PHOENIX / LONDON (IT BOLTWISE) – Cardurion Pharmaceuticals hat auf der HFSA 2026 Phase-2-Daten zu Tovinontrine (CRD-750) vorgestellt. Der PDE9-Hemmer senkt bei Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) den Biomarker NT-proBNP nach 12 Wochen besonders unter 2,5 mg zweimal täglich. Die Wirkung setzt laut den Daten ab der zweiten Woche ein und bleibt bis zum Studienende stabil. In höheren Dosen (u. a. 50 mg) zeigte sich dagegen kein entsprechender Nutzen, während das Sicherheitsprofil als günstig beschrieben wird.

Die Ergebnisse einer laufenden klinischen Phase-2-Studie zur Herzinsuffizienz machen vor allem eines deutlich: Bei PDE9-Hemmung scheint die Dosierung stärker über den Nutzen zu entscheiden als die reine Wirkstoffmenge. Cardurion Pharmaceuticals stellte im Rahmen der HFSA-Jahrestagung 2026 in Phoenix Daten zu Tovinontrine unter der Entwicklungsbezeichnung CRD-750 vor. Der Wirkstoff adressiert dabei ein zentrales Signal im Herzen und in der Gefäßregulation, indem er das Enzym Phosphodiesterase-9 (PDE9) hemmt. In der Cycle-1-REF-Studie richtete sich der Fokus auf Patientinnen und Patienten mit HFrEF, also einer reduzierten Ejektionsfraktion, bei der prognostisch und therapeutisch weiterhin ein hoher Bedarf an wirksameren Behandlungsoptionen besteht.
Technisch betrachtet knüpfen PDE9-Hemmer an den cGMP-Stoffwechsel an: Durch die Hemmung wird die Abbauwirkung auf zyklisches Guanosinmonophosphat (cGMP) reduziert, was wiederum cGMP-abhängige Signalwege beeinflusst. Die präsentierten Daten passen zu genau diesem Mechanismus, weil in Cycle-1 REF nicht nur der NT-proBNP-Spiegel abfiel, sondern gleichzeitig die Konzentrationen von cGMP im Blutplasma sowie im Urin anstiegen. Für die klinische Interpretation ist entscheidend, dass sich der NT-proBNP-Rückgang bereits ab der zweiten Behandlungswoche zeigte und bis zum Ende der 12-wöchigen Beobachtung anhalten konnte. Das Biomarker-Muster wirkt damit weniger wie ein kurzfristiges Schwanken, sondern eher wie eine konsistente pharmakodynamische Wirkung.
Im Zentrum der Ergebnisdarstellung stand das sogenannte Dosis-Ranging: Insgesamt nahmen 529 Erkrankte an der Cycle-1-REF-Studie teil, die verschiedene Dosierungen von Tovinontrine untersuchte, jeweils zweimal täglich verabreicht. Nach 12 Wochen zeigte sich eine Absenkung von NT-proBNP sowohl bei 2,5 mg als auch bei 25 mg. Den stärksten Rückgang wies jedoch die niedrigere Dosis von 2,5 mg auf. Auffällig ist dabei der Befund aus der höheren Dosierung: 50 mg zweimal täglich brachten in Cycle-1 REF keinen vergleichbaren Nutzen hinsichtlich des NT-proBNP-Werts. Zusätzlich ging neben NT-proBNP auch der BNP-Spiegel zurück, was den Biomarker-Eindruck stützt und für die weitere Dosisoptimierung besonders relevant ist, weil sich damit ein klassisches „mehr hilft mehr“ nicht bestätigt.
Die Studie adressierte außerdem eine zweite Herzinsuffizienz-Entität, in der sich die therapeutische Landschaft traditionell schwieriger gestaltet: Cycle-2 PEF untersuchte Tovinontrine bei Personen mit HFpEF, also erhaltener Ejektionsfraktion. In diesem Studienarm wurden 277 Patientinnen und Patienten eingeschlossen. Hier führte die verabreichte Dosis von 50 mg zweimal täglich laut den präsentierten Daten zu keiner signifikanten Veränderung der NT-proBNP-Werte. Cardurion Pharmaceuticals plant demnach, in dieser Indikation niedrigere Dosierungen in weiteren klinischen Schritten genauer zu prüfen. Aus Unternehmens- und Entwicklungslogik ist das plausibel, weil das Dosis-Nutzen-Profil in HFrEF bereits klar gemacht hat, dass die höhere Dosierung nicht automatisch der richtige Weg ist.
Auch für die Frage, ob sich Tovinontrine als Kandidat für spätere Studien eignet, ist neben der Biomarker-Wirkung das Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil zentral. Für beide Kohorten zogen die Studienleiter in der Zwischenbilanz eine positive Einschätzung: Sowohl in Cycle-1 REF mit 529 Teilnehmenden als auch in Cycle-2 PEF mit 277 Patientinnen und Patienten wies Tovinontrine ein günstiges Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil auf. Die präsentierte Kombination aus Biomarker-Signal (unter bestimmten Dosierungen) und einer insgesamt als gut beschriebenen Verträglichkeit senkt das Entwicklungsrisiko zumindest in der frühen Phase. Gleichzeitig bleibt der wichtigste „Open Point“ offen: Welche Dosisfenster in HFpEF reproduzierbar ein NT-proBNP-Signal erzeugen können, ist bislang noch nicht gezeigt, und genau hier setzt der nächste Entwicklungsschritt an.
Für Behandler und Entscheider ergibt sich daraus ein konkretes Bild für die Einordnung der PDE9-Hemmung: In HFrEF deutet die Cycle-1-REF-Datenlage auf einen Nutzen bei 2,5 mg und 25 mg zweimal täglich hin, der am stärksten unter 2,5 mg ausgeprägt war. In HFpEF dagegen zeigte 50 mg in Cycle-2 PEF keine signifikante Wirkung auf NT-proBNP, weshalb niedrigere Dosen gezielt nachgeschärft werden sollen. Solche Muster sind für Dosierungsstudien besonders lehrreich, weil sie Hinweise auf eine mögliche nichtlineare Pharmakodynamik geben können – etwa wenn der Zielpfad ab einem bestimmten Punkt nicht weiter in Richtung klinisch relevanter Effekte „hochfährt“. Für die nächsten Schritte wird daher entscheidend sein, ob die geplanten Dosierungen in HFpEF ähnlich konsistente Biomarker-Verläufe wie in HFrEF erzeugen und ob sich das Sicherheitsprofil in größeren Patientenzahlen bestätigt.
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