WOLFSBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Volkswagen startet einen Rückruf wegen möglicher Korrosion an einer Befestigungsverschraubung der Lenkung. Je nach Verfügbarkeit kann es bei der Ersatzteilversorgung zunächst zu einem Vorgehen kommen, das nicht alle Reparaturen in einem Durchlauf abschließt. In Deutschland sind laut Angaben aus dem Vollzug allein rund 895.000 VW-Fahrzeuge betroffen, zusätzlich meldet das Kraftfahrt-Bundesamt weitere Bestände bei Audi und Seat. Parallel treibt der Konzern seine Batterienachfrage mit einem Milliardenpakt voran und plant drei Gemeinschaftsunternehmen mit Gotion in Europa und Afrika.

Volkswagen verbindet in dieser Woche zwei Themen, die für Flottenbetreiber spürbar sind: einen Rückruf, der unmittelbar in den Werkstattkalender schlägt, und eine strategische Batterieseite, die die Produktionskette der kommenden Jahre festzurren soll. Hintergrund des Rückrufs ist Korrosion an einer Befestigungsverschraubung der Lenkung. Damit steigt bei bestimmten Fahrzeugen das Risiko, dass die Verbindung im Laufe der Zeit ihre Funktion beeinträchtigt – ein sicherheitsrelevanter Punkt, der nicht mit „einmal nachsehen“ abgehakt wird.
Der Ablauf zeigt zugleich, wie eng Rückrufprozesse inzwischen an die reale Ersatzteilversorgung gekoppelt sind. Wie aus einer internen Werkstattmeldung zur Ersatzteilversorgung hervorgeht, könnte zur Startphase die vorgeschriebene Schraube nicht in ausreichender Menge verfügbar sein. In diesem Fall soll ersatzweise eine andere Schraube verwendet werden. Für betroffene Fahrzeuge kann das jedoch bedeuten, dass der Rückruf nicht als vollständig „abgeschlossen“ gilt: Sobald die richtige Schraube verfügbar ist, müssten die betreffenden Autos erneut einbestellt werden.
In Deutschland betrifft der Rückruf nach Angaben eines Sprechers 895.000 Volkswagen-Fahrzeuge; weltweit nennt der Konzern rund 2,1 Millionen. Das Kraftfahrt-Bundesamt führt zusätzlich mindestens 950.000 Autos des Konzerns, darunter Volkswagen sowie die Marken Audi und Seat. Betroffen sind unter anderem die Modelle Tiguan, Touran, Golf Variant, Golf Sportsvan und Caddy, mit einem Produktionszeitraum von September 2013 bis Juli 2024. Die Instandsetzung dauert laut Meldung bis zu einer Stunde – allerdings liegt der eigentliche Aufwand oft nicht nur in der Reparaturzeit, sondern in der Terminlogistik und der Nachsteuerung, falls die zweite Schrauben-Variante später nachgeschoben werden muss.
Technisch ist das Problem an typische Belastungsprofile gebunden: Korrosion entsteht bei bestimmten Umwelteinflüssen und insbesondere nach langjährigem Betrieb unter Streusalz-Einfluss. Wenn diese Korrosion fortschreitet, kann es in Einzelfällen zur Beeinträchtigung der Befestigung und damit der Lenkfunktion kommen. Diese Logik erklärt auch, warum Hersteller bei solchen Fällen häufig nicht nur einzelne Bauteile tauschen, sondern den Reparaturumfang so auslegen, dass die Funktion der Lenkung dauerhaft sichergestellt ist. Der Rückruf wird dabei nicht auf VW begrenzt: Seat meldet entsprechende Aktionen für Ateca und Tarraco (April 2016 bis September 2024), während beim Audi Q3 ebenfalls potenziell betroffene Fahrzeuge genannt werden, wenn sie zwischen Oktober 2017 und Mai 2024 produziert wurden.
Parallel zum Rückruf fällt die zweite Meldung in eine andere Zeithorizont-Schiene: Volkswagen vereinbart mit dem chinesischen Batteriezellhersteller Gotion eine engere Zusammenarbeit. Geplant sind drei Gemeinschaftsunternehmen in Spanien, der Slowakei und in Marokko, die mit Mitteln in den Milliardenbereich ausgestattet werden. Die Pläne stehen dabei unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen – damit wird klar, dass die Umsetzung zwar inhaltlich festgezurrt, regulatorisch aber noch nicht in allen Punkten „durchdekliniert“ ist. Die in Bau befindliche PowerCo-Batteriezellfabrik im spanischen Valencia soll in ein Joint Venture eingebracht werden; analog ist für die Gotion-Fabrik in Šurany in der Slowakei der Sprung in ein gemeinsames Unternehmen vorgesehen. In Marokko planen die Partner außerdem eine neue Anlage für Material, das für die Herstellung von Batteriezellen benötigt wird.
Für die Finanzierung nennt der Konzern konkrete Größenordnungen: Die VW-Batterietochter PowerCo soll voraussichtlich bis 2030 insgesamt rund 470 Millionen Euro in die Standorte Slowakei und Marokko investieren, um jeweils 49 Prozent zu erwerben. Im Gegenzug soll Gotion rund 1,1 Milliarden Euro für 49 Prozent am Standort Valencia aufbringen. PowerCo ist 2022 gegründet worden und bündelt Entwicklung und Produktion von Batteriezellen. Ende 2025 soll die erste Fabrik in Salzgitter die Produktion aufgenommen haben; ein weiteres Werk entsteht in St. Thomas (Kanada). Diese Standorte sind laut Darstellung nicht direkt Teil der neuen Vereinbarung, was die Strategie-Ebene verdeutlicht: Der Konzern erweitert nicht „alles auf einmal“, sondern skaliert gezielt an mehreren geografischen Knotenpunkten – auch um Lieferkettenrisiken zu verteilen.
Für Unternehmen und Entscheider ergibt sich daraus ein zweischneidiger Impuls. Einerseits zeigt der Rückruf, dass selbst bei klaren technischen Ursachen die operativen Faktoren – Ersatzteilverfügbarkeit und damit potenziell zusätzliche Termine – über den gesamten Prozess dominieren können. Andererseits macht der Batteriepakt deutlich, dass die nächsten Jahre sowohl in der Fahrzeugflotte als auch in der Zellproduktion von Verfügbarkeit, Skalierungsfähigkeit und Genehmigungspfaden abhängen. Wer Flotten betreut, sollte die Rückrufkommunikation mit Blick auf Terminfenster und mögliche Nachbesserungen in der Einsatzplanung berücksichtigen. Wer auf Elektrifizierung und Batterie-Kapazitäten schaut, sollte die Joint-Venture-Logik als Signal verstehen: Volkswagen setzt nicht nur auf eigene Zellfertigung, sondern verknüpft sie mit einem Partner, um Kapazitäten schneller und regionaler aufzustellen – ein Modell, das in der Branche zunehmend als Antwort auf dynamische Lieferketten gilt.
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