LONDON (IT BOLTWISE) – Der Amundi Global Data Center UCITS ETF bietet als einziger Fonds einen direkten Zugang zum Solactive Global Data Center Index. Der Fonds war nach der Auflage zunächst schwach gestartet, hat sich aber im vergangenen Monat wieder um 5,5 Prozent erholt. Mit Micron Technology als größter Position (5,02 Prozent) setzt der ETF stark auf Speicher- und KI-Infrastruktur. Im Hintergrund treibt ein drastischer Kapazitätsausbau in Rechenzentren die Nachfrage nach Chips, Flash-Speicher und Hochleistungsnetzwerken.

Amundi Global Data Center ETF: Zugang zum Rechenzentrums-Boom
Amundi Global Data Center ETF: Zugang zum Rechenzentrums-Boom (Foto: IT BOLTWISE)
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Rechenzentren sind in den vergangenen Monaten vom „Backoffice“ der Digitalisierung zu einem zentralen Wachstumsthema für Kapitalmärkte geworden. Der Grund liegt nicht nur in der sichtbaren Zahl neuer Standorte, sondern vor allem in der Art, wie moderne KI-Workloads Rechenleistung in eine konkrete Infrastruktur-Wertschöpfung übersetzen. Genau an dieser Kette setzt der Amundi Global Data Center UCITS ETF an: Er bildet den Solactive Global Data Center Index nach und positioniert sich damit als thematisch fokussierter UCITS-ETF für Investoren, die nicht über einen allgemeinen Digitalisierungskorb investieren wollen.

Der Fonds adressiert dabei eine sehr spezifische Erwartung: KI-Modelle und deren Betrieb benötigen Rechenleistung, Speicherbandbreite und stabile Netzwerkanbindung gleichzeitig. Laut dem Fonds-Artikel stiegen die gemeinsamen Investitionsausgaben der vier größten Hyperscaler von rund 155 Mrd. US-Dollar im Jahr 2023 auf über 600 Mrd. US-Dollar im laufenden Jahr. Parallel steigt der angenommene Stromhunger von Rechenzentren von 415 Terawattstunden (2024) auf etwa 945 Terawattstunden (2030). In derselben Darstellung wird zudem eine Stromversorgungslücke von 268 Gigawatt genannt, die zwischen erwartetem Bedarf und tatsächlich verfügbarer Netzkapazität klafft – und genau daraus leitet sich der langfristige Investitionsdruck ab.

Technisch schlägt sich diese Entwicklung im Portfolio nieder. Größte Position ist Micron Technology mit 5,02 Prozent, gefolgt von Sandisk mit 3,50 Prozent und Arista Networks mit 3,43 Prozent. Der Artikel verknüpft die Gewichtung direkt mit der Infrastrukturlogik moderner KI-Rechenzentren: Speicherchips und Flash-Speicher werden als Engpassfaktor beschrieben, weil KI-Cluster enorme Mengen an Arbeits- und Flashspeicher benötigen. Arista Networks wird dagegen als Anbieter von Hochleistungs-Netzwerktechnik eingeordnet, also als Baustein, der die schnelle Verbindung vieler Server und Grafikprozessoren im laufenden Betrieb ermöglicht. Auffällig ist außerdem die beobachtete kurzfristige Kopplung: Im vergangenen Monat legten Micron um 12,5 Prozent zu, Sandisk um 13,7 Prozent und Arista Networks um 8,6 Prozent – im selben Zeitraum stieg der Fonds insgesamt um 5,5 Prozent.

Auch im Vergleich zum thematischen Wettbewerb zeigt sich, warum die konkrete Indexlogik zählt. Der Artikel betont, dass es zwar bereits ETFs zum Thema Digitalisierung gibt, aber eine gezielte Auswahl nur für Rechenzentren eher selten ist. Als naheliegende Alternative wird ein ETF genannt, der auf REITs und „Digital Infrastructure“ fokussiert und damit stärker auf die physische Immobilien- und Infrastrukturseite (zum Beispiel Rechenzentrumsbetreiber, Mobilfunkmasten, Betreiber digitaler Infrastrukturen) ausgerichtet ist. Der Amundi-ETF verfolgt hingegen laut Darstellung einen breiteren technologischen Ansatz und deckt die Wertschöpfung „rund um Rechenzentren“ ab – von Speicher- und Netzwerktechnik bis zu Stromversorgungslösungen. Für Anleger bedeutet das: Während ein allgemeiner Digitalisierungs-ETF die Rechenzentrumsstory häufig verwässert, soll ein Index, der auf die Infrastrukturkomponenten getrimmt ist, den erwarteten Zusammenhang zwischen Investitionszyklus und Unternehmensumsätzen direkter abbilden.

Ein wichtiger Punkt bleibt die geografische Konzentration. Der Fondsartikel nennt einen USA-Anteil von knapp 61 Prozent; weitere größere Positionen entfallen auf Taiwan (6,1 Prozent) und Frankreich (5,4 Prozent). Aus Anlegersicht ist das zugleich Chance und Klumpenrisiko: Die USA sind laut Darstellung der mit Abstand größte Markt für neue Rechenzentrumskapazität und zudem Standort vieler Speicherchip-, Netzwerk- und KI-Infrastrukturunternehmen. Wer den Fonds kauft, setzt damit bewusst auf denjenigen Markt, in dem die beschriebenen Investitionen voraussichtlich auch am stärksten sichtbar werden – muss aber im Gegenzug Schwankungen in Kauf nehmen, die aus dieser regionalen Bündelung entstehen.

Wer über Einstieg und Risiko nachdenkt, sollte außerdem die kurze Historie berücksichtigen. Der Fonds wurde erst seit Juli 2026 aufgelegt; damit liegen noch keine aussagekräftigen Volatilitätskennzahlen für mehrere Marktzyklen vor. Der Artikel ordnet zudem ein, dass der Fonds in eine Schwächephase hinein gestartet sei und direkt nach Auflage Verluste erlitten habe, die sich in einem maximalen Kursrückgang seit Auflage von minus 14,6 Prozent widerspiegeln. Für die Praxis folgt daraus: Ein thematisch konzentrierter Fonds auf ein einzelnes Infrastruktur-Thema kann spürbar schwanken, insbesondere wenn die zugrunde liegenden Halbleiter- und Speicherwerte in der Marktphase unterschiedlich reagieren. Gleichzeitig passt das Profil eher zu Anlegern mit längeren Anlagehorizonten, die kurzfristige Rückschläge aushalten und dennoch an der strukturellen Wachstumsstory rund um Rechenzentren teilhaben wollen – nicht als „Allwetter“-Kernposition, sondern als gezielte, eher spekulative Beimischung für risikobewusste Strategien.

Unterm Strich macht die Kombination aus Indexfokus und Portfoliozuschnitt den Unterschied: Der ETF ist weniger ein Breiteninvestment in „Digitalisierung“, sondern ein Vehikel, das den Rechenzentrums-Boom über mehrere infrastrukturelle Hebel abbilden will. Wenn die im Artikel genannten Kapazitätsengpässe bei Strom und die daraus abgeleiteten Investitionssummen tatsächlich über Jahre weiterwirken, könnten genau solche Zuliefererkomponenten weiterhin gefragt sein. Für Anleger bleibt dennoch entscheidend, die eigene Erwartungshaltung zu koppeln: Der Fonds liefert ein konzentriertes KI-Infrastruktur-Exposure, aber er verlangt auch Disziplin beim Zeithorizont und beim Umgang mit Marktvolatilität.


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