LONDON (IT BOLTWISE) – Pirelli aktualisiert mit der komplett überarbeiteten Scorpion-Serie seine MTB-Reifenfamilie unter neuen Namen und mit neuen Profilen. Im Fokus steht ein modulares Bauprinzip: Zuerst wählen Fahrer das Profil, danach die Karkasse und zuletzt die Gummimischung. Dadurch lassen sich je nach Untergrund Varianten vom schnellen Trail-Reifen bis zum maximal verstärkten Downhill-Pneu zusammenstellen. Für die neuen Kombinationen nennt der Hersteller auch konkrete Gewichtsbereiche und Preisspannen je nach Karkasse und Mischung.

Pirelli geht bei der für 2027 angekündigten MTB-Generation der Scorpion-Reifen einen konsequent modularen Weg: Das System beginnt nicht mit der Karkasse, sondern mit dem Profil. Erst danach folgt die Auswahl der Karkasse und als dritter Schritt die Gummimischung. Dieses Prinzip soll die Suche für Gravity- und Trail-Fahrer spürbar vereinfachen, weil sich Eigenschaften wie Rollverhalten, Traktion, Stabilität und Dämpfung gezielt „zusammensetzen“ lassen. Für die Praxis heißt das: Wer auf kompakten Trails schnell unterwegs sein will, startet anders als jemand, der im Bikepark auf harte Kanten und harte Belastung setzt.
Der Einstieg in die neue Profilwelt heißt Scorpion Black Sting und richtet sich laut Hersteller an Fahrer, die auf harten und kompakten Böden maximale Schnelligkeit suchen. Das Profil setzt auf eng stehende, flache Stollen, um den Rollwiderstand niedrig zu halten, während verstärkte Schulterstollen für stabile Bremsmanöver und ein präzises Kurvenverhalten sorgen sollen. Pirelli beschreibt den Black Sting dabei als schnell, direkt und reaktionsfreudig. Verfügbar ist er in 27,5 und 29 Zoll, jeweils in 2,4 Zoll Breite, was ihn besonders für Setups interessant macht, die auf schnelle Übergänge und effizientes Vorankommen optimieren.
Mit Scorpion Emperor ergänzt Pirelli einen Allrounder, der eine breite Einsatzspanne abdecken soll. Das Profil übernimmt die Rolle des bisherigen Race-M, wurde aber nach Herstellerangaben umfassend überarbeitet. Der Ansatz: Stollen mit gleichmäßiger Verteilung sollen einen ausgewogenen Mix aus Rollgeschwindigkeit, Traktion und Kontrolle liefern – gerade dann, wenn Untergründe wechseln. Der Emperor wird in zahlreichen Größen angeboten, von 27,5 x 2,4 bis 29 x 2,6 Zoll. Für viele Fahrer ist genau diese Balance der Knackpunkt, weil Reifen für Trail-Runs häufig zwischen „zügig fahren“ und „noch halten“ umschalten müssen, ohne dass das Setup komplett neu abgestimmt werden kann.
Für lose, staubige oder sogenannte „Loose-over-hard“-Szenarien kommt Scorpion Red Claw ins Spiel. Pirelli setzt hier auf ein weit auseinandergezogenes Profil mit scharfkantigen, unterbrochenen Stollen, die sich tief in den Untergrund greifen und sich während der Fahrt besser selbst reinigen sollen. Der Hersteller empfiehlt den Red Claw vor allem als aggressiven Vorderreifen – entweder in Kombination mit einem Emperor am Hinterrad oder als kompletten Satz für weiche und wechselnde Böden. Auch bei den Größen bleibt Pirelli praxisnah: 27,5 x 2,4 sowie 29 x 2,4 und 29 x 2,5 Zoll decken dabei typische MTB-Breitreifen-Konfigurationen ab, ohne den Nutzer auf einzelne Laufradklassen festzulegen.
Besonders technisch wird es bei der Karkasse, denn dort liefert Pirelli vier Abstufungen, die das Gewicht und den Schutzgrad sichtbar machen. Die ProWall soll mit etwa 700 bis 900 Gramm die leichteste Variante sein und ist für Trail-Fahrer sowie leichte Enduro-Einsätze gedacht. Eine HardWall ergänzt Stabilität und Schutz vor Durchschlägen und liegt laut Angaben bei rund 900 bis 1100 Gramm. Wer mehr Schutz bei härterem Einsatz braucht, findet DualWall als doppellagige Ausführung (etwa 1100 bis 1300 Gramm) – ausgelegt für Enduro-Rennen, Bikeparks und Freeride. An der Spitze steht die DH+Wall mit zusätzlicher Verstärkung an Seitenwand und Wulst; je nach Ausführung wiegt sie etwa 1300 bis über 1500 Gramm und soll auch im Downhill-Rennsport standhalten. Wichtig für die Alltagslogik: Alle vier Karkassen gibt es als „MTB Ready“-Version, wodurch sie sowohl für klassische Mountainbikes als auch für Light- und Full-Power-E-MTBs geeignet sein sollen.
Die dritte Ebene des Baukastens betrifft die Gummimischungen. Pirelli greift dabei auf die aus dem Motorsport bekannten Bezeichnungen Medium, Soft und Supersoft zurück. Medium zielt auf einen ausgewogenen Kompromiss aus Grip, Komfort und Laufleistung, Soft soll mehr Haftung sowie direktes Feedback bei weiterhin brauchbarer Haltbarkeit liefern, und Supersoft ist auf maximalen Grip, hohe Dämpfung und besonders direktes Fahrgefühl ausgerichtet – vor allem für anspruchsvolle Rennen und technische Abfahrten. Damit ergibt sich zwar eine große Kombinationszahl, aber nicht alle Profile funktionieren mit jeder Karkasse und jeder Mischung. So bleibt der Red Claw beispielsweise den robusteren DualWall- und DH+Wall-Ausführungen vorbehalten, während Black Sting und Emperor auch als vergleichsweise leichte ProWall-Reifen angeboten werden. Ergänzt wird das System dadurch, dass Pirelli für die passende Preislogik keine pauschalen Beträge nennt, sondern Mischungs- und Karkassenentscheidungen betont: Die Spanne reicht in den genannten Beispielen von 61,90 Euro bis 92,90 Euro.
Für den Markt bedeutet das vor allem eines: Pirelli macht die Reifenwahl stärker zu einem planbaren Engineering-Thema statt zu einer reinen „Vor-Ort-Empfehlung“. Gerade im Gravity-Segment, in dem sich Belastung, Bremshäufigkeit und Kurvenwinkel zwischen Rennen, Bikepark und freiem Fahren teils deutlich unterscheiden, kann die Kombination aus Profil-Charakter, Karkassen-Schutz und Mischungs-Gefühl den Unterschied zwischen „geht“ und „fährt sich konsistent“ ausmachen. Gleichzeitig bleibt die Kernfrage für Käufer: Welche Strecke dominiert – schnelle, kompakte Trails oder lose/wechselnde Passagen – und wie hoch ist die erwartete mechanische Belastung? Mit den vier Karkassenstufen und den drei Mischungen liefert Pirelli dafür einen recht klaren, wenn auch kombinationsabhängigen Bauplan, der sich ab sofort online und bei ausgewählten Fachhändlern einordnen lässt.
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