WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Prüfung der US-Behörden beziffert die Ausgaben der Space Force für kommerzielle Raumdaten und Analysen über den Global Data Marketplace. Von Januar 2023 bis September 2025 wurden 123,9 Millionen US-Dollar umgesetzt, ein Großteil davon durch die Joint Commercial Operations Cell. Gleichzeitig kritisiert der Bericht, dass unklare Datenrechte, Lizenzkosten und mangelnde Transparenz den breiten Einsatz im Alltag ausbremsen. Für TacSRT zeigen sich zudem Reibungen zwischen Marktplatz-Schnelligkeit und geänderter Beschaffungslogik, die erst nachjustiert werden musste.

Die US Space Force setzt ihre Strategie „commercial first“ offenbar nicht nur als Leitmotiv ein, sondern als Einkaufsroutine. Laut einem Bericht des US Government Accountability Office flossen im Zeitraum von Januar 2023 bis September 2025 123,9 Millionen US-Dollar über den Global Data Marketplace (GDM) in kommerzielle Raumdaten und darauf aufsetzende Analysen. Die gekaufte Bandbreite reicht von der Beobachtung von Satelliten im Orbit über das Erkennen von GPS-Störungen bis hin zu kommerziell aufbereitetem Bild- und Analysematerial für Kommandostellen. Damit lässt sich die praktische Richtung aus dem Bericht sehr konkret ablesen: Die Space Force ergänzt militärische Sensorik zunehmend durch privat erhobene Daten, die sich schneller und oft auch unklassifiziert weiterverteilen lassen.
Den größten Anteil dieser Marketplace-Käufe trug die Joint Commercial Operations Cell (JCO) bei. Sie verantwortete 76,8 Millionen US-Dollar, also 62% der Ausgaben, und war gleichzeitig in der Zahl der Transaktionen auffällig: JCO machte 590 von 1.315 Käufen im betrachteten Zeitraum. Technisch betrachtet nutzt JCO unklassifizierte kommerzielle Daten und Auswertungen, um militärische Sensoren zu ergänzen und Informationen so zu strukturieren, dass sie sich leichter an Verbündete und Partner weitergeben lassen. Der GDM selbst ist dabei kein „Datenpool“ im engeren Sinn, sondern eine Online-Beschaffungsplattform, die unter einem General-Services-Administration-Vertrag betrieben wird; für die Marktplatz-Umsetzung wird ein Anbieter aus Colorado genannt. Zum Zeitpunkt der Prüfung waren außerdem 319 Anbieter im GDM aktiv.
Interessant ist, wofür JCO diese Ausgaben konkret verwendet hat, weil sich daran die Prioritäten innerhalb der kommerziellen Datenkette ablesen lassen. Von den 76,8 Millionen US-Dollar entfielen rund 42,1 Millionen auf Daten selbst und 34,6 Millionen auf Dienstleistungen. Als größte Kategorie nennt der Bericht elektro-optische und Radarbeobachtungen zur Erkennung und Verfolgung von Objekten im Weltraum mit 32,5 Millionen US-Dollar. Daneben kamen 12,4 Millionen für Radiofrequenz-Dienstleistungen zum Einsatz, um unter anderem die Standorte von Satelliten mit Funkübertragung zu identifizieren und genauer zu bestimmen. Weitere Blöcke betreffen Positioning, Navigation und Timing: 9,5 Millionen für PNT-Services zur Analyse von Interferenz und Jamming sowie 2,4 Millionen für PNT-Daten selbst; zusätzlich werden 3,7 Millionen für Visualisierung von Raum-bedrohungen und 3,1 Millionen für analytische Berichte erwähnt.
Außerhalb der klassischen Space-Domain-Awareness zeigt der Bericht, dass der Marketplace zunehmend Aufgaben unterstützt, die man früher eher als Randgebiet wahrgenommen hätte. Das System Delta 810 investierte 35,6 Millionen (29%) für Tactical Surveillance, Reconnaissance and Tracking (TacSRT). TacSRT soll Kommandostellen mit kommerziellen Satellitendaten und Analysen für zeitkritische operative Anforderungen versorgen. Der Bericht nennt als Beispiel eine Fallkonstellation aus Dezember 2024: Ein kommerzielles Analyseprodukt half, in Ecuador mutmaßliche geheime Start- und Landebahnen zu identifizieren; die Information wurde mit Behörden in Ecuador geteilt, die daraufhin entsprechende Strukturen untersuchten und deaktivierten. Zugleich verschiebt sich die Verantwortung in der Beschaffung: Seit September 2025 organisiert JCO TacSRT-Käufe über Missionsteams hinweg, während System Delta 810 sich stärker auf die Entwicklung neuer Anwendungen fokussiert. Die Behörden bewerten das als Faktor, der voraussichtlich die TacSRT-Käufe durch JCO erhöhen dürfte.
