BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – PSI berichtet für das zweite Quartal 2026 steigende Umsätze und einen spürbar besseren Auftragseingang. Der Auftragseingang klettert um 32,7 % auf 69 Millionen Euro, während der Umsatz um 10,7 % auf 71,9 Millionen Euro zulegt. Gleichzeitig bleibt das Ergebnis im zweiten Quartal durch Transformationskosten belastet, verbessert sich aber gegenüber dem Vorjahr. Für 2026 nennt das Unternehmen Wachstumsziele von rund 10 % und eine bereinigte EBIT-Marge von etwa 4 %.

PSI liefert zum Halbjahresergebnis ein Bild, das sich in zwei Ebenen trennt: Auf der operativen Topline zieht das Geschäft im zweiten Quartal sichtbar an, auf der Ergebnisebene wirkt die laufende Transformation weiter nach. Im Zeitraum 01.04. bis 30.06.2026 steigt der Umsatz um 10,7 % auf 71,9 Millionen Euro; im Vergleichsquartal wurden 65,0 Millionen Euro erreicht. Noch deutlicher fällt die Verbesserung beim Auftragseingang aus: PSI meldet 69 Millionen Euro, das sind 32,7 % mehr als im zweiten Quartal 2025. Diese Kombination aus Umsatzwachstum und stärkerem Orderflow ist für Software- und Projektgeschäft gleichermaßen relevant, weil sie Spielraum für die nächste Projektpipeline schafft und gleichzeitig die Auslastungsplanung stabilisiert.
Beim Blick auf das erste Halbjahr bleibt die Lage zwar gemischt, aber sie erklärt, warum das Management gleichzeitig Fortschritt und Belastung kommuniziert. PSI steigert den Umsatz im Gesamtzeitraum 01.01. bis 30.06.2026 um 4,1 % auf 138,4 Millionen Euro (30.06.2025: 132,9 Millionen Euro). Das bereinigte EBIT (Adjusted EBIT) bleibt jedoch im ersten Halbjahr negativ: -1,2 Millionen Euro, während es im Vorjahreszeitraum noch bei 3,5 Millionen Euro lag. Auch das unbereinigte EBIT fällt deutlich schlechter aus, ebenfalls -4,8 Millionen Euro. Entscheidend ist dabei, dass das zweite Quartal das operative Bild verbessert: Adjusted EBIT erreicht 3,4 Millionen Euro und EBIT 1,1 Millionen Euro im Quartal. Damit bestätigt PSI, dass die kurzfristige Ergebnisspur wieder nach oben zeigt, die kumulierte Belastung aus Restrukturierungs- und transaktionsbezogenen Kosten jedoch noch nicht „wegtransformiert“ ist.
Technisch und organisatorisch lässt sich die Ergebniskorrektur im Quartalsverlauf vor allem mit den Kostenblöcken der laufenden Modernisierung erklären, die PSI explizit als Cloud- und SaaS-Transformation bzw. als Restrukturierungs- und transaktionsbezogene Kosten beschreibt. Besonders auf Segmentebene wird sichtbar, wie stark die Heterogenität in der Nachfrage wirkt. Das Segment Grid & Energy Management verbessert sich gegenüber dem ersten Quartal und erreicht einen um 18,4 % höheren Umsatz von 72,3 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis liegt bei 1,6 Millionen Euro; im ersten Halbjahr 2025 waren 2,1 Millionen Euro erzielt worden. Hier scheint der Umbau zu Cloud-Optionen und die Wiederaufnahme von Projekten in der Energie- und Netzplanung besser zu greifen, allerdings noch nicht in dem Tempo, das die Vorjahresprofitabilität vollständig zurückführt.
Während Grid & Energy Management anschiebt, bleibt Process Industries & Metals ein Bremser. PSI berichtet, dass der Umsatz im konjunkturell schwierigen Umfeld in Europa um 13,6 % auf 30,5 Millionen Euro sinkt (30.06.2025: 35,3 Millionen Euro). Das Segmentbetriebsergebnis ist trotz Verbesserung im zweiten Quartal weiterhin negativ und liegt bei -2,8 Millionen Euro, nach 0,9 Millionen Euro im Vorjahr. Das Discrete Manufacturing Segment zeigt ebenfalls Druck: Der Umsatz fällt um 3,4 % auf 16,1 Millionen Euro. In der Ergebnisrechnung schlagen vor allem „Aufwendungen für die Cloud- und SaaS-Transformation“ durch: Das Betriebsergebnis liegt bei -3,1 Millionen Euro, verglichen mit 0,4 Millionen Euro im Vorjahr. Damit wird greifbar, dass nicht nur die Marktnachfrage, sondern auch die Umstellungskosten die Ergebniskennzahlen kurzfristig überlagern.
