LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie verbindet die Zubereitung und Trinkgewohnheiten von Tee mit dem Risiko für Gefäßerkrankungen. Besonders kalt servierter Tee oder moderat heißer Genuss schnitten in den Auswertungen besser ab als „brennend heiß“. Zudem zeigt sich bei der Häufigkeit ein Muster: Wer mindestens dreimal pro Woche trinkt, hat ein niedrigeres Risiko. Gleichzeitig warnen die Ergebnisse vor sehr hoher Menge und vor den praktischen Risiken durch Koffein und zu heiße Getränke.

Viele Menschen trinken ihren Tee vor allem wegen des Geschmacks oder als Ritual am Morgen. Genau dieses Alltagsdetail rückt nun stärker in den Fokus der Prävention: Eine Untersuchung im Journal of Internal Medicine beschreibt, dass nicht nur die Frage „Tee ja oder nein“ zählt, sondern auch, wie häufig und in welcher Trinktemperatur er konsumiert wird. Befragt wurden dazu mehr als 485.000 Erwachsene im Alter von 30 bis 79 Jahren. Über eine durchschnittliche Nachbeobachtung von etwa neun Jahren dokumentierten die Forschenden mehr als 14.800 Fälle von Erkrankungen, die Herz und Blutgefäße betreffen, darunter Herzinfarkt, Schlaganfall und eine periphere arterielle Verschlusskrankheit.
Entscheidend war dabei die Auswertung der individuellen Gewohnheiten, die die Teilnehmenden selbst angaben: Wie oft sie Tee tranken, ob sie eher grünen oder schwarzen Tee bevorzugten, wie stark sie den Aufguss machten und wie heiß sie ihn tranken. Beim Risikovergleich zeigte sich ein relativ klares Muster für die Häufigkeit: Wer mindestens drei Tage pro Woche Tee konsumierte, hatte im Mittel rund 11 % weniger Risiko, eine Gefäßerkrankung zu entwickeln, verglichen mit Personen, die seltener tranken. Die Rechnung wurde dabei um typische Einflussfaktoren bereinigt – etwa Alter, Rauchen, körperliche Aktivität, Körpergewicht und bestehende Vorerkrankungen. Besonders niedrige Raten fanden sich in der Gruppe der Nicht-Rauchenden, die gleichzeitig sehr aktiv waren und regelmäßig Tee tranken.
Am auffälligsten war in der öffentlichen Einordnung aber die Temperatur: In den Daten war „brennend heiß“ konsumierter Tee mit einem etwa 16 % höheren Risiko für Gefäßerkrankungen assoziiert. Demgegenüber zeigten Teilnehmende, die ihren Tee bei Raumtemperatur oder heiß, aber eben nicht so stark wie „scalding“ bezeichnet, tranken, ein signifikant niedrigeres Risiko als jene, die nicht regelmäßig Tee tranken. Wichtig ist dabei die methodische Einschränkung: Die Trinktemperatur wurde über Selbstberichte erfasst. Was für die eine Person „brennend heiß“ ist, kann für die andere Person deutlich anders ausfallen. Zusätzlich ist es möglich, dass Menschen, die stark erhitzten Tee bevorzugen, andere Lebensstilfaktoren mitbringen, die das Herz-Kreislauf-Risiko beeinflussen – Faktoren, die in der Studie möglicherweise nicht vollständig abgebildet wurden.
