LONDON (IT BOLTWISE) – Eine aktuelle Bitkom-Umfrage zeigt, dass 66 Prozent der Berufstätigen im Urlaub für den Job erreichbar bleiben. Als Gründe nennen die Befragten Rücksicht auf Kollegen sowie Druck durch Vorgesetzte. Gleichzeitig fehlt nach dem Bundesurlaubsgesetz (§ 1 BUrlG) zwar eine rechtliche Erreichbarkeits-Pflicht. In der Praxis gefährdet das Abschalten trotzdem die Erholung: Laut Erhebung aus dem Jahr 2025 kehren nur 35,7 Prozent erholt zurück.

Urlaub und Karriere: Warum 66% Berufstätige erreichbar bleiben
Urlaub und Karriere: Warum 66% Berufstätige erreichbar bleiben (Foto: IT BOLTWISE)
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Urlaub soll eigentlich Distanz schaffen – doch im Arbeitsalltag wird diese Grenze immer häufiger durch Tools und Gewohnheiten verwischt. Laut einer aktuellen Bitkom-Umfrage bleiben 66 Prozent der Berufstätigen auch während der Ferien für den Job erreichbar. Besonders brisant ist nicht nur die Zahl, sondern der dahinterliegende Mechanismus: Wer schon Tage vor dem Urlaub gedanklich „umstellt“, reduziert die eigene Aufmerksamkeit für laufende Aufgaben, kommt später oft in einen schwereren Wiedereinstieg und verschenkt damit womöglich Sichtbarkeit im Unternehmen. Genau diese Sorge zieht sich durch die Darstellung der Umfrageergebnisse und wird durch Hinweise aus der Praxis untermauert: Präsenz und Leistungsbereitschaft werden intern häufig über Erreichbarkeit indirekt mitgemessen.

Technisch betrachtet ist Erreichbarkeit dabei kein reines „Mindset“-Thema, sondern lässt sich im Betrieb organisatorisch und IT-seitig sehr leicht aufrechterhalten. Diensthandys, Chat-Kanäle, E-Mail-Weiterleitungen und Kalender-Synchronisation sorgen dafür, dass Signale im Hintergrund weiterlaufen, auch wenn niemand aktiv ans Telefon geht. Die Bitkom-Zahlen liefern zugleich den menschlichen Teil der Gleichung: 53 Prozent der Befragten nennen Rücksicht auf Kollegen als Grund, 47 Prozent spüren Druck von Vorgesetzten. Damit wirkt die Kommunikation über den Urlaub hinaus wie ein Leck im Prozessdesign – nicht unbedingt wegen einer expliziten Anordnung, sondern weil reale Arbeitsabläufe ohne klare Übergabe-Logik weiter „nachlaufen“.

Rechtlich ist das Bild jedoch differenziert. Das Bundesurlaubsgesetz (§ 1 BUrlG) regelt den Zweck des Urlaubs und sieht laut Quelle keine Pflicht zur Erreichbarkeit vor. In der Praxis entsteht das Spannungsfeld trotzdem: Mitarbeitende interpretieren Stille nicht selten als Risiko, etwa wenn Projekte parallel laufen oder wenn die Rückkehr im Team zeitkritisch ist. Hinzu kommt, dass Erreichbarkeit oft mit unsichtbarer Arbeit gekoppelt ist – etwa mit dem schnellen Prüfen von Nachrichten oder dem „nur einmal kurz“ Klären eines Details. Dadurch verschiebt sich die tatsächliche mentale Erholung: Urlaub wird zwar physisch genutzt, die kognitive Schleife bleibt aber geöffnet, weil Benachrichtigungen und Erwartungshaltungen im Hintergrund permanent nachziehen.

