ASCHAFFENBURG / BAYERN / LONDON (IT BOLTWISE) – Depot will sich erneut mit Insolvenz in Eigenverwaltung aus der Krise retten, während weitere Filialschließungen als wahrscheinlich gelten. Das Verfahren betrifft die GDC Deutschland GmbH, die beim Amtsgericht in Aschaffenburg die Eigenverwaltung beantragt hat. Als vorläufiger Sachwalter wurde Thomas Rittmeister eingesetzt, und die Geschäftsführung bleibt im Amt. Branchenbeobachter sehen vor allem Preis- und Konsumdruck sowie den steigenden Onlinewettbewerb als Treiber der Lage.

Die Möbel- und Deko-Kette Depot setzt ihren Sanierungsversuch ein weiteres Mal an und nimmt dafür den Weg über eine Insolvenz in Eigenverwaltung. Damit rückt erneut die Frage in den Vordergrund, ob sich das Filialmodell gegen anhaltende Preis- und Nachfrageschwäche ausreichend gegen den Onlinehandel verteidigen kann. Die GDC Deutschland GmbH hat beim Amtsgericht Aschaffenburg die Eröffnung des Verfahrens beantragt, nachdem das Unternehmen bereits 2024 in Eigenverwaltung gegangen war. Für Kundinnen und Kunden bedeutet das vor allem eine erhöhte Unsicherheit bei Verfügbarkeit und Standortnetz, während die Geschäftsführung ausdrücklich betont, möglichst viele Filialen erhalten zu wollen.
Technisch-organisatorisch ist das Verfahren zwar juristisch getrieben, doch es zwingt das Unternehmen in der Praxis zu einer schnellen Neuordnung von Planung, Liquidität und operativen Kennzahlen. In der Eigenverwaltung verbleibt die Geschäftsführung im Amt, wodurch Depot Sanierungsmaßnahmen ohne den vollständigen Zugriff externer Instanzen umsetzen kann. Das Gericht hat die vorläufige Eigenverwaltung bereits angeordnet und Thomas Rittmeister als vorläufigen Sachwalter bestimmt. Solche Konstellationen erhöhen den Druck auf belastbare Daten: Bestandsreichweiten, Abverkaufsquoten, Mietkosten pro Quadratmeter und Cash-Conversion-Zyklen müssen kurzfristig transparent gemacht werden, um zwischen Schließung, Umstellung und Fixkostensenkung zu entscheiden.
Als Ursachen nennt die Geschäftsführung neben gestiegenen Zöllen und der wachsenden Online-Konkurrenz auch eine vorsichtiger gewordene Kaufhaltung. Gerade diese Kombination trifft klassische Handelsmodelle besonders hart: Wenn Kundschaft stärker auf den Preis achtet, verschärft sich der Margendruck, selbst wenn der Absatz kurzfristig stabil bleibt. Gries verweist zudem auf die Grenzen von Preisreduzierungen als dauerhafte Strategie und kündigt an, das Depot-Konzept anzupassen. In den letzten Jahren haben vergleichbare Händler vor allem durch Sortiment, Lieferketten-Design und Werbe-Mechaniken gegeneffektiv gearbeitet; entscheidend ist dabei, welche Teile der Wertschöpfung sich so umsteuern lassen, dass der Deckungsbeitrag wieder über Fixkosten liegt.
Marktseitig verschärft sich die Lage für den stationären Non-Food-Bereich gleichzeitig mit einer insgesamt schwachen Konsumstimmung. Berichten zufolge ist die Angst um die Existenz bei Einzelhändlern in Deutschland zuletzt deutlich gestiegen; im April wurden ungewöhnlich hohe Werte für existenzbedrohliche Lagebilder genannt. Parallel dazu häufen sich Insolvenzen, und auch Wettbewerber wie der Non-Food-Discounter Mc Geiz haben in dieser Woche Insolvenz angemeldet. Im Wettbewerb entsteht zudem ein struktureller Druck, weil Plattformen wie Temu über aggressivere Preis- und Liefermodelle hinweg neue Referenzpreise setzen. Das macht nicht nur einzelne Unternehmen verwundbar, sondern erhöht den Investitions- und Schulungsbedarf für datengetriebene Preis- und Bestandssteuerung.
