LONDON (IT BOLTWISE) – Zwei Langzeitstudien mit tausenden Teilnehmenden in den USA zeigen: Selbst wenn Wohlstand und Gleichstellung steigen, wachsen die psychologischen Unterschiede zwischen Frauen und Männern nicht. Bei depressiven Symptomen schließt sich die Lücke sogar über die Zeit. Die Ergebnisse stellen eine verbreitete evolutionäre „Free-Expression“- bzw. Ressourcentheorie infrage, die mehr materielle Sicherheit als Auslöser stärkerer geschlechtstypischer Unterschiede sieht. Für Forschung und Praxis bedeutet das: Erklärmodelle müssen stärker als bisher soziale und kulturelle Dynamiken statt allein Biologie berücksichtigen.

Das so genannte „Gender-Equality-Paradox“ beschreibt eine auffällige Beobachtung in vielen internationalen Vergleichen: In wohlhabenderen und gleichberechtigteren Ländern wirken Unterschiede zwischen Frauen und Männern in Persönlichkeit, schulischen Stärken und psychischer Gesundheit teils größer. Für die Hypothese dahinter gibt es seit Jahren eine evolutionär begründete Lesart, die auf einen Moment des „Freisetzens“ setzt. Wenn Gesellschaften grundlegende materielle Bedürfnisse zuverlässig abdecken und starre soziale Regeln lockern, würden demnach die biologisch verankerten Geschlechtsunterschiede erst sichtbar werden. Zwei neue Arbeiten, die über zwei Jahrzehnte in Längsschnitten ansetzen, liefern nun genau gegen diese Erwartung belastbare Daten aus den USA.
Im Kern untersuchen die Studien, ob sich die Differenzen mit steigender Ressourcenlage und wachsender Gleichstellung innerhalb derselben Gesellschaft tatsächlich vergrößern. Die Autorenschaft liegt bei Gabriele Prati, der in den Publikationen in Social Psychology (https: //doi.org/10.1027/1864-9335/a000595 target=”_blank”>Social Psychology) und Psychological Reports (https: //doi.org/10.1177/00332941261457373 target=”_blank”>Psychological Reports) entsprechende Tests darstellt. In der Erwachsenenstudie nutzt Prati das Midlife in the United States-Projekt mit einer national repräsentativen Stichprobe von 7.108 Personen. Über drei Erhebungswellen, die sich vom Zeitraum Mitte der 1990er-Jahre bis 2014 erstrecken, wächst sowohl das wirtschaftliche Niveau (gemessen am Bruttoinlandsprodukt) als auch der Grad an Geschlechtergleichstellung. Parallel dazu erfassen Fragebögen Persönlichkeitsdimensionen wie Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Offenheit und Neurotizismus sowie Messgrößen wie Altruismus, Vertrauen, negative Emotionen und klinische Depression.
Das Ergebnis fällt deutlich gegen die Ressourcentheorie aus. „Die Lücke“ zwischen Frauen und Männern in Altruismus, Vertrauen, negativen Emotionen und den großen Persönlichkeitsfacetten bleibt über den fast zwanzigjährigen Verlauf praktisch stabil. Bei Depressionen zeigt sich sogar eine entgegengesetzte Dynamik: Frauen bleiben zwar häufiger von den Kriterien für eine depressive Erkrankung betroffen, aber der Abstand schrumpft. Die Erklärung in der Studie lautet sinngemäß, dass die Chancen für Depressionen bei Frauen sinken, während sie bei Männern unverändert bleiben; so wird die Differenz über Zeit kleiner. Auch dort, wo Prati die Hypothese auf individueller Ebene testet, finden sich keine Hinweise auf wachsende Unterschiede: Steigende Haushaltseinkommen, bereinigt um die Haushaltsgröße, führen nicht dazu, dass Frauen und Männer psychologisch weiter auseinander driften. In zwei beobachteten Zusammenhängen, die teils statistisch am Rand liegen, laufen die Effekte sogar entgegengesetzt zu den Vorhersagen, etwa mit leicht niedrigerer Gewissenhaftigkeit bei Frauen bei höherem Einkommen und im Grenzbereich einer höheren Depressionswahrscheinlichkeit bei Männern.