Besonders deutlich wird der Effekt in den Erholungsdaten. Eine Untersuchung aus dem Juli 2025 kommt zu dem Ergebnis, dass nur 35,7 Prozent der Beschäftigten erholt aus dem Urlaub zurückkehren. 57 Prozent arbeiten auch in der Freizeit gelegentlich oder regelmäßig weiter, und 40 Prozent der 18- bis 34-Jährigen geben an, sich nach dem Urlaub gestresster zu fühlen als zuvor. Als Ursachen werden in der Quelle unter anderem hoher Leistungsdruck, fehlende Ressourcen und die ständige Verfügbarkeit über Diensthandys genannt; dazu kommt die Aussage, dass 52 Prozent erst im Urlaub merken, wie erschöpft sie tatsächlich sind. Auch die zeitliche Vorphase spielt hinein: 46 Prozent berichten von sehr hohem Stress bereits vor der Reise, und nur 25 Prozent können sofort abschalten. Für Personalverantwortliche ist das ein wichtiger Hinweis, denn „gute Absicht“ reicht dann nicht – es braucht konkrete Übergaben, klare Kommunikationsregeln und eine Entstörung der digitalen Signale.

Aus Sicht von Unternehmen und Prozessdesign lohnt deshalb der Blick auf das „Warum“ hinter den Zeitdieben. Wenn Mitarbeitende selbst im Urlaub nicht abschalten können, liegt das häufig nicht an einer einzelnen Aufgabe, sondern an einem Muster: ungeklärte Übergaben, fehlende Owner für Tickets oder Meetings, die in den Ferien indirekt weitergetaktet werden. Selbst kleine Gewohnheiten – etwa das wöchentliche „Schnell-Checken“ von Posteingängen – können die Erholung fragmentieren. Die Quelle beschreibt, dass schon kleine Veränderungen in der Tagesplanung helfen können, um den Druck herauszunehmen. Für die Praxis bedeutet das: Urlaubsplanung sollte wie ein Mini-Deployment behandelt werden – inklusive definierter Verantwortlichkeiten, Status-Transparenz und eines Kommunikationsfensters, das den Urlaub aktiv schützt statt ihn nur „zu hoffen“.

Dass dieser Schutz auch als Wettbewerbsvorteil sichtbar wird, zeigen Trends rund um die Nachfrage. Die Quelle nennt eine verdoppelte Nachfrage nach ruhigen Urlaubsformen und führt das auf die Sehnsucht nach Ruhe zurück. Gleichzeitig wird der Markt für Wellnesstourismus auf über eine Billion US-Dollar beziffert. Auch die Art der Angebote ändert sich: Konzepte wie Waldbaden oder „Walk & Talk“-Formate passen zur Vorstellung, Entspannung stärker erlebbar als „nur“ erholsam zu machen. Ergänzend ordnet die Quelle Buchungsdaten ein: Das Statistische Bundesamt verzeichnet für 2025 einen Anstieg bei Ferienhaus-Buchungen im Inland; 68,3 Millionen Übernachtungen über große Online-Plattformen entsprechen laut Quelle einem Plus von 13 Prozent, Deutschland bleibt zudem mit einem Suchanteil von 32,5 Prozent ein beliebtes Reiseziel.

Trotzdem bleibt der soziale Aspekt ein Stabilitätsfaktor für die Erreichbarkeitsfalle. Urlaubsfotos dienen dem Austausch und der Selbstinszenierung, und die Quelle beschreibt, dass die Sehnsucht nach Gemeinschaftserlebnissen nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre ungebrochen ist. Genau hier treffen sich Kultur und Technik: Digitale Kanäle ermöglichen nicht nur Kontakt, sondern erzeugen auch das Gefühl, „dazugehören“. Für Arbeitgeber heißt das, Erholung nicht gegen Sichtbarkeit auszuspielen, sondern die Sichtbarkeit anders zu organisieren – zum Beispiel über klare Urlaubsübergaben, definierte Kommunikationswege und eine Infrastruktur, die Feedback erst nach dem Rückkehrfenster priorisiert. Wer Urlaub als Zeitraum mit eigener Betriebslogik definiert, senkt nicht nur Stressrisiken, sondern verbessert auch den Wiedereinstieg. Der entscheidende Punkt bleibt: Ohne echtes Abschalten verschiebt sich die Erholung – und mit ihr die Chancen auf langfristige Leistungsfähigkeit.


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