Ein Blick zurück zeigt, dass Depot nicht im luftleeren Raum handelt. Deutschland hat in den vergangenen Jahren bereits Zehntausende Geschäftsschließungen erlebt, und selbst ohne Insolvenzprozesse sinkt die Zahl der Ladenflächen laut Branchenindikatoren fortlaufend. Die Corona-Zeit hat zudem gezeigt, wie schnell sich Beschaffung, Nachfrage und Kapitalbindung verändern können, wenn Prozesse nicht resilient genug sind. Damals wurde im Markt häufig auf E-Commerce-Expansion gesetzt; heute wird aber zunehmend klar, dass reine Online-Umsatzzahlen ohne belastbare Logistik-, Bestands- und Retourenmodelle keine dauerhafte Stabilität liefern. Für Depot bedeutet die aktuelle Eigenverwaltung damit auch einen Stresstest für die Fähigkeit, vom “Filial vor Abverkauf” hin zu “Planung nach Daten” zu kommen.
Aus Sicht der Unternehmens-IT und Prozessarchitektur lässt sich die Sanierung als digitale Transformation im Kleinen begreifen. Wenn weitere Schließungen drohen, müssen Sortimente, Preislogik und Lieferzonen so neu geschnürt werden, dass die verbleibenden Standorte wirtschaftlich funktionieren. In modernen Retail-Setups spielen dabei Predictive Analytics für Nachfrage, regelbasierte Replenishment-Strategien und ein enges Zusammenspiel von ERP, WMS und E-Commerce-Frontend eine zentrale Rolle. Der Vergleich mit datengetriebenen Wettbewerbern zeigt: Wer Lagerbestände genauer vorhersagt und Kosten dynamischer steuert, kann trotz Preisorientierung die Profitabilität länger stabil halten. Genau diese Kompetenz wird im Insolvenzkontext besonders sichtbar, weil jede Fehlentscheidung direkt in Liquidität und Abverkauf zurückschlägt.
Für die nächsten Monate ist entscheidend, wie Depot die Gespräche mit Vermietern gestaltet und welche Filialen tatsächlich als “haltbar” bewertet werden. Der Geschäftsführer kündigt an, alles auf den Prüfstand zu stellen, nennt aber noch keine konkrete Zahl an möglichen Schließungen. Das Vorgehen erinnert an klassische Sanierungsprogramme, in denen ein Standortportfolio anhand von Lauf- und Mietkennzahlen, lokalen Kaufkraftdaten und Abverkaufsstabilität geclustert wird. Gleichzeitig erwarten Branchenbeobachter weiter steigende Insolvenzen, weil sich die Marktunsicherheit häufig mit einer verzögerten Konsolidierung übersetzt: Selbst solide Häuser leiden unter Kaufzurückhaltung, wenn Preispunkte und Sortimente nicht schnell genug angepasst werden.
Die Zukunft wird darüber entscheiden, ob Depot aus dem wiederholten Insolvenzprozess einen nachhaltigen Umbau ableiten kann. Einerseits ist das Risiko hoch, weil der stationäre Handel weiterhin unter starkem Wettbewerbsdruck steht und Preiskämpfe kurzfristig Umsätze stützen, langfristig aber Kapital binden. Andererseits eröffnet Eigenverwaltung die Chance, Fixkostenstrukturen, Lieferkettenprozesse und Kundenerlebnis gezielt neu zu bauen, bevor das Unternehmen dauerhaft in eine Abwärtsspirale gerät. In der Branche dürfte damit die Bedeutung von Transparenz, Sicherheits- und Datenschutzprozessen in der IT weiter zunehmen, etwa bei der Abwicklung von Kundendaten, Retouren und Lieferstatus. Wenn Depot diese Elemente mit einer klaren Retail-Roadmap verbindet, könnte sich die Sanierung zumindest so weit stabilisieren, dass die verbleibenden Filialen wieder planbar profitabel werden.
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