LONDON (IT BOLTWISE) – Starcloud, ein Startup für Rechenzentren im Weltraum, hat 250 Mio. USD eingesammelt und das Unternehmen auf 2,3 Mrd. USD bewertet. Die Mittel sollen vor allem den Ausbau der KI-Infrastruktur über orbitale Rechenzentren beschleunigen. In der Runde waren unter anderem Manhattan West sowie Investoren wie Benchmark, EQT, Soma beteiligt. Zudem arbeitet Starcloud mit NVIDIA an Modulen für den Betrieb unter Strahlung und extremen Orbitbedingungen.

Starcloud treibt den Bau von Rechenzentren im Weltraum mit einer neuen Finanzierungsrunde deutlich voran: Das Startup meldete 250 Mio. USD bei einer Unternehmensbewertung von 2,3 Mrd. USD. Damit geht es nicht um einzelne Satellitenfunktionen, sondern um die Idee, Rechenleistung als Infrastruktur im Orbit bereitzustellen. Für die KI-Industrie ist das ein konsequenter Schritt, weil Trainings- und Inferenzlasten zunehmend durch Infrastrukturfragen begrenzt werden: Rechenzentren brauchen Energie, Kühlung, Netzanbindung und vor allem zuverlässige Systemverfügbarkeit. Starcloud adressiert diese Engpässe mit einem Ansatz, der Rechen- und Speicherressourcen räumlich vom Boden entkoppelt.
Die Kapitalrunde wird von Manhattan West angeführt. Als weitere Beteiligte nennt Starcloud neben bestehenden Investoren wie Benchmark, EQT und Soma auch neue Geldgeber wie NVIDIA sowie Cisco Investments. Dieses Investoren-Mixmuster ist für die Einordnung wichtig: Strategische Tech-Investments signalisieren häufig ein Interesse an bestimmten Basistechnologien oder Schnittstellen, während klassische Venture-Akteure typischerweise die Skalierung des Geschäftsmodells mitfinanzieren. Starclouds Ziel ist dabei nicht nur „im Orbit Rechenleistung zu betreiben“, sondern die KI-Infrastruktur entlang einer Fertigungs- und Produktstrategie auszubauen.
Technisch liefert Starcloud konkrete Anknüpfungspunkte. Das Unternehmen arbeitet demnach mit NVIDIA am „NVIDIA Space-1 Vera Rubin Module“, das Strahlung sowie extremen Bedingungen im Orbit standhalten soll. Genau hier liegt der Kern des Unterschieds zu klassischen Hyperscale-Rechenzentren am Boden: Im All treffen Ingenieure auf andere Lastprofile und Alterungsmechanismen. Strahlung kann Halbleiterkomponenten schädigen, Materialermüdung und Thermik wirken über lange Zeiträume. Deshalb wird die Hardware-Auslegung im Orbit häufig nicht nur durch reine Rechenleistung bestimmt, sondern durch robuste Environments, die auch bei schwankenden Betriebsbedingungen stabil bleiben.
Die Runde reiht sich in eine zeitnahe Wachstumskurve ein. Zuvor war das Startup im März mit 1,1 Mrd. USD bewertet worden, als es 170 Mio. USD einsammelte. Durch die aktuelle Finanzierungsrunde steigt das seit der Gründung im Jahr 2024 aufgenommene Gesamtkapital auf 450 Mio. USD. Parallel erweitert Starcloud die Planung für industrielle Skalierung: In Woodinville im US-Bundesstaat Washington baut das Unternehmen eine 100.000 Quadratfuß große Fertigungsanlage für sein Raumfahrzeug der nächsten Generation, Starcloud-3. Damit verbindet sich der Anspruch, nicht nur Entwicklungsprototypen zu liefern, sondern Serienfertigung als Voraussetzung für eine Konstellation zu schaffen.
Das Geschäfts- und Architekturziel ist dabei sehr ambitioniert: Starcloud zielt auf eine Konstellation von 88.000 Satelliten und 20 Gigawatt orbitaler Rechenkapazität. 20 Gigawatt als Größenordnung macht die Dimension klar: Die Frage ist weniger, ob einzelne KI-Workloads „irgendwo“ laufen, sondern ob eine verteilte Energie- und Rechenarchitektur im Orbit wirtschaftlich, steuerbar und langfristig betreibbar bleibt. Neben dem Energieaspekt spielen auch Netzwerk- und Datenpfade eine Rolle, weil KI-Systeme in der Praxis auf kontinuierlichen Datenzugriff und schnelle Interaktion angewiesen sind. Hier kann ein orbitaler Ansatz vor allem dann punkten, wenn er Latenz reduziert oder bestimmte Workloads besser in die Umgebung integrieren kann.
Auch die „Board“-Ebene folgt dem Wachstum. Starcloud teilte mit, dass Lauren Selig von Manhattan West dem Board als Beobachterin beigetreten ist. Solche Beobachtermandate sind häufig ein Signal dafür, dass strategische Erwartungen an die Umsetzung und an das Reporting gebündelt werden. Gerade bei Projekten, die technische Meilensteine (Betriebsfähigkeit im Orbit, Modul- und Fertigungsreife) mit Kapitalintensität (Anlagenbau, Beschaffung, Engineering) verbinden, wird Governance ein praktischer Hebel für Tempo. Neben der Fertigungskapazität nennt Starcloud zudem explizit die Engineering-Zusammenarbeit mit NVIDIA und die Beschaffung für neuere Produkte als Verwendungszweck des frischen Kapitals.
In der Marktsicht ist die Timing-Komponente bemerkenswert. Berichten zufolge hat der erfolgreiche Börsenstart von SpaceX das Interesse der Investoren an der Raumfahrtbranche neu belebt, und zwar nicht nur bei etablierten Playern, sondern auch in aufstrebenden Segmenten wie orbitalen Rechenzentren. Für die Branche bedeutet das: Kapital findet wieder stärker den Weg in „Infrastructure Plays“, also in Projekte, die nicht nur Services anbieten, sondern die zugrunde liegende Plattform aufbauen. Für potenzielle Partner in der KI-Entwicklung heißt das wiederum, dass Schnittstellen zu orbitaler Rechenleistung (APIs, Workload-Deployment, Monitoring) stärker in den Fokus rücken dürften, weil sich die Betriebswelt vom Rechenzentrum am Boden grundlegend unterscheidet.
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