LONDON (IT BOLTWISE) – Peter Schiff warnt, dass Künstliche Intelligenz Bitcoin an mehreren Stellen unter Druck setzen könnte. Er argumentiert, KI lasse Anlegerkapital sowie knappe Ressourcen wie Strom und Rechenzentrumsfläche in andere Rendite- oder Spekulationswege abwandern. In der Mining-Branche sieht er bereits eine Vorahnung: Berichten zufolge wurden riesige AI- und HPC-Verträge abgeschlossen, während einige Miner BTC verkaufen, um in KI-Infrastruktur zu investieren. Entscheidend bleibt dabei, ob sich diese Verschiebung tatsächlich in mehr Verkaufsdruck und sinkender Nachfrage nach BTC übersetzt.

Peter Schiff stellt Bitcoin derzeit nicht als Verlierer gegen eine Technologie dar, die direkt am Kryptosystem angreift, sondern als Konkurrenz in einem ganz anderen Wettbewerb: dem um knappe Mittel. In seinem Beitrag vom 23. August argumentierte der US-Ökonom, KI sei nicht „bullish“ für Bitcoin, sondern könne sich zu dessen größter Bedrohung entwickeln. Sein Kernpunkt lautet, dass Künstliche Intelligenz zunehmend um dasselbe „Speculative Capital“ ringt, das in früheren Phasen die Nachfrage nach BTC befeuert hat. Besonders kurzfristig wirkt für viele Investoren dabei weniger die abstrakte Zukunftsthese, sondern die Frage, ob sich Kapitalströme real umschichten.
Technisch betrachtet steckt hinter Schiffs These eine Ressourcenlogik, die im Krypto- und im KI-Umfeld tatsächlich aufeinandertrifft. Bitcoin-Mining ist in der Praxis ein hochgradig kapital- und energiegetriebenes Geschäft: Rechenleistung, Strombeschaffung und Rechenzentrumsbetrieb müssen aufeinander abgestimmt werden. KI-Workloads folgen einem ähnlichen Muster, nur mit anderer Geschäftslogik: Wer trainiert oder skaliert, braucht Rechenzeit, Datenhaltung und meist langfristig ausgerichtete Verträge für Infrastruktur. Wenn Investoren stattdessen in KI-Unternehmen und KI-Infrastruktur gehen, verschiebt sich damit nicht nur die „Story“, sondern potenziell auch die Verfügbarkeit von Strom, Hosting-Kapazitäten und sogar Know-how in denselben Rechenzentren, die bislang auch Mining-Betriebe stützen konnten.
Für den Teil der Argumentation, der sich auf Infrastruktur stützt, verweist der Beitrag auf Indizien aus der Mining-Branche selbst. Laut Auswertungen sollen öffentliche Bitcoin-Miner bis Anfang 2026 mehr als 70 Milliarden US-Dollar an Verträgen für KI und High-Performance-Computing (HPC) abgeschlossen haben. Gleichzeitig wird geschätzt, dass gelistete Miner zum Jahresende bis zu 70 % ihrer Erlöse aus AI-getriebenen Aktivitäten ziehen könnten, zuvor seien es etwa 30 % gewesen. Ökonomisch ist das plausibel: Die gewichteten durchschnittlichen Cash Costs zur Herstellung eines Bitcoins bei öffentlichen Minern sollen im vierten Quartal 2025 bei rund 79.995 US-Dollar gelegen haben, während die Mining-Einnahmen pro Recheneinheit laut der Darstellung in Richtung mehrjährige Tiefs fielen. Langlaufende KI-Infrastrukturverträge versprechen dagegen häufig planbarere Returns als ein Mining-Geschäft, dessen Ertragsprofil stark von Netzwerkdynamik und Marktpreisen abhängt.