Als biologischen Hintergrund nennt die interviewte Notfallmedizinerin und klinische Hochschullehrerin Dr. Leana Wen vor allem die in Tee enthaltenen Polyphenole, darunter Flavonoide. Diese Stoffgruppen gelten als antioxidativ und entzündungshemmend und könnten Zellen schützen, die innen an den Blutgefäßen liegen. Gleichzeitig wird in der Erklärung betont, dass Polyphenole helfen könnten, die Funktion der Arterien zu unterstützen – etwa indem sich Gefäße besser entspannen und erweitern. Genau diese Mechanismen hängen eng mit Blutdruck und der Belastung für das Herz zusammen. Ergänzend verweist Wen darauf, dass Tee in anderen Studien teils moderat auf Labor- und Gesundheitsmarker wie Blutdruck oder Cholesterin gewirkt habe, was wiederum die beobachtete niedrigere Rate an schwerwiegenden Folgen wie Herzinfarkt und Schlaganfall plausibel machen kann. Ein praktischer Nebeneffekt entsteht außerdem dort, wo Tee an die Stelle von zuckerhaltigen Getränken tritt: Wer statt süßer Getränke ungesüßten Tee wählt, reduziert die zusätzliche Zufuhr an Zucker und kann dadurch indirekt Gewicht und Stoffwechsel günstig beeinflussen.
Die Studie betrachtet außerdem den Tee-Typ. Schwarzer und grüner Tee stammen zwar beide von derselben Pflanze (Camellia sinensis), unterscheiden sich aber in der Verarbeitung der Blätter. Dadurch entstehen unterschiedliche Zusammensetzungen der Polyphenole. In der Auswertung zeigte schwarzer Tee über mehrere Krankheitskategorien hinweg konsistenter niedrigere Risikozuordnungen als grüner Tee, wobei auch grüner Tee insgesamt positive Signale aufwies. Daraus lässt sich nach der praktischen Einordnung vor allem ableiten: Wer grünen Tee gern trinkt, muss nicht wechseln. Entscheidend bleibt vielmehr, beide Sorten möglichst ohne zugesetzten Zucker zu konsumieren. Beim „Wie viel“ zeichnete sich zudem ein nicht-lineares Bild ab: Unter den Teilnehmenden, die mindestens wöchentlich Tee tranken, lag das niedrigste geschätzte Risiko für Gefäßerkrankungen bei etwa sechs bis acht Tassen pro Tag. Ab sehr hohen Mengen stieg das Risiko in der Auswertung wieder an. Gleichzeitig ist dieses Ergebnis laut Einordnung nicht als allgemeine Empfehlung für alle gedacht – unter anderem, weil keine standardisierte Bechergröße verwendet wurde und weil die Angaben zur Menge auf Selbstreporting basieren.
Neben der Temperatur spielt auch die Zusammensetzung der Getränke eine Rolle. Tee enthält Koffein: Ein Becher schwarzer Tee (8 Unzen) bringt typischerweise etwa 30 bis 50 Milligramm Koffein mit. Grüner Tee enthält meist weniger, bleibt aber nur dann koffeinfrei, wenn das Produkt ausdrücklich als koffeinfrei gekennzeichnet ist. Als weitere Grenze verweist die interviewte Ärztin auf allgemein genannte Koffeinrichtwerte: Für Erwachsene gilt eine Obergrenze von 400 Milligramm Koffein pro Tag als Menge, die üblicherweise nicht mit gefährlichen Effekten assoziiert wird; in der Schwangerschaft wird häufig eine Begrenzung auf 200 Milligramm täglich empfohlen, und Kinder sollten keine koffeinhaltigen Getränke zu sich nehmen. Ergänzend nennt sie einen pragmatischen Rat: Tee sollte so weit abkühlen, dass er weder Mund noch Rachen „brennt“. Wiederholte Aufnahme sehr heißer Getränke wurde zudem mit einem erhöhten Risiko für Speiseröhrenkrebs in Verbindung gebracht. Für Menschen, die noch keinen Tee trinken, ergibt sich daraus kein Zwang: Der effektivste Weg bleibt eine Gesamtstrategie aus Bewegung, Nichtrauchen, stabilen Blutdruck- und Cholesterinwerten sowie einer ausgewogenen, nährstoffreichen Ernährung – Tee kann dabei als Baustein dienen, aber nicht als alleinige Lösung.
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