Umso wichtiger ist die Gegenbewegung über zwei andere Segmente, die den Quartalsanstieg stützen. Logistics steigert den Umsatz um 13,9 % auf 19,4 Millionen Euro. Zwar bleibt das Betriebsergebnis infolge der Cloud- und SaaS-Transformationsaufwendungen leicht negativ: -0,5 Millionen Euro, nach 0,6 Millionen Euro im Vorjahr. Ähnlich lässt sich Discrete Manufacturing als Beispiel dafür lesen, wie Transformation bei gleichzeitiger Marktunsicherheit zu einem „Kostenprofil“ führt, das die operative Marge temporär drückt. Auf der anderen Seite zeigt die Quartalsentwicklung insgesamt, dass PSI die Kostenbasis und die Projektmargen wenigstens teilweise wieder in die Gewinnzone führen kann: Adjusted EBIT und EBIT sind im zweiten Quartal positiv, während das erste Halbjahr insgesamt noch klar im Minus endet. Genau diese Spannung dürfte auch für die Investor Relations relevant sein, weil sie erklärt, warum ein einzelnes Quartal nicht automatisch das vollständige Halbjahres- oder Jahresbild „dreht“.
Nicht nur das Ergebnis, auch die Liquidität und die Kapitalmaßnahmen liefern Kontext für die weitere Strategie. Die Mitarbeiterzahl sinkt durch das Kostensenkungsprogramm, das PSI bereits im zweiten Quartal 2025 gestartet hatte, auf 2.241 (30.06.2025: 2.351). Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit ist im ersten Halbjahr mit -5,4 Millionen Euro negativ, nach 7,6 Millionen Euro im Vorjahr. Gleichzeitig verringern sich die liquiden Mittel auf 24,1 Millionen Euro (31.12.2025: 27,3 Millionen Euro), während die kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten auf 31,0 Millionen Euro steigen (31.12.2025: 18,5 Millionen Euro). In Summe entsteht damit ein Bild, in dem die Transformation zwar operative Fortschritte bringen kann, der Finanzierungsbedarf kurzfristig aber höher bleibt als im Vorjahr. Dass PSI zudem im Juli 2026 eine Barkapitalerhöhung durchgeführt hat, vollständig gezeichnet durch die Zest Bidco GmbH, führte PSI rund 29 Millionen Euro Eigenmittel zu. Das ist weniger eine reine Zahlenspielerei als eine Unterlage dafür, die Transformations- und Wachstumsinvestitionen ohne zusätzlichen Druck auf die kurzfristige Liquiditätssteuerung fortsetzen zu können.
Für das laufende Jahr nennt PSI vor dem Hintergrund der verbesserten Umsatz- und Ertragsentwicklung im zweiten Quartal konkrete Ziele: Trotz konjunktureller Unsicherheiten peilt das Unternehmen ein Wachstum des Auftragseingangs und des Umsatzes um etwa 10 % sowie eine bereinigte EBIT-Marge um rund 4 % an. Interessant ist hier die Logik: Der Auftragseingang erholt sich stark im zweiten Quartal, während der Auftragsbestand mit 194 Millionen Euro dennoch 5,8 % unter dem Vorjahreswert liegt (30.06.2025: 206 Millionen Euro). Das bedeutet, dass PSI zwar wieder mehr Projekte an Land zieht, die „Buchungsqualität“ und die Bestandshistorie aber noch nicht vollständig aufgeholt hat. Gleichzeitig wirkt die Ergebnisentwicklung bereits im Quartal positiv, was darauf hindeutet, dass das Unternehmen die Transformation nicht nur als Kostenblock, sondern auch als mittelfristige Margenarchitektur behandelt. In der Praxis dürfte das vor allem für Kunden relevant sein, die Energie- und Materialflüsse steuern wollen: PSI entwickelt Softwareprodukte, mit denen sich Energie- und Materialflüsse bei Versorgern und Industrie optimieren lassen, und adressiert dabei sowohl Betrieb vor Ort als auch Cloud-Betrieb. Für Entscheider in Industrie und Infrastruktur heißt das: Die Produktreife und die Implementierbarkeit in cloud-nahen Architekturen werden gerade in einer Phase geprüft, in der das Unternehmen intern noch investiert.
Am Ende ist das Halbjahresbild damit eine Mischung aus Fortschritt und Übergangssituation. Das zweite Quartal zeigt klar, dass PSI wieder Tempo im Neukundengeschäft bzw. in Projekten aufnehmen kann, denn Auftragseingang und Umsatz bewegen sich gleichzeitig nach oben. Die Ergebniskennzahlen im ersten Halbjahr bleiben dagegen durch Transformationskosten und Restrukturierungs- sowie transaktionsbezogene Kosten belastet. Entscheidend wird daher sein, ob PSI in den kommenden Quartalen den positiven Quartalsimpuls in eine dauerhaft bessere Halbjahres- und Jahresmarge übersetzt, ohne dass der Cashflow erneut stark unter den Investitions- und Transformationspfad gerät. Genau in dieser Phase treffen bei PSI zwei Entwicklungsstränge aufeinander: klassisches Projekt- und Segmentgeschäft sowie die nachhaltige Umstellung auf cloud- und SaaS-fähige Bereitstellung. Wenn sich die Marge im Jahresverlauf wie anvisiert stabilisiert, könnte das Vertrauen in die Strategie wachsen – bleibt die Ergebnisbelastung hingegen länger als erwartet, wird die Finanzierung und Kostensteuerung zum zentralen Steuerungsthema für das Management.
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