HERZOGENAURACH / LONDON (IT BOLTWISE) – PUMA berichtet über ein besseres erstes Quartal als von Marktteilnehmern erwartet. Der Sportartikelhersteller nennt dabei vor allem eine spürbare Zollrückerstattung als Entlastung. Gleichzeitig bleibt das zweite Quartal voraussichtlich schwächer, und der Konzern stellt das Jahr 2026 als Übergang mit schrittweise verbesserten Umsätzen in Aussicht. Im Hintergrund verschieben Nahostkonflikt und US-Zölle den Blick auf den Ausblick, während das Unternehmen den Weg zu profitablerem Wachstum ab 2027 beschleunigen will.

PUMA koppelt die Bilanz des ersten Quartals klar an die zwei großen Einflussfaktoren der aktuellen Ergebnissaison: operativen Fortschritt und externe Effekte. Der Herzogenauracher Sportartikelhersteller meldet währungsbereinigt einen Umsatzrückgang von 9,4 % auf 1,69 Milliarden Euro nach 1,87 Milliarden Euro im Vorjahr. Damit liegt PUMA zwar unter den Erwartungen im Vorjahr, ordnet die Entwicklung aber in eine Sequenz ein, in der zunächst ein erwartungsgemäß schwächeres zweites Quartal folgt, bevor sich die Umsätze in der zweiten Jahreshälfte 2026 wieder schrittweise verbessern sollen.
Ein zentraler Hebel steckt in den Erträgen aus Zollrückerstattungen. PUMA weist für das Quartal einen EBIT-Verlust von 53,1 Millionen Euro aus, nach einem Verlust von 109 Millionen Euro im Vorjahr. Besonders wichtig ist die Aufschlüsselung: Effekte aus Zollrückerstattungen schlagen mit 11,5 Millionen Euro in das Ergebnis durch. Auch die EBIT-Marge verbessert sich entsprechend auf minus 3,1 % (nach minus 5,8 %), während eine geschätzte Marge von minus 4,1 % im Konsens zuvor weniger Erholung signalisiert hatte. Unter dem Strich schlägt sich das ebenfalls nieder: Nach Steuern und Dritten verzeichnet PUMA einen Verlust von 72,8 Millionen Euro, deutlich besser als minus 247 Millionen Euro im Vorjahr.
Technisch betrachtet zeigt diese Ergebnisstruktur, wie stark sich im Mode- und Sportartikelbereich kurzfristige Cashflow- und Kostenkomponenten auf Kennzahlen wie EBIT-Marge durchschlagen. Zollrückerstattungen wirken dabei nicht wie eine nachträgliche Umsatzkorrektur, sondern wie ein zeitlicher „Versatz“ im Kostenblock, der sich sofort im operativen Ergebnis bemerkbar macht. Für die Interpretation heißt das: Das Quartal verbessert die Profitabilitätskennzahl zwar spürbar, aber die operative Linie lässt sich erst sauberer beurteilen, wenn die übrigen externen Treiber wie Zölle und Wechselkurse im weiteren Jahresverlauf weniger volatil ausfallen. Genau deshalb betont PUMA die erwartete Entwicklung über die Quartale hinweg statt nur die Momentaufnahme.
Der Ausblick steht deshalb nicht im luftleeren Raum, sondern explizit unter dem Eindruck internationaler Unsicherheiten. PUMA berücksichtigt mögliche Auswirkungen des Nahostkonflikts sowie der US-Zölle und formuliert zugleich eine Planung, die auf eine allmähliche Erholung in der zweiten Jahreshälfte zielt. In der Mitteilung heißt es wörtlich: „Nach einem soliden ersten Quartal und einem erwartungsgemäß schwächeren zweiten Quartal rechnen wir mit einer schrittweisen Verbesserung der Umsätze in der zweiten Jahreshälfte 2026. Das stimmt uns für die weitere Entwicklung des Gesamtjahres zuversichtlich und wir bestätigen unseren Ausblick“, sagte CEO Arthur Hoeld. Für das Gesamtjahr stellt PUMA einen EBIT-Verlust in einer Spanne von 50 bis 150 Millionen Euro in Aussicht und nennt einen währungsbereinigten Umsatzrückgang im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich; die Konsensschätzung liegt aktuell bei einem EBIT-Verlust von 78 Millionen Euro.
Marktseitig ist dabei wichtig, dass PUMA sich im selben Atemzug in einen größeren Turnaround-Kontext einordnet. Das Unternehmen bezeichnet 2026 als „Reset-Jahr“ nach einem Übergangsjahr 2025, in dem vor allem der bewusst gesteuerte Rückzug aus niedrigpreisigen Vertriebskanälen sowie hohe Einmalzahlungen für Personalabbau den Ergebnispfad belastet hätten. Daneben spielten Zölle und ungünstige Wechselkurse bereits 2025 eine Rolle. Für 2026 rechnet PUMA erneut mit einem Übergangsjahr mit Verlust, jedoch soll der operative Verlust im Vergleich zum Vorjahr deutlich geringer ausfallen. Ab 2027 strebt der Konzern dann profitables Wachstum an – ein Ziel, das angesichts der aktuellen Ergebnishebel stark davon abhängt, wie stabil sich die Nachfrage, die Preispositionierung und die Kostenentwicklung über die Saison hinweg zeigen.
Auch im Börsenumfeld spiegelt sich die Mischung aus Entlastung und Unsicherheit. Die Aktie des adidas-Konkurrenten gibt vorbörslich zeitweise um 0,04 % auf 28,31 Euro nach. Das ist weniger „Schockreaktion“ als eher eine vorsichtige Neubewertung: Zwar hat PUMA das Quartal insgesamt besser präsentiert als viele Konsenswerte, doch der Ausblick bleibt durch externe Faktoren wie Zölle, Wechselkurse und regionale Konfliktrisiken erklärungsbedürftig. Für Anleger und strategische Entscheider ist damit vor allem die Frage relevant, ob die im ersten Quartal sichtbare Ergebnisverbesserung überwiegend ein temporärer Effekt bleibt oder ob sich die operative Entwicklung in den Folgequartalen so stabilisiert, dass der angekündigte Pfad zum profitablen Wachstum ab 2027 realistisch durchgeplant werden kann.
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