BERLIN-FRIEDRICHSHAIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte startet den Bau eines neuen Projekts an der Kreuzung Friedenstraße und Pufendorfstraße. Bis zum zweiten Quartal 2028 sollen dort insgesamt 59 Mietwohnungen entstehen, davon 30 im geförderten Segment. Auf einer Fläche von rund 3.700 Quadratmetern setzt das Vorhaben stark auf Barrierefreiheit, darunter 52 barrierefreie Einheiten und drei rollstuhlgerechte Wohnungen. Zusätzlich begleiten archäologische Grabungen und die Verlagerung des Wandkunstwerks „HOW LONG IS NOW“ das Projekt.

Die WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH baut ihren Wohnungsbestand in Berlin gezielt weiter aus: In Friedrichshain geht an der Kreuzung Friedenstraße und Pufendorfstraße ein Neubauprojekt mit 59 Mietwohnungen in die Umsetzung. Der Zeitplan ist konkret formuliert; bis zum zweiten Quartal 2028 sollen die Wohnungen fertiggestellt sein. Auffällig ist dabei die Aufteilung nach Förderstatus: Von den 59 Einheiten entfallen 30 Wohnungen auf das geförderte Segment. Am Standort wächst der Bestand damit auf insgesamt 250 Wohneinheiten, was die Bedeutung des Areals als langfristig entwickelter Wohnstandort unterstreicht.
Das Vorhaben entsteht auf einer Wohnfläche von etwa 3.700 Quadratmetern und richtet sich an unterschiedliche Haushaltsgrößen sowie Lebenssituationen. Genau hier liegt der praktische Hebel, den viele Wohnungspolitik-nahe Projekte in der Stadtentwicklung oft unterschätzen: Nicht die Zahl an Wohneinheiten ist allein entscheidend, sondern die Planbarkeit für verschiedene Bedarfe innerhalb desselben Quartiers. WBM legt außerdem einen klaren Fokus auf Barrierefreiheit. Vorgesehen sind 52 barrierefreie Wohnungen, davon sind drei zusätzlich rollstuhlgerecht gestaltet. Für Betreiber und Kommunen ist das relevant, weil sich damit die Wohnungsnachfrage über Altersgruppen und Mobilitätseinschränkungen hinweg besser abdecken lässt, ohne dass sich die Nutzung später nur über aufwendige Umbaumaßnahmen anpassen lässt.
Geschäftsführer Lars Dormeyer ordnet die Maßnahme als konsequente Quartiersentwicklung ein. Der Neubau knüpft dabei nicht bei Null an, sondern schließt direkt an ein Vorgängerprojekt an, das 2020 in der Friedenstraße fertiggestellt wurde. Dieses erste Vorhaben umfasste 191 Wohnungen sowie drei Gewerbeeinheiten und setzte damit Impulse für die Quartiersentwicklung. In der aktuellen Planung spielt auch der Erwerb des Erbbaurechts im Jahr 2024 eine Rolle: Damit konnte die WBM die städtebauliche Entwicklung nach Bebauungsplan an genau diesem Ort nun vollenden. Aus städtebaulicher Sicht ist zudem wichtig, dass das neue Gebäude auf die Ergänzung einer bestehenden Blockrandbebauung ausgelegt ist und sich harmonisch in das Stadtbild integrieren soll. Die Architektur liegt beim Büro DMSW Architekten, während die Realisierung über die mib – türkische ingenieurbau gmbh als Totalübernehmer erfolgt. Gerade der Totalübernehmer-Ansatz ist für solche Projekte organisatorisch bedeutsam, weil er die Schnittstellen zwischen Planung, Bau und späterem Ausbau stärker bündelt und damit Planungs- sowie Terminrisiken reduzieren soll.
