LONDON (IT BOLTWISE) – Die Samsung Galaxy Buds4 Pro liefern im Test vor allem beim Klang den spürbaren Sprung nach vorn. Samsung setzt auf ein Dual-Treiber-Layout mit 11-mm-Tiefmitteltöner und Hochtöner, was Höhen und Mitten klar ordnet. Auch das aktive Noise Cancelling wirkt deutlich effektiver als bei der Vorgängergeneration. Beim Akku bleibt Samsung dagegen hinter mehreren Wettbewerbern zurück, während die App-Optionen vor allem im Samsung-Ökosystem überzeugen.

Die Samsung Galaxy Buds4 Pro zielen klar auf das obere Regal – und der wichtigste Ansatzpunkt liegt nicht beim Zubehör oder bei Marketing-Features, sondern im Frequenzbereich. Im Praxistest fällt vor allem die Abstimmung auf: Samsung nutzt ein Dual-Treiber-Layout, bei dem neben einem Hochtöner ein 11-Millimeter-Tiefmitteltöner arbeitet. Das klingt im Alltag nicht nach einem „Zahlen-Upgrade“, sondern nach hörbarer Kontrolle: Gitarren wirken naturnäher, Höhen und Mitten bleiben präsent, und die Bühne ordnet sich so, dass Stimmen zentral und im Vordergrund bleiben, ohne dass der Bass in den Hintergrund gedrückt wird.
Beim direkten Abgleich mit Apples AirPods Pro 3 zeigt sich, warum Samsung dieses Jahr anders argumentiert. In den Tiefen können die AirPods nach Eindruck des Tests minimal druckvoller wirken, insgesamt erscheint das Klangbild der Buds4 Pro jedoch harmonischer. Gerade bei wechselnden Genres zeigt sich die Stabilität der Abstimmung: In komplexen Passagen bleibt die Wiedergabe strukturiert, statt in einen einzigen „Einheitsbrei“ zu kippen. Damit rückt Samsung näher an die Geräte vor, die typischerweise als Referenz gelten, auch wenn der Abstand zu den jeweils stärksten Testsiegern in der obersten Leistungsklasse im Einzelfall bestehen bleibt.
Neben dem Klang ist das aktive Noise Cancelling der zweite große Hebel. Samsung beschreibt die Verbesserung dabei als spürbar effektiver – insbesondere dann, wenn Musik gleichzeitig läuft. Im Vergleich zur Buds3-Pro-Generation, bei der die aktive Geräuschunterdrückung offenbar nicht auf Top-Niveau mithalten konnte, wirkt die neue Stufe deutlich runder. Auch der Transparenz-Modus macht im Test Fortschritte: Gespräche seien mit den Buds im Ohr möglich, wobei man gleichzeitig realistisch bleibt, dass führende Lösungen bei stärkerem Umgebungslärm weiterhin einen Vorteil haben.
Technisch und für den Alltag ebenso relevant ist, wie gut sich die Buds4 Pro einbetten lassen. Mit Android unterstützen die Galaxy Buds den Funktionsumfang breiter als im reinen Samsung-Kosmos: Wer nicht nur ein Samsung-Smartphone nutzt, bekommt dennoch zahlreiche Optionen, während einzelne KI-bezogene Funktionen und der hauseigene Codec SSC eher an den „Galaxy-Kosmos“ gebunden bleiben. In der Praxis steuert die App „Galaxy Wearables“ die wichtigsten Parameter: Dazu gehören die Auswahl zwischen Transparenz, adaptivem ANC und aktivem ANC sowie das vollständige Abschalten der Geräuschunterdrückung. Besonders auffällig ist der Equalizer: Samsung bietet einen komplett manuellen Neun-Band-EQ mit Presets, während Apples Gegenpart in der Testbeschreibung ohne einen vergleichbar manuellen Equalizer auskommt. Abseits des Klangs entscheidet außerdem die Bedienlogik: Touch- und Pinch-Gesten werden als angenehmer beschrieben als bei den Buds3 Pro, allerdings wirkt die Personalisierung der Touch-Steuerung nur eingeschränkt – eine frei definierbare Belegung für alle Befehle bleibt aus.
Bei Konnektivität und Akkulaufzeit zeigt sich eine gemischte Bilanz. Bluetooth arbeitet mit dem aktuellen Standard 6.1 und unterstützt Auracast, allerdings mit einer klaren Voraussetzung: Dafür braucht es ein entsprechendes aktuelles Galaxy-Smartphone. Multipoint wird dagegen nicht unterstützt. Die Codec-Landschaft umfasst neben SBC und AAC auch die skalierbaren bzw. höherauflösenden SSC-Varianten, die laut Test aber ebenfalls an kompatible Endgeräte aus Samsungs Umfeld gekoppelt sind. Der Equalizer und die Klangverbesserungen liefern damit vor allem dann den maximalen Effekt, wenn Anwender ohnehin in das Samsung-Ökosystem investieren. Beim Akku hingegen bleibt die Kritik sachlich: Mit sechs beziehungsweise 26 Stunden Laufzeit (je nach Nutzung mit aktiviertem ANC) ordnen sich die Buds4 Pro eher im unteren Mittelfeld ein; mehrere Wettbewerber bieten im Eindruck des Tests zusätzlich zwei bis vier Stunden.
Auch die Hardware-Sicherheit und der Formfaktor treffen einen bewussten Ton. Beim Wasserschutz nennt der Test IP57, damit sind die In-Ears gegen zeitweises Untertauchen geschützt – ein solides Signal für Alltagsszenarien wie Regen oder Training. Beim Design setzt Samsung auf weniger „bunte“ Akzente und mehr Metallwirkung: Der lange Stiel bleibt erhalten, die Metallfläche außen wirkt hochwertiger, während innen wiederum die visuelle Nähe zu Apples aktuellem Stil deutlich wird. Das Ladecase übernimmt eine getönt-transparente Optik der Buds3 FE und soll sich durch die veränderte Positionierung der Buds im Inneren intuitiver handhaben lassen. Am Ende ergibt sich so ein Gesamtbild, in dem Samsung besonders beim Sound und beim ANC konsistent liefert, während Akku und die Einschränkungen beim Codec- und Funktionsumfang je nach Endgerät die wichtigsten Stellschrauben für Käufer darstellen.
Für Entscheider und Technik-affine Nutzer ist der Test vor allem deshalb interessant, weil er die gleiche Frage aus unterschiedlichen Blickwinkeln beantwortet: Lohnt sich ein Wechsel innerhalb der „Premium-TWS“-Klasse? Die Antwort fällt im Klangbereich sehr klar aus, im Feature-Teil ist die App- und Gestenwelt breiter nutzbar als in manchen geschlossenen Ökosystemen, und ANC sowie Transparenz holen spürbar auf. Wer allerdings maximale Akkulaufzeit priorisiert oder Multipoint erwartet, findet hier keinen Durchmarsch. Genau diese Mischung macht die Buds4 Pro zu einem Gerät, das in der Praxis sehr gut „funktioniert“, aber nicht blind in alle Nutzerprofile passt.
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