LONDON (IT BOLTWISE) – Im Juli flossen erstmals mehr als eine Milliarde Dollar monatlich durch Stablecoin-basierte Neobanken. Verbraucher gaben dabei 748 Millionen Dollar über Stablecoin-Dienste aus, ein Plus von 19 Prozent zum Vormonat. Besonders stark wachsen Krypto-Zahlungskarten, die Ende Juli Tages-Spitzen von fast 37 Millionen Dollar erreichten. Parallel rüsten Großbanken und Zahlungsanbieter ihre Infrastruktur für USDC und weitere Stablecoins aus.

Stablecoins verlassen im Juli die reine Nischen-Ecke: Laut den vorliegenden Marktdaten lagen die monatlichen Volumina stabilcoinbasierter Neobanken erstmals bei mehr als einer Milliarde US-Dollar. Ausschlaggebend war nicht nur die B2B-Aktivität, sondern vor allem das Verbrauchsgeschäft. 748 Millionen US-Dollar gaben Nutzer im Juli über Stablecoin-Dienste aus, das entspricht einem Plus von 19 Prozent gegenüber Juni. Rechnet man die institutionellen Transaktionen hinzu, ergibt sich für den Monat insgesamt der Sprung über die Milliardenmarke – ein Signal dafür, dass sich die Zahlungswege aus dem On-Chain-Umfeld zunehmend als Frontdoor für Alltagsnutzung etablieren.
Technisch betrachtet liegt der Engpass bei Stablecoin-Zahlungen selten im „Ob“, sondern im „Wie schnell und reibungslos“. Genau dort setzen Krypto-gebundene Zahlungskarten an, weil sie On-Chain-Transfers mit einem klassischen Karten-Checkout koppeln. Die Daten weisen darauf hin, dass die On-Chain-Volumina solcher Zahlungskarten im Juli erstmals die Milliarden-Grenze überschritten haben. Gegen Monatsende lagen die täglichen Transaktionsspitzen bei fast 37 Millionen US-Dollar – ein Tempo, das für viele Anbieter nur mit klaren Abwicklungsroutinen, stabiler Liquidität und einem nahtlosen Prozess vom Stablecoin-Transfer bis zum Kartenabruf erreichbar ist. Gleichzeitig zeigt das Portfolio kleinerer Anbieter wie Avalanche Card oder Plasma One, dass Wachstum nicht ausschließlich Top-Down stattfindet: Für sie werden Zuwachsraten von über 60 Prozent im Monat berichtet.
Damit verschiebt sich auch der Wettbewerb in der Neobankenwelt. Die Entwicklung konzentriert sich laut den Zahlen auf wenige dominante Anbieter: RedotPay führte im Juli mit mehr als 382 Millionen US-Dollar, damit entfielen über die Hälfte des Marktvolumens auf den Anbieter. Dahinter folgen EtherFi Cash mit 91 Millionen und KAST mit 88 Millionen US-Dollar. Interessant ist, dass parallel weiterhin neue Produktschichten entstehen. In den USA startete am 27. Juli X Money einen Dienst für Premium-Abonnenten, der hochverzinsliche Einlagen über eine Partnerbank kombiniert und durch eine Visa-Debitkarte mit Cashback ergänzt wird. Damit tritt die Plattform direkt in eine Kategorie ein, in der normalerweise etablierte Zahlungs- und Einlagenprodukte dominieren – nur mit einem Stablecoin-nahen Verbrauchsmodell im Hintergrund.
Ein weiterer Hebel ist die Einbettung in institutionelle Workflows. Standard Chartered gilt in diesem Kontext als erste global systemrelevante Bank, die USDC direkt über ihre Bankplattform für institutionelle Kunden ermöglicht, inklusive Prägen und Einlösen. Der Start soll im Dubai International Financial Center erfolgt sein; zudem macht das Modell Drittanbieter-Konten überflüssig. Auch BNY Mellon integriert USDC in seine Plattform für digitale Vermögenswerte: Institutionelle Kunden können den Stablecoin über Ethereum und Solana speichern, prägen und übertragen. Solche Schritte folgen dem Trend hin zu Standardisierung und interoperablen Zahlungsobjekten, etwa durch das OpenUSD-Konsortium, dem inzwischen mehr als 140 Unternehmen angehören. Ergänzend erweitern klassische Zahlungsdienstleister ihre Blockchain-Aktivitäten: MoneyGram brachte mit MGUSD einen dollar-gestützten Stablecoin auf dem Stellar-Netzwerk für grenzüberschreitende Zahlungen an den Start, emittiert in Partnerschaft mit einem Zahlungsunternehmen und technisch unterstützt durch M0 und Fireblocks.