So klar die Summen wirken, so deutlich benennt der Bericht auch Hemmnisse in der Daten- und Beschaffungslogik. GAO stellt fest, dass das Pentagon die Prozesse rund um Kauf, Teilen und Wiederverwendung kommerzieller Daten noch nicht vollständig organisiert hat. Im Vordergrund stehen dabei Lizenzkosten, Unsicherheit über Datenrechte sowie begrenzte Transparenz darüber, was andere Organisationseinheiten bereits beschafft haben. Ein Beispiel aus der Begründungskette liefern Aussagen aus dem Space Training and Readiness Command: Dort wurde laut GAO kommerzielles Material aus dem GDM teilweise nicht genutzt, weil Lizenzkosten und die Frage fehlten, ob sich Daten, die für Operationen gekauft wurden, ebenso für Training verwenden lassen. Ein anderes Problemfeld adressiert der Bericht bei Combat Forces Command: Die Sorge betrifft, ob Datensätze lange genug verfügbar bleiben würden, um Trainingsdaten für KI-Software verlässlich bereitzustellen.
GAO legt dabei zugleich offen, dass nicht jede Skepsis faktisch durch echte Beschränkungen gedeckt ist. JCO verweist darauf, dass Daten, die mit „government purpose rights“ gekauft wurden, breiter über Behörden hinweg geteilt werden können und dass Daten aus dem GDM in der Unified Data Library abgelegt bleiben – unter der Voraussetzung, dass Empfänger über passende Rechte verfügen. JCO hatte außerdem seit 2024 eine ressortübergreifende Arbeitsgruppe angestoßen, um kommerzielle Datenkäufe zu koordinieren, Kosten zu bündeln und weitergehende Nutzungsrechte zu bekommen. Trotzdem fanden die Prüfer Lücken: Einige Space-Force-Verantwortliche hätten von dieser Gruppe offenbar nichts gewusst, was die Gefahr paralleler Beschaffungen oder das Ausweichen auf teils unnötig separate Quellen erhöht. Besonders praxisnah wird die Marketplace-Bremse im Kapitel zur Akquise: GDM war ursprünglich über ein Kreditsystem organisiert, bei dem Behörden Geld einzahlen und dann über „Kreditäquivalente“ einkaufen. Eine rechtliche Prüfung im Jahr 2024 stellte jedoch Fragen dazu, ob zugewiesene Haushaltsmittel in Kredite umgewandelt werden dürfen und ob Einkäufe außerhalb des zugrunde liegenden GSA-Vertrags stattfinden. Nach Umstellungen auf Vertrags-Positionen drohten TacSRT-Dringlichkeiten zunächst langsamer zu werden.
Für TacSRT gilt nämlich ein strikter Zeitdruck: Produkte, die als „priority“, „urgent“ oder „emergency“ klassifiziert sind, sollten grundsätzlich innerhalb von 72 Stunden geliefert werden. JCO erwartete laut GAO nach der Prozessänderung allerdings, dass selbst dringende Bestellungen je nach Einbindung vier bis sechs Wochen dauern könnten. Als Reaktion richtete die GSA im Dezember 2025 vorab genehmigte Kategorien von TacSRT-Produkten ein, die deutlich schneller zu beschaffen sind. JCO überwacht laut Bericht auch in diesem Jahr, ob der neue Ablauf die operativen Zeitfenster wieder einhält. Ergänzend zeigt der Bericht, wie sehr die Systemlandschaft in Bewegung ist: GDM und die Unified Data Library laufen unter demselben SBIR-Vertrag mit einem Anbieter; wegen der Nachfrage wird der Vertragssockel angehoben, der ursprüngliche Vertrag endet jedoch planmäßig am 31. Juli. Bis Ende Juli 2027 soll er verlängert werden, während parallel ein „Follow-on“-SBIR Phase-3-Vertrag für GDM in Aussicht steht. GAO erwartet außerdem, dass die Unified Data Library als separates Vorhaben innerhalb der Space Systems Command ausgegliedert wird – also die Einkaufsseite stärker von der Verteil- und Speicherlogik getrennt wird.
Am Ende entsteht damit ein Bild, das für IT-Entscheider in sicherheitsnahen Organisationen unmittelbar relevant ist: Der Engpass liegt weniger in der Verfügbarkeit kommerzieller Daten als in der Operationalisierung rund um Rechte, Zugriff, Wiederverwendung und interne Auffindbarkeit. Gleichzeitig drängt die Praxis, weil TacSRT, GEOINT und die militärische Nutzungskette zunehmend auf unklassifizierte, kommerziell erschlossene Daten setzen. GAO empfiehlt daher konkret, die Sichtbarkeit für die ressortübergreifende JCO-Arbeitsgruppe zu erhöhen und Nutzern klarere Informationen darüber zu geben, wie sie bereits beschaffte kommerzielle Daten verwenden können. Für die nächsten Monate bedeutet das vor allem: Prozesse, die Datenrechte und Zugriffspfade technisch und organisatorisch handhabbar machen, werden genauso wichtig wie die Auswahl der Datenanbieter selbst.
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