SAN FRANCISCO / LONDON (IT BOLTWISE) – Salesforce will sein Wachstumstempo im dritten Geschäftsquartal mit Agentforce weiter anziehen. Konzernchef Marc Benioff nennt als Ziel für das laufende Quartal bis zu 12 Prozent Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahr bei 11,42 bis 11,5 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig gehen Anleger im vorbörslichen US-Handel mit einem Plus von rund elf Prozent auf Tuchfühlung. Im Fokus stehen neben KI-Produktnachfrage auch optimistischere Aussagen zur Dynamik im zweiten Halbjahr.

Salesforce versucht gerade, den KI-Ansatz nicht als zusätzliches Feature zu verkaufen, sondern als Treiber für die Geschwindigkeit im Kerngeschäft. Im dritten Geschäftsquartal will der US-Softwareanbieter das Wachstumstempo hochhalten – und laut Unternehmensangaben soll vor allem das KI-Tool Agentforce weiter „Rückenwind“ liefern. Für das laufende Quartal nennt Marc Benioff in einer Mitteilung ein Umsatzwachstum von bis zu 12 Prozent im Vorjahresvergleich; die Spanne liegt bei 11,42 bis 11,5 Milliarden US-Dollar. Dass Analysten im Mittel eher das untere Ende der Erwartungen ansetzen, dämpft zwar den Überraschungseffekt, aber bei den Anlegern schlug die Kombination aus Ausblick und Tonalität spürbar durch.
Technisch betrachtet ist Agentforce in diesem Narrativ weniger „ein neues Modell“, sondern eine neue Art, Kundenprozesse in der Salesforce-Welt orchestrieren zu lassen. Genau an der Stelle wird KI im Unternehmenskontext oft entscheidend: Nicht die Rohgüte eines Modells zählt im Alltag der Fachabteilungen, sondern wie gut sich Ergebnisse in bestehende Workflows integrieren lassen – inklusive Datenzugriff, Kontextverständnis und nachvollziehbarer Handlung. Salesforce verknüpft diese Logik mit der Plattform, wenn Benioff betont, die KI schaffe Mehrwert auf allen Ebenen. In der Praxis bedeutet das: KI soll nicht nur Antworten liefern, sondern auch Interaktionen anstoßen, die für Sales-Teams oder Service-Organisationen messbar sind – etwa bei der Pflege relevanter Kundeninformationen oder beim Fortführen von Verkaufs- und Servicezyklen.
Der Markt belohnt dabei nicht nur die Erwartung künftiger Effekte, sondern auch Ergebnisse aus dem Ende Juli abgeschlossenen zweiten Geschäftsquartal. Dort stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 11 Prozent auf gut 11,3 Milliarden US-Dollar. Auf der Ergebnis-Seite weist Salesforce einen bereinigten operativen Gewinn in Höhe von 34,1 Prozent aus; unter dem Strich lag der Nettogewinn bei 3,5 Milliarden US-Dollar, fast 90 Prozent mehr als im Vorjahr. Solche Relationen sind für Investoren deshalb relevant, weil KI-Programme häufig zunächst Kosten verursachen: Rechenressourcen, Integrationsaufwände und Modellbetrieb müssen in der Gewinnrechnung sichtbar sein. In den Zahlen zeigt sich zumindest, dass Salesforce die KI-Initiativen bislang nicht als reinen Kostenblock behandelt, sondern in ein profitables Wachstumskonto übersetzt.
Für die Bewertung der Nachhaltigkeit spielt außerdem die Konkurrenzlage eine Rolle. Salesforce positioniert sich explizit als SAP-Rivale, und in der Berichterstattung taucht parallel der Hinweis auf, dass es beim Wettbewerber keine „Sommerflaute“ bei den vertraglich abgesicherten Umsätzen (CRPO) gegeben habe. Für Entscheider ist das ein Signal, dass die Verlagerung in den Enterprise-Softwaremarkt weiterhin spürbar in Wellen kommt: Kunden schieben nicht nur einzelne Projekte auf, sondern prüfen auch, ob neue Plattformfunktionen – etwa KI-Funktionen – Skaleneffekte erzeugen. Wenn Salesforce zugleich eine Beschleunigung im zweiten Halbjahr in Aussicht stellt, verschiebt sich die Diskussion vom „ob“ des KI-Einsatzes hin zu „wie schnell“ und „in welchen Bereichen“ sich die Effekte realisieren lassen.
Ein weiterer Baustein ist die Partnerstrategie rund um großsprachige KI-Systeme. Salesforce kündigte eine erweiterte Partnerschaft mit dem KI-Entwickler Anthropic an: Salesforce-Produkte sollen in dessen KI-Model Claude integriert werden. Für Vertriebsmitarbeiter kann das konkret heißen, dass sie über eine KI-Anwendung leichter auf Informationen zugreifen, die für Verkaufszyklen relevant sind – also etwa auf Kundenkontext, Statusinformationen und Verlaufsmuster. Damit setzt Salesforce auf das, was viele Unternehmen bei KI am schwierigsten finden: das Übersetzen von Text-Intelligenz in konkrete, datengestützte Assistenz direkt im System of Record. Ergänzend kommt eine finanzielle Dimension hinzu, die ebenfalls auf KI im Kundenservice zielt.
Im Juni hatte Salesforce angekündigt, das KI-Startup Fin für 3,6 Milliarden US-Dollar zu übernehmen. Laut Unternehmenslogik soll diese Transaktion helfen, die KI-Angebote im Kundenservice auszubauen. Zusätzlich adressiert Salesforce in der Kommunikation Befürchtungen, KI könnte Kunden dazu bringen, Produkte ganz aufzugeben oder niedrigere Preise auszuhandeln. Stattdessen verweist das Unternehmen auf eine niedrige Fluktuationsrate und bessere Vertragsbedingungen. Aus Sicht der Unternehmens-IT ist das nachvollziehbar: Selbst wenn KI die Nutzererfahrung verbessert, bleibt die Bindung meist an Systemintegration, Datenqualität und Prozessroutinen geknüpft. Genau dort entscheidet sich, ob KI neue Abwanderungsgründe schafft oder bestehende Investitionen in die CRM- und Service-Landschaft stärkt.
Schließlich zeigt der Blick auf die Prognose, wie Salesforce den Einfluss von Übernahmen und organischem Wachstum zusammenfasst. Für das Gesamtjahr stellt der SAP-Rivale Umsätze von 46,1 bis 46,4 Milliarden US-Dollar in Aussicht, nachdem zuvor 45,9 bis 46,2 Milliarden US-Dollar genannt wurden. Ein Teil der Erhöhung geht auf Übernahmen zurück, ein Teil soll aus eigener Entwicklung kommen. Für die kommenden Quartale wird damit weniger die Frage sein, ob KI „da ist“, sondern ob sich die KI-Integration in Agentforce, die Claude-Integration und die Service-Erweiterungen durch Fin in einer stabilen Kombination aus Nachfrage, Marge und Vertragsdynamik niederschlagen. Wenn das gelingt, dürfte sich KI bei Salesforce zunehmend von einem Marketing-Argument zu einem wiederholbaren Wachstumsmechanismus entwickeln – und genau darauf reagiert die Aktie sichtbar mit Schwung.
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