Regional zeigt sich ebenfalls, wie unterschiedlich der Weg in Richtung Stablecoin-Zahlungsinfrastruktur ausfällt. Europa holt auf: Ein Konsortium aus 37 Banken plant laut den Angaben die Einführung eines Euro-gestützten Stablecoins in der zweiten Jahreshälfte 2026; zuvor stießen unter anderem ABN AMRO, Rabobank, Nordea und Intesa Sanpaolo dazu. Das Ziel ist klar formuliert: Der Anteil euro-gedeckter digitaler Assets soll steigen, aktuell liegt er bei weniger als einem Prozent des gesamten Stablecoin-Marktes. In Asien dagegen wird eher auf Plattform- und Infrastrukturbreite gesetzt: Samsung SDS will gemeinsam mit Dunamu, dem Betreiber der Börse Upbit, Stablecoin-Infrastruktur entwickeln; die Initiative kombiniert Blockchain, Künstliche Intelligenz und Cloud-Dienste. Außerdem soll Samsung Electronics Stablecoin-Unterstützung in seine Mobile Wallet integrieren. Während klassische Institute den digitalen Wandel häufig zögerlicher angehen, wirkt die Geschwindigkeit dort besonders, wo Plattformen bereits große Nutzerbasis und Distribution mitbringen.
Dass der Markt trotzdem in Bewegung bleibt, liegt auch an regulatorischen Leitplanken, die den Produktbau in eine bestimmte Richtung drücken. Der im Juli 2025 unterzeichnete GENIUS Act verlangt von Stablecoin-Emittenten eine vollständige Deckung im Verhältnis 1:1 und verbietet die Zahlung von Zinsen auf diese Assets. Analysten beobachten, dass Anleger mit Renditefokus dadurch vermehrt in tokenisierte Staatsanleihen ausweichen; dieses Segment soll auf 17 Milliarden US-Dollar gewachsen sein. Gleichzeitig bleiben die Konjunkturen unter der Oberfläche: Obwohl die Gesamtmenge großer Stablecoins wie USDT und USDC seit Mai um rund 14,5 Milliarden US-Dollar gesunken ist, bleiben die bereinigten Transaktionsvolumina hoch. Im Juni wurden dabei 1,79 Billionen US-Dollar erreicht – unter anderem angetrieben durch Aktivitäten auf Ethereum und Base. Für Unternehmen heißt das: Stablecoin-basierte Zahlungssysteme profitieren aktuell stärker von Nutzungsintensität und Infrastrukturreife als von reiner Bestandsgröße.
Die Prognosen zur weiteren Entwicklung sind entsprechend gespalten. Laut den Angaben überstieg die gesamte Marktkapitalisierung von Stablecoins Anfang 2026 die Marke von 300 Milliarden US-Dollar, doch zur Zukunft variieren die Erwartungen deutlich. JPMorgan rechnet damit, dass die jährlichen Transaktionsvolumina bis Ende dieses Jahres auf 17,2 Billionen US-Dollar steigen könnten. Gleichzeitig soll sich die Marktkapitalisierung aufgrund hoher Umlaufgeschwindigkeit bis 2028 zwischen 500 und 600 Milliarden US-Dollar stabilisieren. Andere Institute wie Standard Chartered und Citigroup bleiben optimistischer und sehen bis Ende des Jahrzehnts ein Marktvolumen von zwei bis vier Billionen US-Dollar. Unabhängig davon wird für Finanz- und Payment-Teams entscheidend, die Architektur sauber zwischen On-Chain-Abwicklung, Karten- bzw. Checkout-Schicht und Liquiditätssteuerung zu trennen – genau dort entscheidet sich, ob Stablecoins im Massenmarkt als „Durchlauf“ oder als dauerhafte Zahlungsoption bestehen.
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