LONDON (IT BOLTWISE) – Trotz massiver Milliardenflüsse an den Markt hält die Mehrheit der verfügbaren Bitcoins weiter der private Bestand. Daten von Bitbo und River deuten darauf hin, dass rund 13,9 Millionen BTC bei Individuen liegen, während ETFs, Unternehmen und Regierungen zusammen nur einen deutlich kleineren Teil der maximalen Menge repräsentieren. Gleichzeitig zeigt sich bei großen Treasury-Strategien ein Zielkonflikt: Dividenden, Zinszahlungen und Kapitalmaßnahmen konkurrieren mit dem Zukauf weiterer Coins. Das verschiebt die Verhandlungsposition, wenn institutionsgetriebene Nachfrage künftig stärker auf bestehende Bestände trifft.

Die Eigentümerfrage bei Bitcoin wirkt auf den ersten Blick wie ein reines Zahlenspiel zwischen Börse und Wallet. In der Praxis wird daraus aber schnell eine Marktmechanik: Wer über lange Zeit kaum verkauft, verengt das Angebot, und wer große Bestände hält, muss gleichzeitig Kosten und Kapitalbindung managen. Laut den von Bitbo und River ausgewerteten Daten besitzen Individuen rund 13,9 Millionen BTC. Das entspricht etwa 66% der insgesamt 21 Millionen Coins, die jemals existieren werden. Damit bleibt der private Bestand ein „Anker“ im Markt, während institutionelle Käufer gegen eine Eigentümerstruktur arbeiten, die nicht primär auf kurzfristige Preisimpulse reagiert.
Auf der anderen Seite zeigen die Zahlen auch, wo das institutionelle Interesse bereits sichtbar ist. Am 9. Oktober hielten Bitcoin-ETFs etwa 1,48 Millionen BTC, wie Bitbo berichtet. Unternehmen kontrollierten weitere 1,66 Millionen BTC, Regierungen kamen auf rund 518.500 BTC. Zusammen repräsentieren diese Gruppen damit ungefähr 17% des maximalen Bitcoin-Angebots. Wichtig ist dabei nicht nur die absolute Zahl, sondern die Konsequenz für Liquidität: Selbst wenn ETFs wachsen, bleibt ein großer Teil der nachfrageseitigen Konkurrenz bei jenen Marktteilnehmern, die bereits Coins besitzen und diese nicht automatisch für Verkäufe bereitstellen.
Ein dritter Faktor verschärft die Angebotsknappheit zusätzlich: ein erheblicher Anteil an Coins ist nach gängigen Schätzungen faktisch verloren. Rund 1,6 Millionen BTC gelten als „lost“, während etwa 968.000 BTC mit Wallets in Verbindung gebracht werden, die dem anonymen Schöpfer Satoshi Nakamoto zugeordnet sind. Diese Bestände sind nicht einfach „verfügbar“, weil sie nicht in den üblichen Handelskreislauf zurückkehren. Sobald institutionelle Nachfrage stärker wird, trifft sie daher auf eine verengte Menge an Coins, die wirklich zum Marktgeschehen beitragen können. Genau deshalb wird die Eigentümerverteilung häufig zu einer indirekten Prognose für den Preisverlauf: Steigen die Käufergruppen, ohne dass Verkäufergruppen mitziehen, wandert der Markt in ein Umfeld höherer Knappheit.
Dass sich diese Verteilung verschiebt, zeigt sich laut River-Daten in konkretem Handeln: Individuen hätten 2025 netto rund 696.000 BTC verkauft. Parallel dazu hätten Unternehmen, Investmentfonds und Regierungen fast eine Million Coins gekauft. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, müssen institutionelle Akteure nicht nur höhere Preise „abnicken“, sondern sie werden vermutlich auch stärker mit den Liquiditäts- und Halteentscheidungen bestehender Eigentümer konkurrieren. Für Unternehmen ist das ein besonders empfindlicher Hebel: Wer Bitcoin als Treasury führt, entscheidet nicht nur über Zukäufe, sondern über Kapitalkosten, Dividendenpolitik und Finanzierungsstrategie insgesamt.
Die Kostenseite wird in der Meldung besonders greifbar. Strategy – früher MicroStrategy – hält laut den Angaben etwa 848.000 BTC. Gleichzeitig zeigt die jüngste Offenlegung, dass das Unternehmen aus seiner Dollarreserve 142,5 Millionen US-Dollar für Dividenden und Zinsen bezog – also Mittel abfließen ließ, die nicht direkt in weitere Coins gehen. Zusätzlich investierte Strategy zwischen dem 1. und 4. Oktober 73,7 Millionen US-Dollar in den Rückkauf von Vorzugsaktien. Im Vergleich dazu waren es beim reinen Bitcoin-Zukauf nur 334 BTC für 28,7 Millionen US-Dollar. Nicht nur der Bitcoin-Preis bestimmt damit die Strategie, sondern auch die Frage, welche Kapitalmaßnahmen für Aktionäre kurzfristig Priorität haben.
Japanische Metaplanet fährt einen anderen Ansatz, der eher auf den Nachweis von Handelsfähigkeit als auf kontinuierlichen Netto-Aufbau setzt. Laut einer Offenlegung vom 5. Oktober verkaufte das Unternehmen im dritten Quartal 10.000 BTC und repurchase-te 11.000 BTC. In der Folge hält Metaplanet nun rund 44.000 BTC, und das Unternehmen begrenzt Bitcoin auf 85% bis 90% seiner Vermögenswerte. Das illustriert den Zielkonflikt in Treasury-Management: Eine zu starke Konzentration erhöht zwar die strategische Bitcoin-Exponierung, kann aber die Flexibilität einschränken, wenn Unternehmen Liquidität für andere Zwecke benötigen. Bei einem Kurs nahe 83.000 US-Dollar bleibt die institutionelle Nachfrage daher zwar relevant, doch die letzten Finanzbewegungen zeigen, dass „halten“ und „kaufen“ in großen Bilanzen oft um denselben Kapitaltopf konkurrieren.
Für den Markt bedeutet das vor allem eins: Der Blick auf Angebot und Nachfrage reicht allein nicht aus, um kurz- bis mittelfristige Dynamiken zu verstehen. Entscheidend ist, wie sich die Eigentümerstruktur und die Finanzierungsentscheidungen großer Halter gegenseitig beeinflussen. Wenn private Bestände netto weiter verkauft werden und gleichzeitig Treasury-Programme in Zukäufe umschalten, kann das kurzfristig dämpfende Effekte haben. Dreht sich das Verhältnis, steigen die Preise, weil Käufer auf Coins treffen, die nicht aus der „freien“ Liquidität stammen. Für Unternehmen und Investor-Teams heißt das: Wer Bitcoin in der Bilanz plant, muss Modelle für Kapitalkosten, Liquiditätsfenster und Kommunikationslogik mitdenken – denn die Frage ist nicht nur, ob Bitcoin „im Portfolio“ ist, sondern wie schnell Kapital aus Dividenden-, Refinanzierungs- und Rückkaufprogrammen tatsächlich wieder in den Markt zurückfließen kann.
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