BERLIN / MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Deutsche Telekom plant einen bedeutenden Strategiewechsel, indem sie in den Aufbau von KI-Rechenzentren investiert. Mit Unterstützung von NVIDIA und potenziellen EU-Fördergeldern könnte dies Europas digitale Souveränität stärken.

Die Deutsche Telekom hat einen bedeutenden Strategiewechsel angekündigt, indem sie in den Aufbau und Betrieb von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) investiert. Diese Entscheidung markiert eine Abkehr vom traditionellen Kerngeschäft des Netzbetriebs hin zu einem neuen Fokus auf KI-Cloud-Dienstleistungen. Der Konzern plant, in Zusammenarbeit mit dem US-Chipkonzern NVIDIA eine sogenannte KI-Fabrik zu errichten, die als Vorreiterprojekt für die europäische Industrie dienen soll.
Unter der Leitung von Konzernchef Timotheus Höttges hat sich die Telekom zum wertvollsten Netzbetreiber Europas entwickelt, insbesondere durch Erfolge in den USA. Doch die neue Ausrichtung auf KI-Rechenzentren stellt eine milliardenschwere Wette dar, die das Unternehmen in eine neue Wachstumsphase führen soll. Analysten wie James Ratzer von New Street Research sehen in Rechenzentren einen potenziellen Wendepunkt für die Telekommunikationsbranche, die bislang mit stagnierendem Wachstum zu kämpfen hatte.
Ein zentraler Aspekt des Projekts ist die geplante Errichtung eines KI-Rechenzentrums in München, das mit Unterstützung von NVIDIA realisiert werden soll. Die Telekom hat den Einsatz von 10.000 KI-Chips angekündigt, was Investitionen in Höhe von über einer Milliarde Euro erfordert. Diese Investitionen könnten durch EU-Fördergelder für sogenannte AI Gigafactories unterstützt werden, die den Bau von Rechenzentren mit mindestens 100.000 Spezialchips fördern.
Die Telekom steht jedoch vor der Herausforderung, dass das Geschäft mit Rechenzentren anderen Gesetzmäßigkeiten folgt als der klassische Netzausbau. Während Glasfasernetze über Jahrzehnte stabilen Ertrag bringen, müssen Server und Chips in Rechenzentren alle zwei bis drei Jahre erneuert werden. Dies erfordert eine kontinuierliche Anpassung an technologische Innovationszyklen und birgt das Risiko, dass die Investoren ungeduldig werden, wenn die Erlöse nicht schnell sichtbar werden.
Dennoch sieht Höttges in der neuen Strategie eine Chance, die Telekom als Vorreiter für digitale Souveränität in Europa zu positionieren. Der Konzern plant, geeignete Standorte für die Rechenzentren zu finden, etwa auf ehemaligen Kohle- oder Atomkraftwerksgeländen, wo bereits Anschlüsse an Strom- und Wassernetze vorhanden sind. Gespräche mit dem Energiekonzern RWE und dem kanadischen Finanzinvestor Brookfield laufen bereits, um die Finanzierung und Umsetzung der Projekte sicherzustellen.
Obwohl die Telekom mit Herausforderungen konfrontiert ist, gibt es in Europa bereits erfolgreiche Beispiele für den Kurswechsel hin zu Rechenzentren. Der italienische Netzbetreiber TIM hat sein Geschäft mit Rechenzentren deutlich ausgebaut und bietet souveräne Cloud-Lösungen an. Diese Entwicklungen zeigen, dass die Telekom mit ihrer neuen Strategie auf dem richtigen Weg sein könnte, um in der digitalen Zukunft Europas eine führende Rolle zu spielen.
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