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LONDON (IT BOLTWISE) – Der Markt streitet erneut über eine mögliche KI-Überbewertung und die Folgen eines anhaltenden Korrekturzyklus. Analysten verweisen auf Billioneninvestitionen in Rechenzentren und die Frage, ob sich die Produktivität dieser Ausgaben rechtzeitig realisieren lässt. Gleichzeitig raten mehrere Strategen zu Hantel-ähnlichen Depotstrukturen, Put-Absicherungen und Beimischungen wie Gold, Gesundheitswerten sowie Rohstoffen. Entscheidend sei weniger der exakte Zeitpunkt einer möglichen Entspannung als die Fähigkeit, mehrere Szenarien finanziell auszuhalten.

Platzt die KI-Blase? So bauen Anleger Depots mit Absicherung und Streuung
Platzt die KI-Blase? So bauen Anleger Depots mit Absicherung und Streuung (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Oktober 2026 endete für den NASDAQ 100 mit dem größten Monatsverlust seit März 2025 und seitdem wird die Diskussion um eine „KI-Blase“ lauter. Die Ausgangslage ist dabei weniger eine einzelne Schlagzeile als ein Muster: Wenn der KI-Handel dauerhaft korrigiert, verschiebt sich die Risikowahrnehmung nicht nur im Aktienkurs, sondern auch in der Erwartung, wann sich Ausgaben tatsächlich in messbare Produktivitätsgewinne übersetzen. Laut Bank of America gilt eine anhaltende Korrektur im KI-Handel als eines der größeren Risiken für die US- und Weltwirtschaft. Genau hier setzt die Kernfrage an: Was passiert, wenn die Investitionsdynamik nicht „durchzieht“, sondern die Luft aus der Story tatsächlich herauskommt?

Rein bilanziell wird die Debatte schnell technisch. Eine Rechnung, über die die Wharton-Professorin Jessica Wachter – früher Chefvolkswirtin der US-Börsenaufsicht SEC – berichtet wird, kommt bis 2027 auf knapp 1,1 Billionen US-Dollar, die Alphabet, Microsoft, Amazon, Meta Platforms und Oracle in Rechenzentren stecken könnten. Damit das bis 2030 rechnerisch aufgeht, müssten die Produktivitätsfortschritte der großen Rechenzentrumsbetreiber auf das 2,7-Fache steigen; zusätzlich wären Kapitalkosten, eine Rendite von 15 Prozent sowie Abschreibungen einzupreisen. Andernfalls fällt die Bewertung drastisch aus: „Der aktuelle Ausbau wird die größte Fehlallokation von Kapital in der Geschichte sein.“ Auch der Finanzierungshebel wird in der Argumentation betont: Nach Berechnungen von Morgan Stanley würden die Hyperscaler mehr als die Hälfte ihrer bis 2028 geplanten Rechenzentrumsausgaben von 2,9 Billionen US-Dollar nicht aus eigenen Reserven stemmen, sondern mit fremdem Kapital.

Dass sich diese Finanzierungskette inzwischen verschachtelt, zeigt ein konkretes Beispiel aus dem Querschnitt der Kapitalmärkte. Meta hat dem Text zufolge 80 Prozent am Rechenzentrum „Hyperion“ in Louisiana an Blue Owl Capital, einen auf Privatkredite spezialisierten Anbieter, abgegeben. Genau diese Form der Auslagerung macht die Risikotransmission breiter: Wenn Schulden stärker über Pensionsfonds und Privatkreditfonds laufen, wirkt ein negativer KI-Schock bis in die Altersvorsorge und die Versicherungsersparnisse vieler Sparer. Als zusätzliche Belastung kommt ein makroökonomischer Mechanismus hinzu, den die BofA-Ökonomen ebenfalls skizzieren: Ein Abschwung in der KI-Branche drückt direkt über sinkende Investitionen auf Wachstum, und indirekt über den Vermögenseffekt, wenn fallende Kurse Haushalte ärmer wirken lassen und damit weniger konsumieren. Dass der Hebel nicht nur theoretisch ist, unterstreicht auch ein Zahlenbezug aus dem Text: Investitionen in Computer und Software sollen mehr als einen Prozentpunkt zum US-Wachstum von 3,4 Prozent im dritten Quartal geliefert haben – also grob ein Drittel; zugleich sollen Aktien im zweiten Quartal laut Daten der US-Notenbank Fed 48 Prozent des Finanzvermögens der Amerikaner ausgemacht haben (mehr als 39 Prozent auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase).

