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NEW YORK CITY / LONDON (IT BOLTWISE) – Bei Brain Fog reicht laut Neurologin Rhonda Voskuhl kein generelles Gehirntraining wie Sudoku. Entscheidend sind Übungen, die gezielt Wortabruf und schnelle Verarbeitung trainieren. Sie empfiehlt kurze Aufgaben mit Zeitdruck, etwa kategoriebasierte Wortlisten oder schnelle Zusammenfassungen. Wer im Alltag feststellt, dass vor allem Namen und Begriffe haken, kann darauf die Übung zuschneiden.

60‑Sekunden-Übung gegen Brain Fog: Wortabruf statt Sudoku
60‑Sekunden-Übung gegen Brain Fog: Wortabruf statt Sudoku (Foto: IT BOLTWISE)
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Brain Fog wird oft mit „einfach mehr Rätsel“ beantwortet. Genau an dieser Stelle setzt die neurologische Einordnung an: Laut der Neurologin Rhonda Voskuhl wirkt kognitives Training nur dann deutlich, wenn es die Funktion adressiert, die bei der betroffenen Person tatsächlich langsamer läuft. In der Praxis heißt das nicht „mehr Aufgaben“, sondern „die richtigen Aufgaben“ – und zwar passend zum eigenen Muster aus Vergessen, Verzögerung und Wortfindungsproblemen.

Voskuhl beschreibt die Ursache des mentalen Nebels als eher lokal begrenzt als global. Besonders im Rahmen von perimenopausalen und menopausalen hormonellen Veränderungen kann es zwei Bereiche treffen: verbale Erinnerung (also das Abrufen von Namen und Worten) und die Verarbeitungsgeschwindigkeit (Gedanken schneller zu ordnen, besonders wenn man unter Zeit- oder Druckbedingungen steht). Dabei betont sie, dass grundlegende Logik und allgemeine Denkfähigkeit zwar erhalten bleiben können. Das erklärt, warum reine Knobel- oder Rechenformate häufig zwar „beschäftigen“, aber nicht automatisch helfen, wenn das Problem in der Wortsuche liegt.

Technisch lässt sich das Trainingserfordernis über eine Gedächtnisaufteilung herleiten, die in der Quelle als Unterscheidung zwischen „Encoding“ und „Retrieval“ beschrieben wird. Beim Encoding speichert das Gehirn neue Informationen ab; beim Retrieval ruft es genau diese Inhalte später wieder ab. Typischerweise zeigt sich der Brain Fog gerade im Abruf: Das Wort oder der Name ist nicht zwingend verloren, aber die „Suchmaschine“ braucht länger, um ihn zu finden. Wenn das stimmt, wird schnell klar, warum Sudoku und andere Zahl- und Logikrätsel vor allem die Fähigkeiten trainieren, die nicht im Zentrum des Problems stehen.

Entscheidend wird deshalb, das Training auf zwei Zielgrößen zu richten: Wortfindung und Geschwindigkeit. Voskuhl formuliert es sinngemäß so, dass Aufgaben den Mechanismus unterstützen müssen, der bei den Betroffenen ausbremst – und dass Zeitdruck ein wesentlicher Hebel ist. Wer beispielsweise beim Sprechen ins Stocken gerät oder sich Namen nur später „wieder einfällt“, profitiert eher von Übungen, die aktiven Wortabruf erzwingen und parallel die Verarbeitung beschleunigen. In der Quelle wird zudem darauf verwiesen, dass es in Bildgebung und Forschung Hinweise auf Veränderungen in Gedächtnis-nahem Gewebe wie dem Hippocampus geben kann und Funktionsverbindungen betroffen sein können.

Als konkrete Orientierung nennt die Quelle Übungen, die sich in kurzer Zeit durchführen lassen und den Abrufmechanismus direkt trainieren. Für den „60‑Sekunden“-Ansatz eignen sich timed word games, bei denen man mit Timer versucht, möglichst viele Wörter aus einer Kategorie zu nennen. Ebenso wird empfohlen, kurze Texte schnell zu lesen und danach sofort laut in zwei bis drei Sätzen zusammenzufassen; auch das zwingt das Gehirn, Inhalte schnell zu strukturieren und sprachlich abzurufen. Daneben kommen Rapid-Recall-Drills mit Flashcards oder Bildimpulsen ins Spiel, bei denen das Benennen ohne langes Nachdenken erfolgen soll.

Was daran für Unternehmen, Trainer und Betroffene besonders relevant ist: Solche Aufgaben sind nicht „nur Motivation“, sondern ein Selektionsprinzip. Wer eine generische Puzzle-App nutzt, trainiert häufig eher mathematisch-logische Routinen, während die Zielkomponente des Brain Fog – der Wortabruf unter Zeitbedingungen – unberührt bleibt. Voskuhl rät deshalb, im Alltag zu beobachten, wo man am häufigsten scheitert: Welche Wörter lassen sich nicht abrufen? Wo bremst der Prozess, sobald es schnell gehen muss? Aus diesen Beobachtungen lassen sich dann Übungsformen ableiten, die das eigene Schwachmuster treffen.

Für die Einordnung lohnt sich außerdem der Blick auf die Gedächtnis-Mechanik: Wenn retrieval-lastige Schwierigkeiten dominieren, ist „mehr Input“ nicht automatisch die Lösung. Stattdessen sollten Trainingsreize wiederholt genau den Moment simulieren, in dem das Gehirn normalerweise sucht – und es dabei messbar schneller machen. So wird aus dem vagen Begriff „Brain Fog“ eine greifbare Trainingshypothese: Fokus auf aktive Abrufprozesse, kombiniert mit Tempo. Ob das langfristig ebenso effektiv ist wie bei gezielter Abstimmung auf die individuellen Engpässe, hängt dann davon ab, wie konsequent man die Übungen an den eigenen Alltag koppelt.

Auch wenn die Quelle konkrete Beispiele nennt, bleibt der Kern pragmatisch: Keine einzige Übung ist universell, aber das Prinzip ist überprüfbar. Wer nach einigen Wochen bei Wortfindung und schnellerem Denken unter Druck Verbesserungen bemerkt, hat vermutlich eine passende Zielkomponente getroffen. Wer hingegen nur allgemeine „Beschäftigung“ spürt, sollte die Aufgaben anpassen – etwa von Zahlenrätseln hin zu kategoriebasierten Wortlisten, schnellen Zusammenfassungen oder strukturierten Abrufdrills. So wird aus dem 60‑Sekunden-Trick ein Plan, der sich auf das eigentliche Problem im Gehirn bezieht – statt es mit zufälligen Trainingsreizen zu überdecken.

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