LONDON (IT BOLTWISE) – In einer neuen Windows-11-Vorabversion taucht das Feature „IntelligentCarveout“ auf. Es soll Unified Memory gezielt für Grafik- und KI-Anwendungen reservieren und damit aus dem gemeinsamen Speicherpool echte Speicherabschnitte machen. Gleichzeitig bleibt der Zugriff für andere Programme eingeschränkt, was in RAM-knappen Szenarien ein spürbares Tauschgeschäft auslöst. Der Schalter soll im Insider-Experiment zunächst in mehreren festen Stufen auswählbar sein.

Windows 11 bekommt laut Hinweisen aus dem Insider-Umfeld eine neue Art der Speichersteuerung für Systeme mit gemeinsamem CPU-, GPU- und KI-Speicher. Im Zentrum steht das bislang unangekündigte Feature „IntelligentCarveout“, das nicht nur dynamisch Zugriff auf Unified Memory bereitstellen soll, sondern einen Teil des Speicherpools explizit für Grafik- und KI-Bausteine reserviert. Damit verschiebt sich das bisherige Spiel „alles ist geteilt“ hin zu „ein Teil ist fest eingeplant“ – und genau hier entsteht für Nutzer von KI- und Gaming-lastigen Workloads ein neuer, bislang fehlender Hebel.
Technisch wird die Funktion im Windows-Insider-Programm als Experimental-Eintrag mit der Feature-ID 61121285 sichtbar. In den neuesten Build-Varianten 29648.1000 vom 17. August tauchen dazu konkrete Artefakte auf, darunter die Systemdatei „SettingsHandlers_UnifiedMemory.dll“ sowie erste Textbausteine wie „Reserved memory for accelerators“ und „Memory for graphics and AI acceleration“. Auch die Funktionsbeschreibung ist im Systemkontext nachvollziehbar: Windows soll zusätzlichen Unified Memory für grafik- und KI-intensive Spiele sowie Anwendungen bereitstellen und diesen Bereich anschließend für andere Programme sperren.
Für die Praxis ist die Abgrenzung zu „Shared GPU Memory“ entscheidend. Windows stellt integrierten Grafikeinheiten bereits seit Jahren bis zu rund die Hälfte des verfügbaren Arbeitsspeichers als Shared GPU Memory bereit, der sich im Task-Manager unter Leistung beobachten lässt. Das ist aber in erster Linie eine Obergrenze, auf die Windows dynamisch je nach Arbeitslast, Treiber- und Firmware-Stand zugreift. „IntelligentCarveout“ beschreibt dagegen einen echten Ausschnitt aus dem Speicherpool: Dieser reservierte Bereich bleibt für den Rest des Systems tabu. Das klingt zunächst nach mehr Planbarkeit für GPU- und KI-Workloads, bedeutet aber gleichzeitig, dass Browser-Tabs, Hintergrunddienste oder Overlay-Software bei knappen Reserven wieder stärker zu spüren bekommen, dass Speicher nicht mehr grenzenlos „mitgenutzt“ werden kann.
Der Bedienpunkt ist dabei nicht als feiner Regler gedacht, sondern offenbar als Auswahl aus fünf festen Stufen. Unter Einstellungen wird der Schalter im Pfad „Einstellungen → System → Erweitert“ erwartet, wobei die Optionen als „Custom“, „Recommended“, „High“, „Maximum“ und „Don’t allow“ auftauchen. Wer „Custom“ wählt, dürfte zwar eine manuelle Abstimmung ermöglichen wollen, doch selbst dann bleibt das Grundprinzip gleich: Ein Teil des Unified Memory wird nicht mehr allen Prozessen gleichberechtigt zur Verfügung gestellt. Microsofts offizielle Release Notes für genau diesen Build nennen derweil keine Freigabe oder Terminplanung für die neue Funktion, sondern erwähnen lediglich Änderungen rund um Windows-Sicherheit sowie weitere Aufräumarbeiten im Build-Kontext.
Ein weiterer Hinweis aus dem gleichen Fundkontext betrifft die Zielhardware: Zunächst geht es um Plattformen, die CPU, GPU und KI-Beschleuniger über einen gemeinsamen Speicherpool enger verzahnen. In der Quelle werden dafür als frühe Kandidaten NVIDIA-RTX-Spark-Systeme und AMDs Ryzen-AI-Max-Serie genannt. Bei RTX Spark wird ein Ansatz beschrieben, bei dem der Superchip „GB10“ die CPU-seitige Grace-Komponente mit bis zu 20 Arm64-Kernen an eine Blackwell-Grafikeinheit mit bis zu 6.144 CUDA-Kernen sowie bis zu 128 GiB LPDDR5X koppelt, die wiederum von CPU, GPU und KI-Beschleuniger gemeinsam genutzt werden. AMD verfolgt eine ähnliche Idee, wobei die nächste Ryzen-AI-Max-Generation „Ryzen AI Max 400“ (Codename „Gorgon Halo“) in der Quelle mit 192 GiB genannt wird.
Damit stellt sich vor allem die Frage, wie sich „IntelligentCarveout“ auf solche Konfigurationen auswirkt, wenn Speicherbereiche fest reserviert werden. Nach den Angaben im Kontext soll die Einstellung nur die Speichermenge des Unified Memory betreffen, nicht Kernanzahl oder Shader-Ausbau. In der Folge profitieren Szenarien, in denen Spiele oder lokale KI-Anwendungen regelmäßig große zusammenhängende Speicheranforderungen mitbringen, potenziell von weniger „Zappeln“ durch Konkurrenz um RAM. Gleichzeitig wird der Gegenpart sichtbar: Wenn Windows einen größeren reservierten Bereich für Grafik und KI anlegt, fehlen genau diese Ressourcen später für andere Prozesse. Für Anwender heißt das in der Praxis, dass sich die Systemroutine je nach Nutzungsprofil verschieben kann – etwa zwischen „Gaming mit lokalen KI-Tools“ und „viele Browser-Tabs plus Hintergrund-Services“.
Ausprobieren lässt sich der Schalter aktuell nur über den Experimental-Zweig im Windows-Insider-Umfeld. Der Experimental-Kanal wird in der Quelle mit ViVeTool und der genannten Feature-ID verknüpft; eine Garantie, dass die Bedienelemente jederzeit stabil funktionieren, wird nicht gegeben. Zusätzlich gilt: Dieser Kanal ist nicht an eine feste Windows-Version gebunden, Funktionen können im Verlauf wieder verworfen oder umgebaut werden. Wenn sich das Feature bis zu den in der Quelle genannten Zeitfenstern für erste Notebooks und Mini-PCs mit RTX Spark durchsetzt, könnte Windows 11 erstmals wie ein „RAM-Regler“ wirken – allerdings mit einer klaren Nebenwirkung: Wer mehr Speicher für KI und Grafik reserviert, muss parallel akzeptieren, dass nicht alles im Hintergrund weiter ohne Einschränkungen „aus dem vollen Pool“ schöpft.
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