LONDON (IT BOLTWISE) – SpaceX steht in dieser Woche unter Druck, weil Short Seller ihre Positionen deutlich aufgestockt haben. Gleichzeitig rücken die anstehenden Quartalszahlen und ein großer Share-Lock-up näher, der ab Donnerstag teilweise freigegeben wird. Der Analyst Glenn Thum bewertet die Aktie mit Sell und verweist darauf, dass Künstliche Intelligenz zwar die Bewertung trägt, aber nicht die laufenden Gewinne. Entscheidend dürfte sein, ob Starlink das wachsende Investitionsprogramm für KI-Compute und Starship zeitlich überbrückt.

Für SpaceX verdichtet sich die Lage auf einen engen Zeitplan: Erst die Veröffentlichung der Ergebnisse im kommenden Dienstag, dann die teilweise Aufhebung eines großen Lock-ups am Donnerstag. In der Zwischenzeit wächst der Gegenwind von der Short-Seite deutlich. Laut den Angaben im Artikel stieg das Short Interest auf 219,3 Millionen Aktien (Stand 29. Juli), was rund 34% der öffentlich gehandelten Anteile entspricht. Bis Mitte Juni waren es demnach erst 23,3 Millionen Aktien, was zeigt, wie schnell sich die Erwartungslage an der Kapitalmarktkante verschoben hat.
Technisch und geschäftlich liegt der Kern der Debatte in der Balance zwischen „Cash-Cow“ Starlink und dem kapitalintensiven KI- und Raumfahrtprogramm. SpaceX generiert dem Bericht zufolge Erlöse aus der Starlink-Konnektivität, aus kommerziellen und staatlichen Startservices sowie aus einem sich entwickelnden Geschäft mit KI-Compute. Starlink liefert aktuell den überwiegenden Teil des bedeutenden operativen Ergebnisses, während die KI-Infrastruktur und auch Starship laut Darstellung erhebliche Investitionen benötigen. Genau hier setzt die Bewertung an: Der Analyst Glenn Thum soll argumentieren, dass Künstliche Intelligenz vor allem die Unternehmensbewertung stützt, aber nicht die laufenden Gewinne.
Die Zahlen, die Thum in den Raum stellt, sind dabei besonders klar auf Kosten- und Cashflow-Dimensionen zugeschnitten. Für die KI-Einheit nennt der Artikel 3,2 Milliarden US-Dollar Umsatz im Jahr 2025, zugleich aber einen operativen Verlust von 6,4 Milliarden US-Dollar. Außerdem rechnet der Analyst damit, dass der kumulierte negative Free Cashflow bis 2030 in der Größenordnung von etwa 90 Milliarden US-Dollar liegen dürfte. Als zusätzliche Risikoachse werden außerdem auslaufende große Compute-Vereinbarungen genannt, die spätestens gegen Ende 2029 fällig werden sollen. Damit verschiebt sich die Aufmerksamkeit von der reinen Erlösstory hin zu der Frage, ob neue Compute-Deals die Finanzierungslücke später schließen können.
Marktmechanisch kommt noch ein möglicher Liquiditätseffekt hinzu: Wenn der erste Lock-up ausläuft, können dem Bericht zufolge bis zu 911,5 Millionen weitere Aktien für den Handel verfügbar werden. Das könnte nach den Earnings kurzfristig einen supply shock verstärken, weil Angebot und Nachfrage zeitlich auseinanderlaufen. Die Short-Seite wiederum positioniert sich in dieser Phase, während die Wall Street parallel auf eine konkrete Umsatz- und Ergebnisbandbreite schaut: Erwartet werden dem Artikel zufolge rund 6,93 Milliarden US-Dollar Umsatz im zweiten Quartal und ein operativer Verlust von 1,55 Milliarden US-Dollar. Für Anleger ist das eine Einladung, kurzfristige Ergebniskennzahlen mit mittelfristigen Investitionsplänen zu verknüpfen, statt beides getrennt zu betrachten.
Thums Argumentation zur operativen Hebelwirkung ist außerdem differenziert: Starlink bleibt demnach der Profit-Motor, während die dominierende Start-Roadmap 2025 lediglich 22% des Umsatzes ausgemacht haben soll. Gleichzeitig soll Starship als Bewertungsfaktor erst dann „greifen“, wenn es nachweislich Orbital-Delivery in einer Größenordnung liefert, die sich als wiederkehrender Ertragsbeitrag darstellen lässt. Für Unternehmen und Entwicklerteams, die KI- oder Raumfahrt-nahe Infrastruktur planen, verschiebt sich damit auch der Blick auf die Engineering-Frage: Wie stabil lässt sich eine KI-Compute-Operation finanzieren, wenn sie zwar hohe Umsätze erzeugt, aber zunächst deutlich verlustärmer skalieren muss als etwa Netzwerkbetrieb und Hardwarefertigung?
Praktisch bedeutet das für die nächsten Wochen vor allem: Starlink-Subscriber-Wachstum und Average Revenue per User (ARPU) werden die Latte für den Cashflow setzen, während die KI-Compute-Umsätze sowie die Kapitalausgaben (Capex) zeigen müssen, ob sich die Investitionen in reale Margenchancen übersetzen. Zusätzlich ist die Management-Timeline entscheidend, also wann und wie sich die KI-Operation langfristig selbst finanzieren soll. Wenn Starlink Margen ausbauen kann, wenn Compute-Verträge glaubwürdig verlängert oder neu abgeschlossen werden oder wenn bei Starship ein belastbarer Fortschritt in Richtung Orbital Delivery sichtbar wird, könnte das den Druck auf „crowded“ Short-Positionen erhöhen. Umgekehrt würden schwache Guidance, anhaltender Cash Burn oder starkes Insider Selling nach der Lock-up-Freigabe den bärischen Case stützen und Thums $75-Ziel näher an die Realität rücken.
Für Investoren bleibt damit eine Art Prüfstein: Sie müssen einschätzen, ob das Profil aus Starlink-Erträgen und der Finanzierungslücke der KI- und Space-Initiativen in der nächsten Phase enger zusammenläuft. Das ist auch deshalb relevant, weil Short Seller bei stark erwartungsgetriebenen Event-Fenstern oft besonders sensibel auf neue Informationen reagieren. In der Summe ist der kommende Ergebnismoment nicht nur ein Update zu vergangenen Quartalen, sondern ein Signal, ob die KI-Compute-Infrastruktur wirtschaftlich später „einrastet“ oder weiterhin primär Bewertungsfantasie liefert. Bis dahin entscheidet die Kombination aus operative Parallelsystemelemente – Netzwerkumsatz, Compute-Deals und Start-Progress – über die Richtung der Aktie.
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