Der Punkt, der für Bitcoin-Investoren am stärksten nachwirkt, ist in Schiffs Argumentation die mögliche Rückkopplung auf den Markt selbst: Wenn Miner wiederholt BTC verkaufen, um teure KI-Rechenzentrumsprojekte zu finanzieren, entsteht zusätzlicher Verkaufsdruck. Im Beitrag wird diese Mechanik mit konkreten Beispielen unterlegt: Demnach habe MARA im bisherigen Jahresverlauf rund 1,1 Milliarden US-Dollar an Bitcoin verkauft, während das Unternehmen seine Ausrichtung auf KI-Computing ausbaute und zugleich convertible debt obligations adressierte. Daneben wird beschrieben, dass Miner ihre Kapazitäten zunehmend von Bitcoin abziehen, sobald die KI-Ökonomie attraktiver wirkt. Technisch führt das im Hintergrund zu einer Verschiebung der investierten Rechenleistung zwischen zwei Nutzungsklassen: Mining sichert das Netzwerk über Proof-of-Work, während KI-Workloads eine andere Form der Verwertung von Rechenkapazität darstellen.
Damit sind zwei Risiken im Spiel, die sich sauber trennen lassen: Erstens konkurriert KI um dasselbe Kapital, das Anleger für Hochwachstum und kurzfristige Kursfantasien suchen. Dieser Effekt ist vor allem ein Nachfrageargument – ohne harte Belege bleibt er aber schwer quantifizierbar. Im Beitrag heißt es ausdrücklich, es gebe keine öffentlichen Daten, die zeigen, dass Geld, das in KI investiert wird, andernfalls zwangsläufig in Bitcoin geflossen wäre. Zweitens entsteht ein potenzieller Angebotsmechanismus innerhalb der Mining-Industrie selbst. Wenn Kapazitäten und Betriebsbudgets dauerhaft in KI verlagert werden, kann das nicht nur die Ertragsstruktur verändern, sondern im Extremfall dazu führen, dass vermehrt BTC auf den Markt kommt, um Investitionen zu finanzieren. Für die Preisbildung zählt dann weniger die Frage nach „KI versus Bitcoin“ als nach der Bilanz aus zusätzlichem Angebot und relativer Nachfrage.
Schiff geht darüber hinaus noch einen Schritt weiter, aber hier bleibt seine Aussage klar im Bereich der Spekulation. Er habe sinngemäß argumentiert, KI könne möglicherweise eine „fatal“ wirkende Bitcoin-Schwachstelle aufdecken, jedoch werde im Beitrag betont, dass keine solche Schwachstelle identifiziert worden sei. Diese Trennung ist wichtig: Gegen ein angenommenes Infrastruktur- und Kapitalwettbewerbsargument lässt sich zumindest plausibel prüfen, ob sich Investitionen und Ressourcen tatsächlich verlagern. Gegen die Sicherheits-These gibt es hingegen bislang keinen konkreten technischen Befund, der über Hypothesen hinausgeht. Für Unternehmen und Security-Verantwortliche heißt das: Die wichtigste Prüfung bleibt hier die beobachtbare Veränderung in der Wirtschafts- und Betriebsrealität – nicht das Versprechen einer zukünftigen Entdeckung.
Für die Industrie ergibt sich daraus ein strategischer Blick auf die nächsten Quartale: KI-Workloads sind zunehmend nicht nur ein Software-Problem, sondern ein Infrastrukturdilemma – woher der Strom kommt, wie Hosting-Kapazitäten verfügbar sind und wie flexibel Rechenleistung umgeschichtet werden kann. Wenn sich diese „Kapazitätsallokation“ tatsächlich weiter in Richtung KI verlagert, könnte Bitcoin bei Anlegern als weniger bevorzugter Bestandteil der Hochwachstums-Story wahrgenommen werden. Gleichzeitig bleibt offen, wie sich ein Teil der Miner-Entscheidungen auf die Netzwerkstabilität auswirkt, sofern Kapazität dauerhaft umgebucht würde. Bis dahin ist der Beitrag vor allem eine Marktdiagnose mit harter Beobachtungsbrille: Er zeigt, dass die technologische Konkurrenz nicht nur in Präsentationsfolien stattfindet, sondern in Verträgen, Kostenstrukturen und konkreten Transaktionen wie dem beschriebenen BTC-Verkauf.
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