LONDON (IT BOLTWISE) – Die Idee, Rechenzentren im Orbit zu betreiben, gewinnt an Fahrt. Ein US-Startup plant, Bitcoin-Mining im Weltraum zu etablieren, um die nahezu unbegrenzte Solarenergie und die Vorteile der Kühlung im Vakuum zu nutzen. Doch bevor diese Vision Realität wird, müssen technische und wirtschaftliche Herausforderungen gemeistert werden.

Die Vorstellung, Rechenzentren im Weltraum zu betreiben, mag futuristisch klingen, doch sie könnte bald Realität werden. Ein US-Startup plant, Bitcoin-Mining im Orbit durchzuführen, um die nahezu unbegrenzte Solarenergie zu nutzen. Diese Idee verspricht nicht nur eine konstante Energieversorgung, sondern auch eine effizientere Kühlung der Hardware, da die Wärme direkt ins Vakuum abgestrahlt werden kann.
Die Vorteile orbitaler Rechenzentren sind vielversprechend. In bestimmten Umlaufbahnen ist die Sonnenenergie nahezu ständig verfügbar, was bedeutet, dass Solarpanels bis zu achtmal produktiver sein können als auf der Erde. Dies ist besonders für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz von Vorteil, die eine konstante Hochlast erfordern. Zudem entfällt der Bedarf an großen Kühlanlagen, die auf der Erde viel Strom und Wasser verbrauchen.
Allerdings stehen diesen Vorteilen erhebliche Herausforderungen gegenüber. Die kosmische Strahlung kann GPUs und andere Chips beschädigen, was zusätzliche Abschirmung und Backup-Hardware erforderlich macht. Auch die Wartung im Orbit ist komplizierter, da defekte Geräte nicht einfach ausgetauscht werden können. Hinzu kommt das erhöhte Kollisionsrisiko durch Weltraumschrott in stark genutzten Umlaufbahnen.
Der Bau solcher Rechenzentren ist zudem extrem teuer. Der Transport der Hardware in den Orbit verursacht hohe Kosten, die erst durch sinkende Startpreise, etwa durch wiederverwendbare Raketen, wirtschaftlich attraktiv werden könnten. Schätzungen zufolge könnten die Kosten bis Mitte der 2030er-Jahre auf etwa 200 US-Dollar pro Kilogramm Nutzlast sinken.
Philip Johnston, CEO und Gründer von Starcloud, hat ehrgeizige Pläne. Er plant, langfristig eine Konstellation von 88.000 KI-Satelliten zu etablieren. Pro Start einer Falcon 9 von SpaceX könnten etwa 50 Module mit insgesamt 10 Megawatt Leistung in den Orbit transportiert werden. Bei hunderten Starts pro Monat strebt Johnston an, jährlich etwa 10 Gigawatt neue Rechenleistung im Weltall zu installieren. Diese regelmäßigen Starts seien jedoch frühestens ab 2029 realistisch.
Langfristig könnten orbitale KI-Rechenzentren bis zu zehnmal weniger CO₂-Emissionen und Energiekosten verursachen als vergleichbare Anlagen auf der Erde. Dennoch bleibt der Transport mit der Falcon 9 der größte Umweltbelastungsfaktor. Die Vision von Rechenzentren im Orbit ist faszinierend, doch es bleibt abzuwarten, ob und wann sie Realität wird.
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