Parallel zum Hochbau laufen archäologische Grabungen, was auf den historischen Hintergrund des Areals hinweist: Bis in das 19. Jahrhundert befand sich dort ein Armenfriedhof. Solche Maßnahmen sind in Berlin bei Projekten in historisch dichten Lagen besonders relevant, weil sie nicht nur zeitliche Takte verschieben können, sondern auch Anforderungen an Dokumentation und Abstimmung erhöhen. Für die Bauabwicklung heißt das in der Praxis: Der Baufortschritt ist in Teilen vom Ergebnis der Untersuchungen abhängig, und die Logistik auf der Baustelle muss entsprechend geplant werden. Ebenfalls begleitet wird das Projekt von einer zweiten, weniger „klassisch bauwerklichen“, aber gesellschaftlich sichtbaren Aufgabe: Die WBM muss das international bekannte Wandkunstwerk „HOW LONG IS NOW“ verlagern. Das Projektteam arbeitet dafür mit den Künstlern und weiteren Beteiligten zusammen, um einen geeigneten neuen Standort zu finden.
Die Notwendigkeit der Verlagerung ist historisch begründet. Das Wandkunstwerk erlangte Bekanntheit durch seine großformatige Ausführung an der Fassade des Kunsthauses Tacheles in Berlin-Mitte, wo es das Stadtbild über viele Jahre prägte. Nachdem das Tacheles-Areal neu entwickelt wurde und das Wandbild dort nicht erhalten werden konnte, hat die WBM das Kunstwerk übernommen und ihm 2019 an ihrem Neubau in der Friedenstraße eine neue Präsenz ermöglicht. Genau diese Kontinuität macht den aktuellen Schritt so sensibel: Es geht nicht nur um den Transport eines Kunstwerks, sondern um die Frage, wie sichtbar Berliner Kunstgeschichte im öffentlichen Raum bleibt. Dormeyer betont, dass die WBM das Werk bereits einmal in eine neue Heimat gebracht hat und aktuell die Verantwortung sieht, gemeinsam einen neuen Standort zu finden. Für die Stadtöffentlichkeit ist das ein bemerkenswerter Hinweis darauf, dass Neubauprojekte in Berlin zunehmend auch kulturelle Infrastruktur mitdenken müssen, nicht nur Baukörper und Stellplätze.
Auch über den Standort hinaus zeigt die Kombination aus sozialen, baulichen und kulturellen Komponenten, wie Wohnungsneubau in Berlin heute zusammengesetzt ist. Der geförderte Anteil von 30 Wohnungen ist dabei mehr als ein Randdetail: Er beeinflusst die Zusammensetzung der Bewohnerschaft und kann dazu beitragen, soziale Durchmischung im Quartier zu stabilisieren. Gleichzeitig wird der technische Anspruch durch die Barrierefreiheitsquote sichtbar, denn 52 barrierefreie Einheiten sowie die drei rollstuhlgerechten Wohnungen bedeuten eine konsequente Umsetzung über Grundrisse, Erschließung und Ausstattungsstandards hinweg. Daneben sorgen die archäologischen Grabungen für eine zeitliche und organisatorische Zusatzdimension, während die Kunstverlagerung den Projektkalender um Abstimmungstermine und eine Abstiegslogik für das Werk erweitert. In Summe entsteht damit ein Bauprojekt, das die klassischen Rollen von Bauherr, Planer und Bauausführendem um Quartiers- und Kulturaspekte erweitert. Für die weitere Entwicklung im Umfeld ist deshalb entscheidend, wie sich aus den 250 Wohneinheiten am Standort ein dauerhaft tragfähiges Wohnumfeld formt – mit städtebaulicher Ergänzung, einer klaren sozialen Zielsetzung und dem Anspruch, öffentliche Kultur sichtbar zu halten. Und ja: Selbst im Kontext von KI-gestützter Stadtplanung und datenbasierten Quartiersanalysen bleibt das Handwerk vor Ort der Maßstab, weil genau solche Rahmenbedingungen in der Realität über Bauabläufe, Nutzerbedarfe und öffentliche Akzeptanz entscheiden.
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