LONDON (IT BOLTWISE) – Für Crew-13 werden bei einem Notfall auf dem Startgelände künftig Tesla Cybertrucks als private Rettungsfahrzeuge bereitstehen. NASA-Programmdetails zufolge will SpaceX damit Konflikte mit anderen Starts vermeiden und gleichzeitig eine schnellere Exit-Option aus der Gefahrenzone sicherstellen. Die Umstellung erfolgt ohne Fahrzeugumbauten, aber mit einem Zertifizierungsprozess für das Ein- und Aussteigen im Raumanzug. Crew-13 ist für den 12. September angesetzt, mit einer Besetzung, in der Jessica Watkins und mehrere Rookie-Mission Specialists stehen.

SpaceX ersetzt MRAPs durch Cybertrucks für Crew-13-Notfallflucht
SpaceX ersetzt MRAPs durch Cybertrucks für Crew-13-Notfallflucht (Foto: IT BOLTWISE)
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Mit Blick auf die Startvorbereitung von Crew-13 zeichnet sich eine praktische Änderung ab, die im Alltag eher nach Logistik als nach Raumfahrttechnik klingt: SpaceX stellt für die Notfallflucht auf dem Startgelände nicht länger auf Mine-Resistant Ambush Protected Fahrzeuge (MRAPs) ab, sondern lässt stattdessen Tesla Cybertrucks bereitstehen. Der entscheidende Punkt ist dabei nicht der Fahrzeugtyp als solcher, sondern die Abstimmung mit der Startplanung anderer Missionen. NASA-Programmdaten zufolge begründet Richard Jones den Wechsel mit einer „private rescue capability“, die potenzielle Konflikte mit zeitgleichen NASA-Starts reduzieren soll. Das ist organisatorisch relevant, weil Rettungs- und Bodenressourcen selten beliebig skalieren; wer parallel plant, muss Schnittstellen sauber entflechten.

Technisch betrachtet bleibt die Kernanforderung für das Rettungskonzept gleich: Die Besatzung muss im Ernstfall zügig aus dem „blast danger area“ heraus. Jones nennt als Vorteil, dass Cybertrucks schneller beschleunigen als MRAPs – ein Detail, das direkt in die Zeitachse einer Evakuierung hineinwirkt. Gleichzeitig betont er, dass die Entscheidung nicht nur auf Geschwindigkeit zielt. Vielmehr beschreibt er den Nutzen als Entkopplung davon, dieselben MRAP-Ressourcen für Personal in mehreren Operationen gleichzeitig „konkurrenzieren“ zu müssen. Für Unternehmen und Programmmanager ist das ein klassisches Muster im Launch-Betrieb: Selbst wenn Fahrzeuge technisch geeignet sind, entscheidet oft die Ressourcenlogik über den finalen Sicherheits- und Ablaufplan.

Ungewöhnlich ist außerdem, dass SpaceX laut Angaben zunächst keine Modifikationen an den Cybertrucks vornimmt. Stattdessen geht es um Zertifizierung – also darum, den Betriebsprozess so zu prüfen, dass die Astronauten mit Handschuhen sowie im Raumanzug sicher ein- und aussteigen können. Gerade dieser Punkt ist in einer Umgebung entscheidend, in der jede zusätzliche Aktivität vor dem sicheren Transfer in das Fahrzeug den Ablauf verlängert oder Fehlerwahrscheinlichkeit erhöht. Die Zertifizierung adressiert dabei weniger die Fahrdynamik als die Schnittstelle Mensch–Fahrzeug: Einstiegshöhe, Haltemöglichkeiten, Bewegungsfreiheit und die Bedienbarkeit unter Schutzkleidung. Damit rückt auch ein Aspekt ins Zentrum, den man bei reinem Blick auf „schnellere“ Fahrzeuge leicht unterschätzt: In Raumanzügen zählt nicht nur der Weg aus der Gefahrenzone, sondern die Sekunden bis zum korrekten „Lock-In“ in die Fluchtkette.

