BERN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Schweizer Ständerat hat einen Minderheitsantrag durchgesetzt, der Auslandstöchter künftig zu 90 Prozent mit hartem Kernkapital (CET1) unterlegen soll. Damit verwirft die kleine Kammer einen von der Bank favorisierten Kompromiss, der je zur Hälfte CET1 und AT1-Anleihen vorsah. Die UBS warnt vor einer übermäßigen Verschärfung und sieht zusätzlichen Kapitalbedarf, der sich laut eigenen Berechnungen auf rund 16 Milliarden US-Dollar beläuft. Für Anleger wird die politische Linie damit zum kurzfristigen Kurstreiber, während die Debatte nun in den Nationalrat geht.

UBS-Aktie unter Druck: Ständerat will 90% CET1 für Auslandstöchter
UBS-Aktie unter Druck: Ständerat will 90% CET1 für Auslandstöchter (Foto: IT BOLTWISE)
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Die UBS rückt mit ihrer Aktie erneut in den Fokus, weil der Schweizer Ständerat die Debatte um die Eigenkapitalanforderungen deutlich härter ausfallen lässt als in den Marktannahmen. Konkret stimmte die kleine Kammer am Mittwoch mit 29 zu 16 Stimmen für einen Minderheitsantrag: Auslandstöchter sollen künftig zu 90 Prozent mit hartem Kernkapital (CET1) unterlegt werden. Damit setzte sich eine Auslegung durch, die den von der Bank favorisierten Kompromiss verwarf, der eine 50/50-Aufteilung zwischen CET1 und AT1-Anleihen (Additional Tier 1) vorsah.

Für die Bank ist der Beschluss keine abstrakte Änderung am Papier, sondern wirkt sofort in den Kapitalplanungen. Laut eigenen Berechnungen würde die 90-Prozent-Vorgabe einen Mehrbedarf von rund 16 Milliarden US-Dollar an zusätzlichem CET1-Kapital auslösen. Zusätzlich summiert sich der Effekt auf Konzernebene, weil bereits aus geltendem Recht im Zuge der Credit-Suisse-Übernahme weiterer CET1-Bedarf entsteht und sich weitere Verordnungsanpassungen hinzugesellen können. Insgesamt beziffert die Lagebeschreibung den Mehrbedarf auf rund 33 Milliarden US-Dollar, wobei parallele Verordnungsänderungen zwar einen Teil davon um etwa 4 Milliarden US-Dollar reduzieren könnten.

Auch die Bewertung der politischen Tragweite ist nicht einheitlich. Die UBS kritisierte den Beschluss am Mittwochnachmittag scharf und ordnete das Ergebnis als übermäßige Verschärfung ein, die an den tatsächlichen Ursachen des Credit-Suisse-Zusammenbruchs im Jahr 2023 vorbeigehe. Rückenwind erhielt die Entscheidung hingegen von der Schweizerischen Nationalbank: Der Vizepräsident Antoine Martin bezeichnete den Plan als eine gute Menge, auch wenn aus Sicht der Finanzstabilität eine Quote von 100 Prozent noch besser gewesen wäre. Diese Gegenüberstellung zeigt, worum es bei solchen Eigenkapitalquoten geht: weniger Ermessensspielraum bei der Zusammensetzung der Kapitalbasis, dafür mehr Puffer im Stressfall.

Für Anleger verdichtet sich damit gerade eine Erwartungsverschiebung, denn politischer Widerstand gegen regulatorische Erleichterungen tritt stärker zutage als an den Märkten zuvor eingepreist. Die UBS-Aktie wird aktuell mit 41,86 Euro gehandelt und liegt auf Sicht der vergangenen 30 Tage mit minus 9,8 Prozent im Rückstand. Im Kern dreht sich die Fundamentalthese um die Frage, wie viel Rendite und Ausschüttung der Konzern künftig noch aus dem operativen Gewinn finanzieren kann, wenn die CET1-Bindung zunimmt. Vor der Notübernahme der Credit Suisse lag die CET1-Leverage-Ratio bei 4,4 Prozent; die neue Ausrichtung soll die Widerstandskraft des Schweizer Stammhauses stärken, bindet aber Mittel, die sonst eher für Aktienrückkäufe, Dividendenanhebungen oder Wachstumsinitiativen genutzt würden.

Technisch betrachtet ist die Unterscheidung zwischen CET1 und AT1 für Banken mehr als ein Buchungsdetail, weil sie unterschiedlich stark auf den Risikopuffer wirkt. CET1 gilt als „hartes“ Kernkapital und ist im Krisenfall besonders relevant, AT1-Instrumente sind zwar ebenfalls Teil der aufsichtsrechtlichen Kapitalstruktur, tragen aber über Mechanismen wie Verlustabsorptionsregeln eine andere Qualität. Genau deshalb ist die politische Stellschraube im Gesetzgebungsprozess so wirksam: Erhöht der Nationalrat den Anteil anrechenbarer AT1-Instrumente, sinkt der Zwang, harte Eigenmittel in dem gleichen Maß zu erhöhen. Gleichzeitig bleibt die Integration der übernommenen Einheiten eine echte Kostenposition: Das Institut veranschlagt die jährlichen Integrationskosten auf rund 2,5 Milliarden US-Dollar.

Für das weitere Kursbild sind deshalb zwei „Pfadabhängigkeiten“ entscheidend. Im optimistischen Szenario gelingt es der Bank, im Gesetzgebungsverfahren Erleichterungen durchzusetzen, etwa indem der Nationalrat die Argumente zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit stärker gewichtet und die AT1-Anteile anrechenbar macht. Dann könnte die Kapitalaufbau-Last sinken, während die globale Ertragsstärke in der Vermögensverwaltung zumindest einen Teil der Belastung kompensiert. Gelingen zudem schnelle Integrationsfortschritte und eine zügige Realisierung von Synergien, bleibt die Substanz der Ausschüttungspläne wahrscheinlicher erhalten, was wiederum das Ende der jüngsten Konsolidierungsphase stützen dürfte.

Im pessimistischen Szenario bestätigt der Nationalrat dagegen die harte Linie des Ständerats oder nähert sich sogar wieder dem ursprünglichen 100-Prozent-Wunsch des Bundesrats an. Für die Bank hieße das, über Jahre Gewinne stärker zurückzuhalten und weniger Spielraum für Aktienrückkäufe zu lassen; die Kombination aus steigender Bilanzbindung und gedämpfter Profitabilität wäre für internationale Investoren ein Dämpfer. Auffällig ist dabei auch das Timing: Der nächste konkrete Katalysator für die Anteilseigner ist die Beratung im Schweizer Nationalrat, die für die Wintersession terminiert ist. Bis zu den dortigen Debatten müssen Anleger mit anhaltend hoher politischer Volatilität rechnen; parallel beobachtet der Markt technische Marken, wobei der Bereich um den 200-Tage-Durchschnitt von 40,40 Euro als kurzfristiger Stabilitätsanker gilt.


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