NEW YORK / LONDON (IT BOLTWISE) – Die zunehmende Verbreitung von gefälschten Zitaten in wissenschaftlichen Arbeiten wirft Fragen zur Integrität der Forschung auf. Eine neue Studie zeigt, dass generative KI-Tools für diese fehlerhaften Referenzen verantwortlich sein könnten. Die Auswirkungen auf die wissenschaftliche Gemeinschaft und die Qualität der Forschung sind erheblich.

In der Welt der Wissenschaft sind Zitate das Rückgrat jeder Veröffentlichung. Sie verankern neue Erkenntnisse in der bestehenden Forschung und schaffen so eine Art Stammbaum der wissenschaftlichen Entwicklung. Doch immer häufiger führen diese Zitate ins Leere. Eine aktuelle Studie, veröffentlicht in der renommierten Zeitschrift Lancet, zeigt, dass gefälschte Zitate, die auf nicht existierende Arbeiten verweisen, zunehmend die wissenschaftliche Literatur durchdringen. Forscher der Columbia University vermuten, dass generative KI-Tools für diese sogenannten Halluzinationen verantwortlich sind.
Die Frage, ob KI die Wissenschaft effizienter macht oder nur zu schlampiger Arbeit führt, beschäftigt viele Experten. Misha Teplitskiy, ein Soziologe der Wissenschaft an der University of Michigan, betont, dass viele Studien zur Nutzung von großen Sprachmodellen in der Wissenschaft existieren, jedoch kaum eine Aussage über die Qualität der damit produzierten Arbeiten treffen. Die aktuelle Studie ist eine der ersten, die sich mit der Qualität der durch KI generierten Inhalte auseinandersetzt und dabei auf erhebliche Mängel hinweist.
Ein besonders beunruhigendes Beispiel für die Verbreitung gefälschter Zitate ist der sogenannte MAHA-Bericht des Weißen Hauses aus dem letzten Jahr, der mehrere fehlerhafte Zitate enthielt, die vermutlich durch KI generiert wurden. Maxim Topaz, ein Forscher für Gesundheits-KI an der Columbia University, berichtet von einer persönlichen Erfahrung, die ihn zu dieser Untersuchung veranlasste. Trotz sorgfältiger Überprüfung seiner Arbeit wurde ein fehlerhaftes Zitat von einem Redakteur entdeckt, was ihn dazu brachte, das Ausmaß dieses Problems zu untersuchen.
Die Analyse von über zwei Millionen wissenschaftlichen Arbeiten und 97 Millionen Zitaten ergab, dass etwa 4.000 Zitate gefälscht waren. Obwohl dies im Vergleich zur Gesamtzahl der Zitate gering erscheint, ist der Trend besorgniserregend. Im Jahr 2023 enthielt eine von 2.828 Arbeiten gefälschte Zitate, während dieser Wert bis 2026 auf eine von 277 Arbeiten anstieg. Diese Entwicklung könnte nicht nur systematische Übersichtsarbeiten und klinische Leitlinien beeinflussen, sondern auch auf tiefere Probleme in der wissenschaftlichen Praxis hinweisen.
Mohammad Hosseini von der Northwestern University sieht in der Zunahme gefälschter Zitate ein Symptom für ein fehlerhaftes Bewertungssystem in der Wissenschaft, das zu einem oberflächlichen Umgang mit der Literatur führt. Die Praxis, KI-Tools zur Generierung von Zitaten zu verwenden, ohne die Originalquellen zu überprüfen, könnte langfristig die Qualität der wissenschaftlichen Forschung gefährden.
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