HERZOGENAURACH / LONDON (IT BOLTWISE) – Sportartikelhersteller Puma meldet im dritten Quartal weiter rückläufige Umsätze, zeigt aber im Vergleich zum Vorquartal erste Stabilisierung. Besonders der Abbau von Lagerbeständen schreitet voran, während die Rohertragsmarge von 45,4 auf 49,5 Prozent zulegt. Am Kapitalmarkt kam das gut an: Der Kurs legte um gut sieben Prozent zu und setzte sich im MDAX klar an die Spitze. Der Konzernchef Arthur Hölld bekräftigt zudem das Ziel, ab 2027 wieder Wachstum zu erreichen.

Puma befindet sich mitten in einem Konzernumbau, aber der operative Alltag bleibt vorerst von spürbarem Druck geprägt: Der Sportartikelhersteller verliert im dritten Quartal weiter Umsatz, insbesondere im Großhandelsgeschäft in Europa und Nordamerika. In diesen Kanälen reagieren Händler nach Angaben des Unternehmens weiterhin zurückhaltend auf Neulieferungen, weil die Konsumnachfrage mau bleibt und damit verstärkt Rabattaktionen nötig werden. Für die Investoren war deshalb nicht die Richtung allein entscheidend, sondern die Geschwindigkeit des Rückgangs: Laut dem Unternehmen fällt der währungsbereinigte Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorquartal geringer aus, und genau diese Tendenz hat die Stimmung spürbar gedreht.
Technisch betrachtet spielt bei Puma in dieser Phase vor allem das Zusammenspiel aus Warenbestand, Beschaffungsvolumen und Preisniveau eine zentrale Rolle. Die Lagerbestände wurden um rund ein Viertel reduziert, vorwiegend durch ein niedrigeres Beschaffungsvolumen. Gleichzeitig konnte Puma die Marge verbessern: Die Rohertragsmarge stieg von 45,4 auf 49,5 Prozent. Treiber waren niedrigere Beschaffungskosten sowie Zollrückerstattungen in Höhe von 29,8 Millionen Euro. Das ist für die Ergebnisentwicklung deswegen relevant, weil Restrukturierung zwar weiter kostet, ein stabileres Bruttobild aber die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sich Verluste schneller abflachen als bei gleichbleibendem Umsatzrückgang.
Auf der Ergebnis-Ebene liefert Puma damit ein gemischtes Bild. Die Erlöse sanken im Jahresvergleich um fünf Prozent auf rund 1,78 Milliarden Euro, währungsbereinigt betrug das Minus 6,3 Prozent. Beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) gelang mit 0,4 Millionen Euro zwar ein positives Ergebnis, doch die Restrukturierungskosten hielten das Unternehmen insgesamt in der Verlustzone: Der Nettoverlust lag bei 54,9 Millionen Euro und fiel damit etwas geringer aus als der Verlust von 62,3 Millionen Euro im Vorjahr. Für die Bewertung durch den Markt zählt oft die Frage, ob solche Wendepunkte nur buchhalterisch wirken oder ob sie operativ tragfähig werden, etwa durch sinkende Lagerbindung und bessere Konditionen in der Beschaffung.
Auch die regionale Aufteilung erklärt, warum die Aktie trotz der schwachen Kernmärkte zulegen konnte. Während Europa und Nordamerika erneut hinter den Erwartungen zurückblieben, stiegen die Erlöse in der Region Asien/Pazifik, einschließlich China. Zudem wuchs der Konzern im E-Commerce-Geschäft. Analysten ordnen das als Mischung aus Produkt- und Kanalmix: Laut DZ Bank dürften insbesondere die überraschend starke Umsatzentwicklung in Asien/Pazifik, das Wachstum in den Kategorien Running und Training sowie der Rückgang der Vorräte die gute Stimmung getragen haben. Jefferies-Analyst James Grzinic beschrieb das Ergebnisbild als Hinweis auf einen weiterhin komplexen Neustart des Kundeninteresses an der Marke. Wichtig ist dabei: Der Markt reagierte nicht auf eine einzelne Kennzahl, sondern auf das Gesamtbild aus Marge, Bestandsabbau und dem Abschwächen des Umsatzrückgangs.
Gleichzeitig bleibt die Story politisch und strategisch anspruchsvoll, weil Puma parallel zum Umbau mit neuen Eigentümerstrukturen in China ringt. Die chinesische Fila-Mutter Anta Sports hat nach dem Kauf von Anteilen den bisherigen Großaktionär im Einfluss abgelöst. Puma erwartet sich davon unter anderem bessere Erkenntnisse über den chinesischen Sportartikelmarkt, der in der Branche als Wachstumstreiber gilt. Im dritten Quartal führte das nach Unternehmensangaben dennoch zu Verunsicherung bei chinesischen Großhändlern, wodurch die Nachfrage von Handelspartnern zeitweise zurückhaltender ausfiel. Der Konzernchef ließ dabei offen, wie eine künftige Zusammenarbeit konkret aussehen könnte, sagte aber zu, Gespräche zu führen, und betonte zugleich, dass Anta die Strategie und das Management unterstütze.
Für Unternehmen und Entscheider ist Puma damit ein Fallbeispiel dafür, wie schwierig die Rückkehr in die Gewinnzone während einer Restrukturierung ist. Puma hat 2026 einen währungsbereinigten Umsatzrückgang im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt, allerdings die Spanne beim operativen Ergebnis erweitert: Das bereinigte Ebit erwartet der Konzern nun zwischen minus 80 und minus 130 Millionen Euro. Zudem kürzte Puma die Investitionen auf voraussichtlich unter 150 Millionen Euro; zuvor waren rund 200 Millionen Euro geplant. Der Konzernumbau, der die Konzentration auf Kernsportarten, weniger Produkte und den Ausbau des Direktgeschäfts mit Konsumenten vorsieht, umfasst den Abbau von Lagerbeständen, das Schließen unrentabler Läden und den Abbau von 1.400 Stellen. Ziel ist ein „nachhaltiges“ Wachstum ab 2027.
Zum Abschluss zeigt die Kursreaktion, wie stark Anleger derzeit auf Signale aus dem laufenden Umbau achten. Am Aktienmarkt kam das Paket gut an: Der Kurs stieg am Freitag um gut sieben Prozent und führte die Gewinnerliste im MDAX in einem schwächeren Umfeld an. Inhaltlich lassen sich dafür drei Punkte herauslesen: erstens die Verbesserung der Rohertragsmarge, zweitens der messbare Abbau der Lagerbestände, und drittens Hinweise auf ein geringeres Ausmaß des Umsatzrückgangs als im Vorquartal. Ob daraus tatsächlich eine belastbare Trendwende wird, entscheidet sich im Schlussquartal und danach daran, ob Puma die Balance aus Angebotspolitik, kanalbezogener Nachfrage und Margenpflege halten kann.
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