Um sicherzustellen, dass es sich nicht nur um ein Phänomen der späten Lebensphase handelt, weitet Prati den Ansatz auf Jugendliche und junge Erwachsene aus. In der zweiten Studie betrachtet er den Zeitraum von 1994 bis 2018 über fünf Befragungswellen aus dem National Longitudinal Study of Adolescent to Adult Health. Die Stichprobe umfasst 6.504 Amerikanerinnen und Amerikaner, die vom Mittelschul- und Highschool-Alter in Richtung spätere Dreißiger reifen. Mit dieser Anlage kann die Forschung geschlechtsspezifische Entwicklungen in Bereichen prüfen, die im „Gender-Equality-Paradox“ typischerweise ebenfalls eine Rolle spielen: Mathematik- und Naturwissenschaftsnoten, ein Bildwortschatztest, selbstberichtete Risikobereitschaft, Selbstwertgefühl und depressive Symptome. Wieder zeigt sich: Die Muster, die die evolutionäre Free-Expression-/Ressourcenlogik erwarten würde, bleiben aus. Unterschiede in Mathe und Naturwissenschaften verändern sich nicht zwischen den Messzeitpunkten, ebenso bleiben Differenzen im Wortschatz über die frühen Phasen stabil und die Risikobereitschaft zeigt keine zunehmende Divergenz.
Spürbarer wird wiederum der Trend bei psychischer Gesundheit und Selbstwert: Auch hier nehmen die geschlechtsspezifischen Abstände bei depressiven Symptomen über die Zeit ab. Auf einer Skala von 0 bis 3 sinkt die Differenz von 0,14 Punkten (1994/95) auf 0,10 Punkte (2008/09). Beim Selbstwertgefühl, bei dem Jungen typischerweise höhere Werte erreichen, verkleinert sich die Lücke von 0,16 auf 0,05 Punkte auf einer fünfstufigen Skala bis 2001/02. Prati ordnet die Effekte als sehr klein bis klein ein, betont aber die Richtung im Widerspruch zur theoretischen Erwartung. Gleichzeitig nennt er methodische Grenzen: Beide Datensätze stammen aus einem einzigen Land; zudem verschiebt sich in Längsschnitten die Welt auch durch altersbedingte Entwicklung, wodurch sich gesellschaftliche Veränderungen und „normale“ Lebensphasen nicht vollständig trennen lassen. Eine weitere Einschränkung betrifft die Messung einzelner Variablen wie Risikoverhalten und Vertrauen, die teils über einzelne Survey-Fragen erfasst werden und dadurch komplexe Facetten nicht zwingend vollständig abbilden. Zudem fehlen in den Datensätzen einige Variablen, die für die Ressourcentheorie besonders zentral wären, etwa genaue Interessen an Arbeiten mit Dingen versus Menschen.
Für die Einordnung im größeren Forschungsdebattenkontext ist vor allem wichtig, wie die Ergebnisse die Logik internationaler Korrelationen herausfordern. Prati argumentiert dabei in einer klassischen Kritik an Country-by-Country-Vergleichen: „The problem is that most of the evidence supporting this explanation comes from comparisons between different countries at a single point in time, “ so Prati. „Countries differ in many other respects – history, culture, institutions, religion, economic structure, and social norms – so a correlation between gender equality and sex differences does not necessarily tell us what happens when equality or economic resources actually increase.“ Er betont, dass Längsschnittdaten eine direktere Prüfung erlauben. In dem Zusammenhang lautet die Quintessenz, die Prati formuliert: „The main takeaway is that greater prosperity and gender equality did not make men and women progressively more psychologically different in the way predicted by the resource hypothesis, “ heißt es in der Darstellung. Ergänzend steht ein weiterer Satz zur methodischen Lehre im Raum: „An important broader lesson is that a pattern observed when comparing countries is not necessarily evidence of the mechanism producing that pattern, “ so Prati. Für die Praxis bedeutet das: Wenn Studien für Bildungs-, Gesundheits- oder Personalstrategien geschlechtsspezifische Effekte ableiten, sollten Organisationen nicht nur nach makroskopischen Korrelationen schauen, sondern die Zeitdimension und die konkreten Messinstrumente stärker berücksichtigen – denn die hier beobachtete Stabilität vieler Unterschiede widerspricht der Annahme, dass mehr Gleichstellung automatisch mehr „biologisch getriebene“ Divergenz sichtbar macht.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "US-Längsschnitt widerlegt „Gender-Equality-Paradox“ evolutionäre Ressourcentheorie" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "US-Längsschnitt widerlegt „Gender-Equality-Paradox“ evolutionäre Ressourcentheorie" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »US-Längsschnitt widerlegt „Gender-Equality-Paradox“ evolutionäre Ressourcentheorie« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!