ZÜRICH / LONDON (IT BOLTWISE) – Die UBS kritisiert den Ständeratsentscheid zu Kapitalvorgaben für systemrelevante Großbanken als zusätzliche Belastung. Sollte der Beschluss im parlamentarischen Verfahren bestätigt werden, müsste die Bank zusätzlich rund 16 Milliarden US-Dollar an hartem Kernkapital (CET1) vorhalten. Hinzu kämen bereits erwartete rund 15 Milliarden US-Dollar CET1 wegen der Credit-Suisse-Übernahme. Gleichzeitig rechnet die UBS auf konsolidierter Konzernebene mit einer Gegenwirkung durch die angekündigten Verordnungsänderungen, die CET1 um 4 Milliarden reduzieren könnte.

Die Diskussion um strengere Eigenmittelregeln in der Schweiz bekommt mit Blick auf die UBS eine sehr konkrete Dimension: Es geht nicht nur um Prozentsätze in Gesetzestexten, sondern um die Frage, wie viel hartes Kernkapital (CET1) eine Bank tatsächlich zusätzlich halten muss. In einer Mitteilung vom Mittwoch ordnet die UBS den Ständeratsentscheid als Verschärfung ein, die zu den ohnehin bereits als besonders anspruchsvoll beschriebenen Kapitalanforderungen für die Großbankengruppe passt. Nach Ansicht der Bank führt die Entscheidung zu einer „übermäßigen“ Verschärfung und adressiert zudem aus ihrer Sicht nicht die zentralen Ursachen des Zusammenbruchs der Credit Suisse.
Konkret nennt die UBS für den Fall, dass der Ständeratsbeschluss am Ende des laufenden parlamentarischen Verfahrens bestätigt wird, einen zusätzlichen CET1-Bedarf von rund 16 Milliarden US-Dollar. Dieser Wert kommt laut Mitteilung zusätzlich zu den bereits vorgesehenen 2 Milliarden US-Dollar CET1, die sich aus den vom Bundesrat angekündigten Änderungen auf Verordnungsstufe ergeben. Damit wird sichtbar, wie eng in der Praxis regulatorische Anpassungen mit der Kapitalplanung einer Bank verzahnt sind: Jede Änderung an der Unterlegungspflicht schlägt unmittelbar auf Kennzahlen durch, die wiederum Auswirkungen auf Risikokosten, Wachstumsfähigkeit und mögliche Kapitalausschüttungen haben können.
Neben dem Ständeratsvotum spielt die Credit-Suisse-Übernahme eine zweite, eigenständige Rolle. Die UBS schreibt, sie müsse wegen der Integration der übernommenen Gruppe zusätzlich weiteres CET1 in Höhe von rund 15 Milliarden US-Dollar vorhalten. Auf dieser Basis beziffert die Bank den gesamten zusätzlichen CET1-Bedarf für die CS-Integration auf rund 33 Milliarden US-Dollar. Für das Marktverständnis ist das auch deshalb wichtig, weil solche CET1-Erhöhungen typischerweise nicht „kostenlos“ sind: Das Kapital kann zwar regulatorisch notwendige Puffer bilden, ist aber zugleich gebunden und beeinflusst damit die betriebswirtschaftliche Rendite-Logik im Konzern.
Gleichzeitig entkoppelt die UBS die Belastung nicht vollständig von politischen Entscheidungen, sondern verweist auf eine gegenläufige Komponente. Denn die Bank erwartet, dass die Anfang dieses Jahres angekündigten Änderungen auf Verordnungsstufe auf konsolidierter Konzernebene zu einer Reduktion von 4 Milliarden US-Dollar CET1 führen. Aus der Differenz leitet die UBS zudem jährliche Gesamtkosten von rund 2,5 Milliarden ab. Diese Kosten-Nennung ist in der Kapitalregulierung besonders relevant, weil sie implizit die betriebliche Perspektive in den Vordergrund rückt: Selbst wenn CET1 auf Kennzahlenebene sinken darf, kann die Umstellung an Prozessen, Bewertung und Kapitalallokation kurzfristig spürbar sein.
Im Zentrum der politischen Debatte steht außerdem die konkrete Ausgestaltung der Unterlegung von Auslandstöchtern systemrelevanter Banken. Am Morgen hatte der Ständerat strengere Eigenmittelregeln beschlossen: Die UBS müsste Auslandstöchter künftig mit 90 Prozent hartem Kernkapital (CET1) unterlegen. Zur Einordnung nennt die UBS frühere Vorschläge innerhalb der parlamentarischen Arbeit: Die zuständige Ständeratskommission hatte 50 Prozent mit CET1 und 50 Prozent mit AT1-Anleihen vorgeschlagen, heute würden die Auslandstöchter jedoch zu 45 Prozent mit CET1 und zu 17 Prozent mit AT1 unterlegt werden. Damit verschiebt sich die Mischung zwischen den Kapitalinstrumenten, was wiederum die Risiko- und Verlustabsorptionslogik im Stressfall betrifft und strategische Entscheidungen über Kapitalstruktur und Emissionen beeinflussen kann.
Aus Sicht der UBS geht der Beschluss zudem über eine reine Kompromissformel hinaus. Die Bank argumentiert, der Ständeratsentscheid sei kein Kompromiss, adressiere nicht die eigentlichen Ursachen des Zusammenbruchs der Credit Suisse und missachte außerdem Bedenken, die im Rahmen der Vernehmlassung geäußert worden seien. Gleichzeitig betont die UBS, dass die finanzielle Unterstützung für die UBS-Aktionäre beim Schutz des Ansehens der Schweiz durch die CS-Übernahme in den Überlegungen nicht berücksichtigt werde. Für den weiteren Verlauf heißt das praktisch: Der Nationalrat ist „am Zug“, während die Bank nach eigenen Angaben ihre langfristigen Interessen wahren und weiterhin Fakten und Analysen liefern will, um für eine „zielgerichtete, verhältnismäßige und international abgestimmte“ Regulierung zu werben.
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