro nach 240 Millionen Euro im Vorjahr. Dass Siemens Healthineers am Freitag Quartalszahlen vorlegt, unterstreicht zudem, wie eng die Investoren derzeit auf den Wettbewerbsvergleich zwischen den großen Playern schauen: Auf der einen Seite liefern Rückzahlungen von Zöllen und Einmaleffekte kurzfristig Rückenwind; auf der anderen Seite entscheidet die operative Entwicklung – Auftragseingang, Kostenstruktur, Cash-Conversion und regionale Umsatzstärke – darüber, ob sich diese Effekte in eine belastbare Ergebnisaussage überführen lassen. Für Entscheider im Gesundheitswesen und für Lieferanten heißt das: Bestands- und Erneuerungszyklen werden weiterhin stark davon abhängen, wie stabil sich Versorgung, Serviceverfügbarkeit und Finanzierungssignale in den nächsten Quartalen darstellen.
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