LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue psychologische Studie stellt die Wirkung von „harmful language“-Ratgebern infrage. Die Forschenden fanden, dass die meisten im Alltag verwendeten, als problematisch markierten Begriffe nicht als belastend wahrgenommen werden. Auch das Lesen entsprechender Formulierungen löst in Experimenten keine messbaren Verschlechterungen beim Wohlbefinden aus. Kritisch bleiben die Ergebnisse vor allem für eindeutig abwertende Beleidigungen und für wiederholte Alltagskontexte.

Wenn Organisationen Wörterlisten veröffentlichen, die bestimmte Formulierungen im Betrieb oder in Schulmaterialien ersetzen sollen, wirkt das auf den ersten Blick wie Prävention: weniger „Distress“, weniger unbeabsichtigte Verletzung. Die neue Arbeit, publiziert im Journal of Open Inquiry in the Behavioral Sciences, dreht jedoch die Ursache-Wirkungs-Kette um. Statt davon auszugehen, dass Wörter automatisch psychischen Schaden auslösen, testen die Autorinnen und Autoren, ob Alltagsmenschen überhaupt eine offensive Wirkung wahrnehmen und ob ein Einmal-Kontakt in einer Geschichte spürbar negative Folgen hat. Damit berührt die Studie weniger Sprachästhetik als die Mechanik psychologischer Effekte: Wahrnehmung, Erwartung und emotionale Reaktion auf Stimuli.
Der Kern der Diskussion um „harmful language guides“ ist, dass Protagonistinnen und Protagonisten angebliche Schäden entweder aus der Herkunft eines Begriffs ableiten oder aus dem Gefühl, dass das Wort „fortwährend“ Verletzungen transportiere. Kritisch wird dabei oft ein Zirkelschluss gesehen: Ein Begriff gilt als schädlich, weil seine Vergangenheit „schlecht“ ist, ohne zu belegen, dass er heute noch beim Lesen oder Hören tatsächlich belastet. Die Studie greift genau diese Grauzone auf, in der Begriffe weder eindeutig Slurs noch völlig harmlos sind. In den Beispielen der Autorinnen und Autoren tauchen Formulierungen auf, die in Listen von Alternativwörtern häufig unter „Master Bedroom“ oder „pipeline“ einsortiert werden, während „Primary Bedroom“ beziehungsweise „pathway“ als Ersatz vorgeschlagen werden.
Um das subjektive Erleben zu messen, führt das Forschungsteam eine erste Studie mit 616 Erwachsenen aus den USA durch. Die Teilnehmenden beurteilten insgesamt 175 Wortpaare: jeweils ein von Sprachguides als problematisch markierter Begriff plus die empfohlene Alternative. In neutral formulierten Sätzen lasen sie die Begriffe und bewerteten Vertrautheit, Akzeptanz und das Ausmaß, wie viel Angst oder Anspannung sie damit verbinden. Das Ergebnis ist für den praktischen Umgang entscheidend: Zwar bevorzugten viele Menschen die Alternativen leicht hinsichtlich der Akzeptanz, doch die „angeblich schädigenden“ Wörter wurden von der überwiegenden Mehrheit weiterhin als hoch akzeptabel eingestuft. Nur ein kleiner Anteil zeigte negative Bewertungen; diese betrafen überwiegend eindeutig erkennbare abwertende Bezeichnungen. Als Interpretation ergibt sich: Für die meisten alltäglichen Englischsprecherinnen und -sprecher ist die erwartete Gefahr im Wort selbst offenbar nicht präsent.
Die zweite Untersuchung prüft dann, ob die Worte in einem realitätsähnlichen Leseformat psychologisches Wohlbefinden tatsächlich verschlechtern. Dafür wurden 334 Teilnehmende randomisiert zwei Varianten einer kurzen Geschichte zugeteilt. Eine Version enthielt 25 zufällig ausgewählte Begriffe aus den Zielkategorien der Sprachguides, darunter Beispiele wie „pipeline“ oder „tone-deaf“; die Vergleichsversion ersetzte diese durch die jeweils vorgeschlagenen Alternativen wie „pathway“ oder „unenlightened“. Nach dem Lesen erfassten Fragebögen das Leseverständnis, aktuelle Angstwerte, positive und negative Emotionen sowie Gefühle sozialer Zugehörigkeit. Zusätzlich wurden Persönlichkeitsmerkmale erhoben, darunter ein Konstrukt namens „interpersonal victimhood“, also die Tendenz, sich in sozialen Situationen dauerhaft verletzt oder ungerecht behandelt zu fühlen und dafür Anerkennung zu suchen.
