LONDON (IT BOLTWISE) – Way Security hat 20 Millionen US-Dollar Seed-Kapital eingesammelt und zielt mit einer KI-gestützten IAM-Plattform auf ein betriebsnahes Kernproblem: die teure Implementierung zwischen Identitätsdiensten und Unternehmensanwendungen. Statt nur Software für Identitäten zu liefern, automatisiert das Startup die Integrations- und Betriebsarbeit, die laut eigenen Angaben häufig drei bis fünf Mal so hoch ausfällt wie der Softwarepreis. Das Produkt ergänzt bestehende Identitätslösungen und soll Zugriffsrichtlinien konsistent über Legacy-Systeme und selbst entwickelte Anwendungen hinweg ausrollen. Entscheidend bleibt, wie schnell sich solche Integrationen im heterogenen Enterprise-Umfeld tatsächlich standardisieren lassen.

Identität und Zugriffssteuerung (IAM) gilt in vielen Unternehmen als eines der teuersten Sicherheits-Backbones überhaupt: Nicht die Software an sich verschlingt das Budget, sondern das Zusammenspiel mit der realen IT-Landschaft. Genau hier setzt Way Security an, ein Startup aus Israel, das nach eigenen Angaben die „kostenvolle Implementierungsarbeit“ automatisieren will, die entsteht, wenn Identitätsplattformen mit Anwendungen, Diensten und historischen Schnittstellen verbunden werden müssen. In der Praxis trifft IAM-Teams dabei oft eine doppelte Belastung: Neben der initialen Integration kommt über Jahre hinweg laufender Pflegeaufwand hinzu, weil Berechtigungen, Richtlinien und Systeme ständig nachgezogen werden.
Das Unternehmen berichtet, die Kosten für Integration und laufenden Betrieb lägen „häufig drei bis fünf Mal“ über den reinen Ausgaben für die IAM-Software. Diese Lücke entsteht vor allem dort, wo moderne Identitäts-Provider auf Legacy-Umgebungen, intern entwickelte Anwendungen und Drittanbieter-Services treffen. Auch wenn sich Unternehmen inzwischen bei Produkten wie Okta oder ähnlichen Identitäts-Stacks konsolidieren, bleibt die konkrete Kopplung oft individuell: Datenflüsse müssen abgebildet, Authentifizierungs- und Autorisierungslogiken abgestimmt und Zugriffsregeln über unterschiedliche Systeme hinweg kohärent gemacht werden. Je mehr „Ecosystem“-Anbindungen ein Unternehmen hat, desto größer wird die manuelle Integrationslast.
Technisch positioniert sich Way Security deshalb nicht als Ersatz für etablierte Identitätsplattformen, sondern als ergänzende operative Schicht. Die Plattform soll KI-gestützte Automatisierung und agentische Workflows nutzen, um Aufgaben aus dem Tagesgeschäft zu übernehmen, die sonst große Beratungsbudgets, Systemintegratoren oder dedizierte Engineering-Ressourcen binden. Im Kern geht es um das Ausführen wiederkehrender Betriebsschritte und Integrationslogik: Identitätsdaten und Policy-Regeln sollen so in bestehende und neue Zielsysteme gespiegelt werden, dass sich Zugriffe über die Zeit konsistent verwalten lassen. Gerade bei Umgebungen mit vielen Hundert Systemen ist das ein anderer Ansatz als „nur“ eine zentrale Single-Sign-on-Konfiguration, weil hier auch Autorisierung und Policy-Durchsetzung im Verlauf eine Rolle spielen.
Der Marktkontext dahinter ist klar: IAM ist längst nicht mehr nur ein Projekt, sondern ein fortlaufender Betrieb. Unternehmen stehen vor der Aufgabe, Identitätskontrollen über möglichst viele Applikationen auszudehnen – inklusive alter Systeme, selbst gebauter Software und kundenspezifischer Workloads, die nie für eine moderne IAM-Anbindung designt wurden. Way Security beschreibt genau diese Lücke als Grund, warum Identity-Modernization-Projekte oft ins Stocken geraten: zu komplex in der Umsetzung, zu knapp an Ressourcen, zu aufwendig im Zusammenspiel mehrerer Tech-Stacks. Die Plattform soll deshalb helfen, Modernisierungen zu realisieren, die sonst an der Integrationsarbeit scheitern würden, und dabei die bestehenden Investitionen in IAM-Systeme in ein stärker automatisiertes Operational Model zu überführen.
Finanziell untermauert wird die Initiative durch eine Seed-Runde über 20 Millionen US-Dollar. Laut Angaben der Gesellschaft wurde die Runde von Insight Partners und Glilot Capital angeführt. Way Security wurde 2025 gegründet; als CEO wird Yossi Barishev genannt, als CTO Yonatan Rosenberg. Beide bringen Erfahrung aus der Identitäts- und Zugriffsberatung mit, unter anderem aus ihrer Zeit bei Sygnia, wo sie laut Quelle große Enterprises bei komplexen IAM-Projekten begleitet haben und zudem an anspruchsvollen Cyber-Incident-Response-Szenarien beteiligt waren. Für das Produktprofil ist diese Historie relevant, weil die beschriebenen „Integrations- und Betriebs“-Pain-Points weniger mit theoretischer Policy-Logik zu tun haben, sondern mit den praktischen Unterschieden zwischen Unternehmenssystemen, Zuständigkeitsgrenzen und Integrationsreife.
Aktuell beschäftigt das Startup 30 Mitarbeitende und plant, nach dem Funding die Präsenz in den USA auszubauen. Bei der Kundenbasis nennt Way Security bereits Aktivität in mehreren Branchen, darunter Fortune-500-nahe Konzerne, Gesundheitsorganisationen sowie Finanzinstitute in den USA und Europa. Entscheidend ist dabei weniger die Branchenliste als die Aussage, dass die Plattform in „fortgeschrittenen Deployments“ läuft und bereits Umsätze generiert. In derselben Logik argumentiert das Unternehmen, dass es in einem durchschnittlichen Enterprise-Haus mit „hunderten Systemen“ nicht ausreicht, Policies einmal zentral zu definieren: Es braucht eine zusätzliche, operative Ebene, die Zugriffsrichtlinien automatisiert über Zielsysteme durchsetzt – ohne jedes Mal eine neue Integrationsrunde anzustoßen.
Für Sicherheits- und Plattformteams ergibt sich daraus eine konkrete Prüfungsfrage: Wie gut lässt sich der Integrationsaufwand in heterogenen Umgebungen tatsächlich standardisieren, ohne Sonderfälle zu verlieren. Agentische Workflows sind in solchen Use-Cases besonders dann überzeugend, wenn sie reproduzierbare Schritte liefern, Änderungen auditierbar machen und bei neuen Anwendungen zuverlässig „anschlussfähig“ bleiben. Wenn Way Security das Versprechen einlösen kann, dass die Einbindung neuer Systeme schneller und konsistenter gelingt, könnte das IAM-Projekte künftig stärker in Richtung beschleunigte Modernisierung ziehen – und gleichzeitig die Ressourcenbindung im Betrieb reduzieren, die heute oft im Schatten der eigentlichen Softwarekosten steht.
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