LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie am Helmholtz-Institut für One Health untersucht, wie sich das Darmmikrobiom durch Urbanisierung verändert. Dabei zeigt sich laut Auswertung von 200 Stuhlproben ein Rückgang bestimmter Schutz-relevanter Bakterien: Ein Gen, das bei 90% der zu Menschen passenden Prevotella-Stämme nachweisbar war, fehlte bei den untersuchten Menschenaffen vollständig. Besonders häufig nennen die Ergebnisse Prevotella als Beispiel für den Verlust an bakterieller Vielfalt in stark urban geprägten Umgebungen. Für Forschung und Gesundheitsstrategien wird damit die Frage drängender, wie diese mikrobiellen Verschiebungen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zusammenhängen.

Urbanisierung verändert nicht nur die Stadtlandschaft, sondern auch die mikrobielle „Innenwelt“. Im Zentrum der nun berichteten Analysen steht das Darmmikrobiom, das stark mit Umweltfaktoren und dem individuellen Lebensstil gekoppelt ist. Das Helmholtz-Institut für One Health (HIOH) nutzt dafür einen vergleichenden Ansatz: Statt ausschließlich menschliche Kohorten zu betrachten, werden Mikrobiomdaten von Menschen mit denen von Menschenaffen gegenübergestellt. Damit lässt sich besser einordnen, was eher „menschenspezifische“ Anpassung ist und was in erster Linie durch die Lebensumgebung getrieben wird.
Die Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Nature Communications basiert auf einem Datensatz aus 200 Stuhlproben und stellt damit eine ungewöhnlich breite Grundlage für den Quervergleich über Artgrenzen hinweg dar. Methodisch liegt der Schwerpunkt auf der Frage, wie eng die Zusammensetzung von Darmbakterien mit der evolutionären Abstammung des Wirts verknüpft ist. In diesem Kontext sprechen die Forschenden von Phylosymbiose und Wirtsspezifität: Gemeint ist, dass die Besiedlung nicht zufällig verteilt ist, sondern in Mustern auftritt, die zur jeweiligen Wirtslinie passen. Genau diese „Signatur“ wird in urbanen und ländlichen Lebensräumen sowie zwischen Mensch und Menschenaffen sichtbar und liefert einen Rahmen, um Urbanisierungseinflüsse gezielter zu interpretieren.
Ein markanter Befund betrifft die Gattung Prevotella. Laut Auswertung treten Prevotella-Bakterien bei Menschen aus hochgradig urbanisierten Umgebungen deutlich seltener auf als bei Bewohnern ländlicher Regionen oder bei Menschenaffen. Zugleich identifizieren die Forschenden genetische Anpassungen innerhalb dieser Bakteriengruppe, also Unterschiede, die über die bloße Anwesenheit hinausgehen. Besonders spannend ist dabei die Aussage zu einem bestimmten Gen: Dieses Gen konnte bei 90% der mit dem Menschen assoziierten Prevotella-Bakterien nachgewiesen werden, fehlte aber bei den Stämmen der untersuchten Menschenaffen vollständig. So wird ein Evolutionssignal erkennbar, das vermutlich mit veränderten Ernährungsgewohnheiten und Umweltbedingungen zusammenhängt, denen der Mensch im Verlauf seiner Geschichte stärker ausgesetzt war als die untersuchten Menschenaffen.
Die Ergebnisse lassen sich auch als Hinweis auf den Verlust an Diversität in Städten lesen. In der Studie wird dieser Rückgang bakterieller Vielfalt in der wissenschaftlichen Diskussion häufig mit Faktoren wie verarbeiteter Nahrung, höheren Hygienestandards und weniger Kontakt zu natürlichen Ökosystemen verknüpft. Technisch betrachtet geht es bei solchen Veränderungen weniger um „ein bestimmtes gutes oder schlechtes Bakterium“, sondern um das Zusammenspiel verschiedener Stämme und ihrer Stoffwechselwege. Wenn Diversität abnimmt, kann das bedeuten, dass das Ökosystem weniger Puffer gegen Störungen besitzt und bestimmte funktionelle Rollen seltener besetzt werden. Genau hier setzen viele Hypothesen an, weil das Darmmikrobiom dadurch indirekt auf Immunprozesse und Entzündungsregulation wirken kann.
Für die klinische Einordnung rücken dabei chronische Erkrankungen in den Fokus. Die Forschenden ordnen die mikrobiellen Veränderungen als relevanten Faktor für die menschliche Physiologie ein und formulieren eine begründete Vermutung, dass der Rückgang bestimmter Bakteriengruppen und die gleichzeitige genetische Selektion anderer Stämme mit der Zunahme moderner Zivilisationskrankheiten zusammenhängen könnte. Besonders relevant sind in diesem Zusammenhang chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED). Die Daten legen nahe, dass eine Abweichung von einem ursprünglich eher ländlich oder naturnah geprägten Mikrobiom die Anfälligkeit für Entzündungsprozesse erhöhen kann. Damit wird plausibel, warum die Darm-Hirn-Achse und das Immunsystem als zwei eng verknüpfte Zielbereiche im wissenschaftlichen Diskurs immer wieder auftauchen.
Interessant ist außerdem, wie stark der Vergleich „Menschaffen vs. Mensch“ die Interpretation stärkt. Wären die Beobachtungen nur bei Menschen in Städten sichtbar, ließe sich Urbanisierung leicht als alleiniger Treiber erklären. Der Befund, dass ein Gen bei den Menschenaffen-Stämmen vollständig fehlt, während es bei einem großen Anteil der menschassoziierten Prevotella-Stämme vorhanden ist, deutet jedoch auf eine längerfristige Ko-Evolution hin. Urbanisierung wirkt dann nicht als isolierter Effekt, sondern als Verstärker oder Auslöser auf einer bereits bestehenden evolutionären Grundlage. Für Unternehmen und Forschungsteams, die mit Präzisionsansätzen arbeiten, heißt das: Strategien dürfen nicht ausschließlich auf „mehr Mikrobiom“ setzen, sondern müssen die funktionelle Passung und die Stabilität über Lebensphasen hinweg berücksichtigen.
Praktisch folgt daraus, dass die nächsten Schritte vor allem im besseren Verständnis mikrobieller Anpassungsprozesse liegen. Die Studie betont, dass die Entschlüsselung dieser Anpassungen einen wichtigen Schlüssel liefert, um die Entstehung von CED und verwandten Krankheitsbildern besser zu verstehen und künftig präventiv agieren zu können. Für die Translation in den Alltag wird damit die Messbarkeit entscheidend: Welche Mikrobiom-Muster sind robust genug, um später als Biomarker zu dienen, und wie stark hängt das Ergebnis von Ernährung, Wohnumgebung und anderen Lebensstilfaktoren ab? Genau in diesem Spannungsfeld zwischen Genetik, Ökologie des Darms und Lebensrealität dürften sich in den nächsten Jahren die aussagekräftigsten Fortschritte ergeben.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "Urbanes Darmmikrobiom: 90% des Prevotella-Schutz-Gens geht verloren" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "Urbanes Darmmikrobiom: 90% des Prevotella-Schutz-Gens geht verloren" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »Urbanes Darmmikrobiom: 90% des Prevotella-Schutz-Gens geht verloren« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!