Für den konkreten Missionstakt liefert die Planung von Crew-13 den nächsten Kontext. Der Start ist auf den 12. September mit 6:30 pm ET terminiert. Als Kommandantin fliegt NASA-Astronautin Jessica Watkins; sie ist damit die erste NASA-Person, die doppelt auf einem Crew Dragon geflogen ist. In der aktuellen Mission trägt sie den Platz im Cockpit eines neuen bzw. zweiten Einsatzes der Kapsel: Crew Dragon Grace soll nach früherem Einsatz erneut zum Einsatz kommen. Dazu kommen Luke Delaney als Pilot sowie Joshua Kutryk von der Canadian Space Agency und Sergey Teteryatnikov von Roscosmos; Delaney, Kutryk und Teteryatnikov sind dabei als Rookie eingeordnet, während Watkins bereits 2022 geflogen ist. Solche Besetzungsdaten sind nicht nur Biografie: Sie beeinflussen Trainingsschwerpunkte, Rollenverteilung in Notfallprozeduren und auch die Art, wie schnell neue Crew-Mitglieder in Routinen hineinwachsen.

Die Zeitlinie der Mission spiegelt zudem, wie eng Budget- und Ressourcenplanung in der ISS-Logik miteinander verzahnt sind. Crew-13 war ursprünglich für November vorgesehen, wurde aber auf September vorgezogen. In den Angaben heißt es, damit werde der typische 6‑Monatsrhythmus für NASA-Missionen wiederhergestellt. Gleichzeitig gab es laut NASA kurzzeitig die Überlegung, auf 8‑Monatsmissionen umzuschwenken – wie Russland es praktiziert hat. Entscheidend war dabei, dass Flüge drei Jahre im Voraus bestellt werden müssen, weshalb Budgetengpässe die Planung bereits vorab beeinflussen. Nach Abschluss der Finanzierung durch den Kongress habe sich diese Verschiebung jedoch „gesünder“ entwickelt. In diesem Zusammenhang werden auch Mittel genannt: Unter anderem sieht ein Gesetzespaket über mehrere Jahre insgesamt 10 Milliarden US-Dollar für die NASA vor, gekoppelt an eine konkrete Untergrenze von mindestens 250 Millionen US-Dollar pro Jahr für die ISS von FY2025 bis FY2029. Solche Zielgrößen sind für die operative Taktung besonders relevant, weil sie die „Spielräume“ für Launch-Rescheduling definieren.

Über die Crew-Planung hinaus geht es bei der ISS aktuell auch um technische Stabilität in den Versorgungskanälen. Dana Weigel, Managerin des NASA-Low-Earth-Orbit-Programms, ordnet demnach ein, dass Luftleckthemen im russischen Segment, die im Juni dazu führten, dass fünf von sieben Crew-Mitgliedern in die Crew Dragon Kapsel „sheltern“, inzwischen gestoppt sind. Es gab demnach Leckindikationen im Bereich des PrK-Transfers-Tunnels, die seit 2019 als Problem bekannt waren und zunächst als abgedichtet galten. Als neue Lecks entdeckt wurden, standen Reparaturen mit dem Entfernen eines Halterungsteils an; in der Folge wies man die Astronauten bzw. Kosmonauten vorsorglich an, in Crew Dragon zu bleiben. Roscosmos habe sich letztlich entschieden, nicht die geplante Reparatur durchzuführen, sondern eine temporäre Technik zu verwenden, die offenbar erfolgreich war. Weigel fasst den Status dabei mit „There is no ongoing leak“ zusammen – ein Satz, der für die Missionstaktik unmittelbar zählt, weil laufende Leckagen Sicherheits- und Operationsfenster verkleinern.

Für die Industrie ergibt sich aus der Kombination dieser Themen ein klares Bild: Die nächsten Schritte Richtung häufiger ISS-Flüge hängen nicht nur an Raketen- und Kapselkapazitäten, sondern ebenso an Boden- und Notfallprozessen, die in der Praxis über „schnell verfügbar“ oder „konkurrenzfähig“ entscheiden. Der Wechsel von MRAPs zu Cybertrucks ist in dieser Logik weniger als Lifestyle-Gimmick zu verstehen, sondern als gezielte Optimierung von Beschleunigungs- und Ressourcenparametern. Gleichzeitig zeigt die Zertifizierungsarbeit, dass Fahrzeugplattformen im Raumfahrtkontext ihre Eignung erst über validierte Schnittstellen und definierte Abläufe erhalten. Wenn NASA künftig tatsächlich stärker auf einen stabilen, häufigeren Startturnus setzt, wird solche Operational Engineering-Feinarbeit ein wiederkehrender Erfolgsfaktor bleiben.


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