LONDON (IT BOLTWISE) – Ermittler warnen vor einer neuen Betrugswelle, bei der Täter WhatsApp-Konten übernehmen und dann Geld von den Kontakten der Opfer anfordern. Die Angreifer starten die Masche über zuvor gekaperte Accounts und nutzen Nachrichten, Link- oder QR-Code-Zugriffe sowie teilweise PIN-Abfragen. Im Landkreis Rostock verloren Betroffene so die Kontrolle über ihr Profil, während die Täter Rückfragen individuell beantworteten. Parallel nehmen Quishing- und KI-gestützte Phishing-Angriffe in Europa offenbar deutlich zu.

Wer WhatsApp nur als Messenger für kurze Abstimmungen oder Urlaubsabsprachen nutzt, unterschätzt leicht, wie schnell sich das Umfeld für Kontoübernahmen missbrauchen lässt. Laut dem Warnhinweis von Ermittlern richtet sich die aktuelle Masche nicht primär gegen die Sicherheitsfunktionen der App, sondern gegen die Nutzerlogik: Ein bereits gekaperter Account wird zum Ausgangspunkt, um alle gespeicherten Kontakte des ursprünglichen Besitzers anzuschreiben. Die Betrüger platzieren damit das Vertrauensverhältnis gezielt dort, wo es den größten Effekt hat – nämlich in der Chat-Historie und im direkten Kontaktkreis der Betroffenen.
Technisch läuft die Attacke dabei erstaunlich geradlinig. Die Täter schicken Nachrichten an sämtliche Kontakte und behaupten, der Empfänger solle an einer angeblichen Abstimmung teilnehmen. Entscheidend ist nicht der Wortlaut der Nachricht, sondern der anschließende Auslöser: Ein beigefügter Link, ein QR-Code oder die Abfrage einer PIN reichen aus, um Zugriff auf das Konto des neuen Opfers zu erhalten. Danach sperrt die übernommenen Identität den legitimen Nutzer aus, was die Situation zusätzlich verschärft. Genau dieses Muster lässt sich im geschilderten Fall aus dem Landkreis Rostock nachverfolgen: Ein 65-Jähriger verlor die Kontrolle über seinen Account, nachdem die Angreifer mit seinen Kontakten in Kontakt getreten waren.
In der Praxis zeigt sich besonders, wie stark die Betrugsstrategie auf sozialen Druck und schnelle Zahlungsbereitschaft setzt. Die Täter baten die Kontakte um Geld mit der Begründung einer angeblich dringenden Zahnbehandlung – also einem Szenario, das plausibel klingt und wenig Zeit zum Nachprüfen lässt. Insgesamt überwiesen vier Personen 3.150 Euro. Auffällig ist zudem die Kommunikationsdisziplin der Angreifer: Die Betrüger sollen Rückfragen individuell beantwortet haben, Telefonate aber konsequent abgelehnt haben. Das wirkt wie ein bewusstes Filterprinzip – schriftlicher Kontakt bleibt, während Kanäle, die eine verifizierende Rücksprache erlauben, blockiert werden.
Damit ist die WhatsApp-Übernahme allerdings nur ein Teil des Gesamtbildes. Parallel warnen die Angaben vor einer Zunahme sogenannter Quishing-Angriffe, bei denen QR-Codes manipuliert werden. Im Beispiel aus dem Umfeld von Parkuhren auf Mallorca werden Nutzer auf gefälschte Zahlungsseiten geleitet – ein Angriff, der die Bequemlichkeit des Scannens ausnutzt und gleichzeitig die Hemmschwelle senkt, da ein QR-Code oft als „offiziell“ wirkt. Auch bei E-Mail-Kampagnen tauchen Manipulationen auf, etwa durch täuschend echte Inhalte mit realen Betreffzeilen, die Opfer auf betrügerische Hotlines locken sollen. Für die technische Bewertung ist das relevant, weil Quishing nicht nur auf Nutzerfehler abzielt, sondern die gesamte Kette vom visuellen Trigger bis zur Folgehandlung kompromittiert.
Bei der Frage, wie sich Phishing weiterentwickelt, liefern die genannten EU-Beobachtungen eine klare Richtung. Demnach war Phishing 2025 die häufigste Cyberkriminalitätsmethode in der EU, und die Angriffe sollen zunehmend KI-gestützt erfolgen: 86 Prozent aller Phishing-Attacken sollen demnach KI nutzen. Das bedeutet für Unternehmen und Privatpersonen vor allem, dass Texte, Tonalität und sprachliche Anpassungen immer weniger „wie Betrug“ wirken. Daneben wird beschrieben, dass auch Microsoft-Device-Nutzer häufiger Ziel von Device-Code-Phishing sind. In der Summe verschiebt sich das Risiko damit weg von einzelnen „bösen Links“ hin zu Angriffen, die sich in echte Arbeitsabläufe und Authentifizierungsmuster einklinken.
Aus Sicht der Abwehr greifen die genannten Empfehlungen deshalb an mehreren Stellen gleichzeitig. Das BSI und die Polizei raten dringend zur Aktivierung der Zwei-Faktor-Authentifizierung, weil ein zweiter Faktor einen großen Teil der reinen Kontoübernahme-Logik entschärft. Zusätzlich wird betont, keine Links oder QR-Codes aus unangeforderten Nachrichten zu öffnen – gerade bei WhatsApp, wo die Nachricht aus dem Kontaktkreis kommt, aber der Absenderbezug manipuliert sein kann. Bei Geldforderungen von Bekannten soll nicht „per Klick“ reagiert werden, sondern eine persönliche Kontaktaufnahme über einen vertrauenswürdigen Kanal erfolgen. Ebenso wichtig ist die regelmäßige Kontrolle der Liste verknüpfter Geräte in den WhatsApp-Einstellungen, weil eine Übernahme häufig auch eine parallele Geräteauthentifizierung nach sich zieht.
Für ein belastbares Sicherheitskonzept reicht zudem „nur“ das Passwort selten mehr aus. Die Angaben stellen deshalb in den Kontext, dass moderne Sicherheitsverfahren an Bedeutung gewinnen, insbesondere bei Diensten, die ohnehin viel im Alltag genutzt werden, etwa WhatsApp oder auch Amazon. Wer sein Konto verloren hat, sollte dann nicht nur das eigene Profil sichern, sondern das Umfeld über andere Kanäle sofort warnen und Anzeige erstatten. So wird verhindert, dass die Täter weiter Kontakte in einer Kettenlogik ausnutzen. Die in dem Hinweis enthaltene Kernaussage zu verdächtigen Anrufen oder Nachrichten lässt sich ohne Zitate als Faustregel zusammenfassen: Misstrauen und konsequentes Stoppen der Kommunikation wirken in solchen Situationen oft schneller als jedes spätere „Reparieren“ – weil die Angreifer ihre Wirksamkeit genau aus der Zeit zwischen Nachricht und Handlung ziehen.
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