Auch hier zeigen sich keine Bremswirkungen durch die als problematisch etikettierten Worte. Zwischen beiden Gruppen fanden die Forschenden keine Unterschiede beim psychischen Wohlbefinden: Lesen einer Geschichte mit den fraglichen Formulierungen erhöhte weder die Angst messbar, noch senkte es das Zugehörigkeitsgefühl oder dämpfte positive Emotionen. Interessant ist dabei die Beobachtung, dass die Gruppe mit den Zielbegriffen beim Leseverständnis sogar minimal besser abschnitt als die Vergleichsgruppe. Zudem differenzieren die Autorinnen und Autoren die Effekte nicht nur auf die Gesamtstichprobe, sondern betrachten gezielt Teilnehmende aus marginalisierten Gruppen wie Angehörige rassischer Minderheiten, LGBTQ-Personen und Menschen mit Behinderungen. Auch diese Gruppen zeigten keine stärkeren negativen Reaktionen als nicht-marginalisierte Teilnehmende. Zusammengenommen spricht das Ergebnis dafür, dass die in Sprachguides behaupteten Trigger-Effekte in dieser Versuchsanordnung nicht auftreten.
Die Debatte um Interventionen wird damit breiter: Solche Konzepte können nicht nur auf individueller Wahrnehmung beruhen, sondern auch auf Erwartungen, die durch Autoritäten gesetzt werden. Die Studie ordnet sich außerdem in Befunde ein, nach denen bestimmte sprachliche Sicherheitsmaßnahmen nicht automatisch helfen. Bereits eine 2023er Meta-Analyse (mit Link in der Quelle: https: //doi.org/10.1177/21677026231186625) berichtet, dass Trigger-Warnungen die emotionale Belastung beim Lesen nicht reduzieren, teils sogar die Angst vor dem eigentlichen Inhalt steigern können. Auch in der neuen Arbeit taucht dieser Gedanke indirekt auf: Wenn „Schädlichkeit“ betont wird, kann das die Aufmerksamkeit für Bedrohung erhöhen und so Wohlbefinden eher verschlechtern als schützen.
Wichtig ist jedoch die Reichweite der Aussage. Die Forschenden machen selbst klar, dass die Resultate nicht als Freigabe für abwertende Sprache oder gezielte rassistische Epitheta verstanden werden dürfen. In einem Interviewkontext zitierte Michael A. Eskenazi sinngemäß, dass zwar Wörter existieren, die gesellschaftlich weitgehend als verwerflich gelten, aber es eine zweite Klasse von Begriffen mit unklarer Schädlichkeit gibt. Er betont außerdem, dass sich Bedeutungen über Jahrzehnte verschieben können, sodass ein Wort heute ohne Intention der Abwertung verwendet wird. Gleichzeitig zeigen die Daten einen kleinen Haken: Die einzigen Teilnehmenden mit leichten Zunahmen negativer Emotionen waren diejenigen, die hohe Werte bei „moral elitism“ und dem Bedürfnis nach Anerkennung für das eigene Leid aufwiesen. Für den Rest blieb der Effekt messbar aus.
Für Unternehmen, Hochschulen und Teams bedeutet das vor allem eines: Sprache ist ein Interventionsmedium, aber nicht jedes Interventionsmedium funktioniert gleich. Ein Wortfilter allein ersetzt keine Mechanismen, die echte Barrieren abbauen, und er kann, wenn er zu stark auf Ambiguität setzt, unnötige Sensibilisierung erzeugen. Die Studie weist zudem selbst auf Designgrenzen hin: Es geht um eine einmalige Exposition in einer fiktiven Kurzgeschichte, nicht um wiederholte Alltagssituationen in Schulen oder am Arbeitsplatz. Pratt, ein nicht beteiligter Psychologie-PhD-Student an der UCLA, argumentiert in der Quelle, dass in realen Gemeinschaften stärker die Frage „Gehöre ich hier dazu?“ im Vordergrund steht und stärker von den sprachlichen Interaktionen im Umfeld geprägt wird. Genau deshalb wäre eine Anschlussforschung interessant, die nicht nur Stimulus-zu-Antwort-Messungen macht, sondern Kulturen beobachtet, die nachweislich Regeln zur Sprache ändern, und dann deren soziale Wirkung über Zeit erfasst.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "Studie zu problematischen Wörtern: Verboten hilft oft wenig" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "Studie zu problematischen Wörtern: Verboten hilft oft wenig" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »Studie zu problematischen Wörtern: Verboten hilft oft wenig« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!