Für Privatanleger stellt sich damit vor allem die praktische Frage: Wie lässt sich das Depot wappnen, ohne die Technologie-Erzählung komplett abzuschneiden? Mehrere Strategen setzen auf unterschiedliche Varianten derselben Grundidee, Risiken zu begrenzen und dennoch am Aufwärts-Potenzial teilzuhaben. Die „Hantelstrategie“ (Barbell Strategy) von BCA Research arbeitet mit bewusstem Gegengewicht: Ein Teil des Depots sitzt bei riskanteren Anlagen, ein anderer bei sichereren Positionen; wenn eine Seite schwächer wird, soll die andere den Schaden abfedern. Juan Correa, bei BCA verantwortlich für die Portfoliokonstruktion, beschreibt den Ansatz so: „Wir bleiben optimistisch, aber mit Hanteln im gesamten Portfolio.“ In der Umsetzung gewichtet BCA Technologie und Gesundheitswerte sowie Hochzinsanleihen – und stützt die Defensive durch Absicherungen gegen Extremrisiken wie Put-Positionen gegen einen großen ETF auf den S&P 500. Die Logik dahinter passt zur Marktmechanik: Put-Schutz kostet zwar Prämie, kann aber gerade dann entlasten, wenn Korrelationen in Stressphasen plötzlich zunehmen.

Noch stärker vorsichtig formuliert Paul Dietrich von Wedbush Securities; er hält es für möglich, dass die KI-Blase bereits vor 2027 endet. In seiner Begründung spielen neben dem Klumpenrisiko auch makroökonomische Faktoren wie eine potenziell „heiße“ Inflation und ein schwächeres Wachstum eine Rolle. Sein Rezept beginnt beim Gold, das er als „Versicherungspolice“ bezeichnet, weil das Edelmetall als sicherer Hafen oft zulegt, wenn riskantere Anlagen fallen. Dazu kommen Gesundheitswerte als „klarster dauerhafte Trend“ – begründet mit einer alternden Bevölkerung – und eine maßvolle Beimischung von Rohstoffen, um den Währungsstress zu dämpfen. Besonders Kupfer, so die Argumentation im Text, habe wegen eines Angebotsdefizits die „klarste Nachfragegeschichte“. Daneben nennt Dietrich Versorger als potenzielle Profiteure von Infrastrukturzyklen, einschließlich des Rechenzentrums-Ausbaus. Auch beim Ertrag setzt er auf eine Mischung aus defensiven Eigenschaften und Zinsumfeld: Ein Beispiel ist ein REIT mit fünf Prozent Wachstum und 6,7 Prozent Dividende, das auf eine Jahresrendite von fast zwölf Prozent bei geringeren Schwankungen als Technologiewerte zielt.

Franklin Templeton geht wiederum von einer anderen Zeithorizont-Logik aus. Das Haus bleibt für US-Aktien „konstruktiv“, rechnet kurzfristig aber mit anhaltender Rotation aus Technologiewerten in andere Segmente und mit hoher Schwankung. Für Anleger, die diese Zwischenphasen aushalten können, ergibt sich daraus die Strategie „Rücksetzer zum Nachkaufen nutzen“, heißt es im Text und wird Chefmarktstratege Chris Galipeau zugeschrieben. Entscheidend ist dabei, die „Gewinnlatte“ nicht zu unterschätzen: „Die Gewinnlatte liegt hoch, sehr hoch. Jeder kleine Fehltritt wurde bestraft, und das hat zur Rotation geführt.“ Galipeau empfiehlt ein Gleichgewicht zwischen Wachstums- und Substanzwerten sowie zwischen großen, mittleren und kleinen US-Unternehmen; Schwellenländer und Japan sollen ebenfalls Teil des Werkzeugkastens sein. Das passt zu einem weiteren Befund aus einer Umfrage der Fed von Atlanta: Mehr als 80 Prozent der Firmen hätten in den drei Jahren zuvor keinen KI-Effekt auf Beschäftigung oder Produktivität gespürt. Zusammengefasst lautet die übergreifende Lehre für Depotkonstrukteure: Nicht ein Szenario „gewinnt“, sondern die richtige Mischung aus Streuung, Liquidität und gezielten Schutzmechanismen entscheidet darüber, ob ein KI-Rückschlag nur Volatilität bleibt oder ob daraus ein struktureller Schaden wird.

Damit Anleger die Debatte um „Luft entweicht oder nicht“ sinnvoll in Portfolioentscheidungen übersetzen können, lohnt eine klare Trennung zwischen technologischer Beteiligung und Risikoexponierung. Hantelmodelle adressieren genau den Punkt, dass KI-Korrekturen nicht nur Kursbewegungen sind, sondern sich als Vermögenseffekt und Investitionsbremsen auf die Realwirtschaft übertragen können. Rohstoffbeimischungen wie Gold und Kupfer sowie defensive Sektoren (etwa Gesundheitswerte) können dabei das Klumpenrisiko im KI-Handel abfedern, während Streuung über Branchen, Unternehmensgrößen und Regionen die Korrelationen in Stressphasen reduziert. Und wer Liquidität in Reserve hält, kann Rücksetzer gezielt nutzen, statt sie aus Angst zu verkaufen. Am Ende bleibt die zentrale Frage nicht, wann die Blase platzt, sondern wie robust das Depot in mehreren Pfaden bleibt.

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