LONDON (IT BOLTWISE) – Der US-Senat hat den „Clarity Act“ ohne Abstimmung vertagt und damit die geplante Neuordnung der Krypto-Marktstruktur zumindest bis September verschoben. Für XRP trifft die Gesetzesunsicherheit auf eine charttechnisch bereits laufende Abwärtsphase. Die Kursentwicklung zeigt eine Bewegung innerhalb eines „Death Cross“, während Marktteilnehmer kurzfristig dennoch Zuversicht signalisieren. Entscheidend bleibt, ob XRP über der 1-Dollar-Marke stabilisiert oder darunter ausbricht.

Die Verzögerung beim „Clarity Act“ trifft XRP gleich doppelt: politisch, weil der Zeitplan zur rechtlichen Einordnung wackelt, und technisch, weil der Kurs ohnehin schon unter Druck steht. Der Senat ist aus Washington abgezogen, ohne über das Gesetzesvorhaben zur Marktstruktur abzustimmen. Für Händler ist das weniger eine Fußnote im Kalender als ein Signal, dass der regulatorische Fahrplan erneut nicht rechtzeitig für Planungssicherheit sorgt.
Genau in diesem Punkt lag 2025 bis 2026 offenbar auch das große Narrativ für XRP. Die erwartete Leitplanke war die Frage, was XRP künftig regulatorisch ist: In Entwürfen wurde eine Einordnung von Kryptowerte in „securities“ und „commodities“ skizziert, verbunden mit einer möglichen Neubewertung einzelner Coins. Konkret wurde diskutiert, ob XRP (neben Solana und Dogecoin) als Nicht-„Securities“ klassifiziert würde. Wenn das gelingt, würde die Aufsicht nicht automatisch bei der SEC landen, sondern stärker in Richtung CFTC rücken – ein Unterschied, den viele Marktteilnehmer seit Jahren als mindestens ebenso relevant für Geschwindigkeit und Spielräume ansehen.
Für Ripple, das Unternehmen, das eng mit der Entstehung von XRP verknüpft ist, ist diese rechtliche Klärung nicht nur theoretisch. In der Vergangenheit ging es um die langwierige Auseinandersetzung mit der Frage, ob XRP als nicht registriertes Wertpapier einzustufen sei. Zwar hat Ripple laut der vorliegenden Darstellung einen Vergleich vereinbart und dabei 50 Millionen US-Dollar zur Beilegung des cross-appeal mit der SEC gezahlt, doch eine gesetzliche Festlegung wäre eine andere Art von Ende: Eine Regel gilt nicht nur für einen Vergleichsraum, sondern für den gesamten Markt – Börsen, Custodians und Aufsichtsbehörden.
Während die politische Entscheidung ausblieb, preist der Markt das Zögern bereits in der Kursmechanik ein. XRP notiert dem Bericht zufolge bei rund 1,02 US-Dollar und damit nahe der psychologisch wichtigen 1-Dollar-Schwelle; der Marktwert wird mit etwa 64 Milliarden US-Dollar beziffert. Der Tagesverlauf zeichnet sich als roter Abschluss ab, nachdem der Kurs in dieser Woche um 3% gefallen ist und damit deutlich schwächer als andere große Kryptoassets war. Auch der Chart liefert ein Bild, das eher nach „Fortsetzung“ als nach „Wende“ aussieht: XRP handelt innerhalb eines bestätigten „Death Cross“.
Die Indikatoren unterstreichen diese Abwärtsneigung in klaren Signalen. Der 50-Tage-EMA liegt unter dem 200-Tage-EMA – ein Muster, das als Death Cross bezeichnet wird. Wichtig ist dabei: Der Kurs liegt aktuell unter beiden Linien, wodurch kurzfristige gleitende Durchschnitte nicht mehr als stützendes „Pufferzonen“-Signal wirken. Der RSI liegt bei 35,9 auf einer Skala von 0 bis 100; unter 30 wäre typischerweise die Zone, in der Käufer meist aggressiver werden. Bei 35,9 bleibt also noch „Luft“ nach unten, bevor eine klassische Überverkauftheit einsetzen würde. Der ADX liegt bei 11,9 und damit unter 20; damit fehlt dem Move zwar ein starkes Trend-Fundament und Seitwärtsphasen sind möglich, aber die Squeeze-Momentum-Komponente bleibt laut Darstellung „off“, was eher auf zunehmende Volatilität statt auf gedrosselte Spannung hindeutet.
Für die nächsten Handelstage wird deshalb vor allem die Marke um 1 US-Dollar zum Entscheidungsbereich. Das bullische Szenario wäre ein täglicher Close zurück über 1,10 US-Dollar, anschließend auch über 1,13, weil dort laut Chartlogik die Zone als „Support-Holding“ interpretiert wird. Allerdings ist der Zeithorizont für einen möglichen Impuls durch den „Clarity Act“ durch die Verschiebung zumindest bis September gedehnt; damit fehlt ein unmittellicher Katalysator. Das bärische Gegenstück liest sich dagegen relativ geradlinig: Fällt XRP unter 1,00, öffnet das rechnerisch den Weg in Richtung 0,9153 – das niedrigste Level, das seit 2024 im täglichen Chart markiert wurde. Ein Close darunter würde den Abwärtstrend bestätigen und die zuvor genannte Erholungsphase nach 2024 in der Lesart weiter „wegdiskontieren“.
Interessant ist außerdem, dass die Marktstimmung kurzfristig nicht vollständig in denselben Takt schlägt wie der Chart. In einem Prediction-Markt, der von der übergeordneten Einheit des beschriebenen Projekts betrieben wird, preisen Trader offenbar 77% Wahrscheinlichkeit ein, dass XRP über 1,00 US-Dollar bleibt – zumindest über das Wochenende. Das bedeutet nicht, dass der technische Abwärtstrend verschwindet, aber es zeigt: Viele Marktteilnehmer unterscheiden zwischen kurzfristigem Volatilitätsmanagement und der größeren Frage nach der regulatorischen Klarheit. Genau diese Mischung aus „vermutlich kurzfristig haltbar“ und „mittelfristig abhängig von Gesetzesfortschritt“ macht XRP in dieser Phase so sensibel.
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