TOKIO / LONDON (IT BOLTWISE) – SoftBank steht vor einer Herausforderung: Während der Kursrückgang von Intel den Portfoliowert belastet, bietet die Beteiligung an OpenAI langfristige Chancen. Die Entwicklung einer eigenen KI-Infrastruktur könnte das Unternehmen in eine neue Ära führen.

SoftBank befindet sich in einer spannenden, aber auch herausfordernden Phase. Der jüngste Kursrückgang von Intel hat den Portfoliowert des Unternehmens erheblich belastet. Intel, ein bedeutender Bestandteil von SoftBanks Investitionsportfolio, erlebte einen dramatischen Kurssturz von 17 %, ausgelöst durch einen schwachen Ausblick auf das erste Quartal 2026 und Probleme bei den Fertigungserträgen. Diese Entwicklung hat direkte Auswirkungen auf den Net Asset Value (NAV) von SoftBank, das zuletzt rund 2 Milliarden US-Dollar in den US-Chipkonzern investiert hatte.
Auf der anderen Seite steht SoftBanks Beteiligung an OpenAI, die für positive Impulse sorgt. Laut einer Analyse von BTIG hat SoftBank Vorzugsrechte auf OpenAI-Anteile zu einer Bewertung von 300 Milliarden US-Dollar gesichert. Der geschätzte Fair Value dieser Beteiligung liegt bei etwa 54,9 Milliarden US-Dollar, was einen potenziellen NAV-Effekt von über 4,4 Milliarden US-Dollar bedeuten könnte. Diese stille Reserve bietet SoftBank eine gewisse Stabilität inmitten der Turbulenzen am Aktienmarkt.
Parallel zu den Finanzbeteiligungen treibt SoftBank den Aufbau einer eigenen KI-Infrastruktur voran. Mit der Einführung des Infrinia AI Cloud OS, einem Betriebssystem für KI-Rechenzentren, positioniert sich das Unternehmen als Vorreiter in der KI-Entwicklung. Diese Plattform bietet Kubernetes-as-a-Service und Inference-as-a-Service und ist auf den Betrieb großer Sprachmodelle ausgelegt. Der Launch steht im Zusammenhang mit der Übernahme der DigitalBridge Group für 4 Milliarden US-Dollar, was die physische Infrastruktur von SoftBank weiter stärkt.
Die strategische Neuausrichtung von SoftBank weg vom reinen Investmentvehikel hin zu einem industriell geprägten KI-Konzern zeigt sich auch in der Reduzierung des Insideranteils an Symbotic. SoftBank verkaufte im dritten Quartal 3,5 Millionen Aktien des Robotikunternehmens, um sich stärker auf die KI-Infrastruktur zu konzentrieren. Diese Schritte verdeutlichen den Wandel von SoftBank zu einem „AI Industrialist“, der nicht nur von Beteiligungen, sondern auch von eigener operativer Stärke profitieren möchte.
Die kommenden Monate werden entscheidend sein, insbesondere mit Blick auf die Quartalszahlen im Februar. Analysten erwarten, dass SoftBank die OpenAI-Beteiligung in der Bilanz nach oben anpasst, um die Marktwertverluste aus anderen Beteiligungen wie Intel zu kompensieren. Die Aktie notiert derzeit mit einem deutlichen Abschlag auf den geschätzten NAV, was CEO Masayoshi Son mit dem Ausbau eigener operativer Aktivitäten verringern will. Die Marktreaktionen zeigen, dass Anleger kurzfristig die Verluste aus dem Intel-Rückgang stärker gewichten als die langfristigen Chancen durch OpenAI und die eigene KI-Infrastruktur.
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