LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – Sicherheitsanalysten warnen vor einer neuen Kampagne mit schädlichen VBScript-Dateien, die über Messenger wie WhatsApp an Nutzer gelangen. Die Angreifer missbrauchen kompromittierte Konten, verschleiern Payloads als legitime Dokumente und zielen auf Fernwartungszugriffe. Gleichzeitig zeigt der aktuelle Lagebericht zur Cyberkriminalität 2025 die Dimension des Problems: 333.922 Fälle und rund 202,4 Milliarden Euro Gesamtschaden. Entscheidend ist jetzt, wie Unternehmen und Nutzer Identitäten verifizieren und UAC- sowie Endpunkt-Schutz konsequent absichern.

Die aktuellen Zahlen zur Cyberkriminalität 2025 lesen sich wie eine Belastungsprobe für digitale Geschäftsmodelle: 333.922 Fälle und ein geschätzter Gesamtschaden von rund 202,4 Milliarden Euro markieren laut Behörden einen deutlichen Anstieg gegenüber früheren Jahren. Gleichzeitig wird klar, warum besonders Messenger-Dienste in den Fokus rücken. Wer im Alltag WhatsApp, PayPal-ähnliche Portale oder andere Kommunikationskanäle nutzt, ist für Angreifer leichter erreichbar als über klassische E-Mail-Filter. In diesem Umfeld taucht nun eine neue VBScript-Welle auf, die mit Dokumententarnung arbeitet und über mehrere Schritte bis zu einem dauerhaften Fernwartungszugriff führen kann.
Technisch betrachtet beginnt die Kampagne häufig mit kompromittierten Konten, die im Hintergrund Nachrichten ausspielen oder Dateilinks nachreichen. Die Kernfalle: Die schädlichen Dateien wirken wie vertraute Geschäftsdokumente, etwa mit Namen wie „Financial Reports.vbs“ oder „Rechnung.vbs“. Erst sobald die Datei ausgeführt wird, startet eine mehrstufige Infektionskette. Dabei laden die Skripte zusätzliche Komponenten nach, die anschließend systemnahe Schutzmechanismen aushebeln können. Besonders kritisch ist, dass die Angreifer die Benutzerkontensteuerung (UAC) deaktivieren, wodurch Änderungen ohne die sonst üblichen Warndialoge möglich werden.
In mehreren Fällen identifizierten Analysten als Zielbild die Installation legitimer Fernwartungssoftware. Als besonders relevant nennen sie unter anderem die Anwendung ManageEngine Endpoint Central, die in Unternehmen zur Administration von Endgeräten eingesetzt wird. Für Angreifer ist das strategisch: Wenn ein Tool wie dieses erst einmal installiert ist, erscheint der Zugriff aus Sicht des Betriebsteams oft „normal“, obwohl er in Wirklichkeit missbräuchlich ist. Der entscheidende Unterschied zu vielen Massen-Phishing-Kampagnen liegt daher in der Perspektive auf Persistenz: Die Angreifer suchen nicht nur kurzfristige Datenabflüsse, sondern unbemerkten, wiederholbaren Zugriff.
Die Marktwirkung solcher Muster ist deutlich und zeigt sich auch in der geografischen Verteilung. Zwar berichten die Forscher global über Vorfälle, doch Malaysia sticht mit einem Anteil von rund 80 Prozent der identifizierten Opfer besonders hervor. Weitere betroffene Regionen umfassen unter anderem Brasilien, Singapur, Taiwan, Vietnam sowie europäische Länder wie Deutschland, Großbritannien und Spanien; außerdem wurden Fälle aus Indien, Mexiko, Australien und Russland gemeldet. Für Sicherheitsverantwortliche bedeutet das: Threat-Modeling darf nicht nur auf lokale Mail-Provider oder klassische Spam-Muster beschränkt sein, sondern muss Messenger-Verläufe, Dateitransfer und Endpunktverhalten gleichermaßen einbeziehen.
Aus Wettbewerbs- und Branchenperspektive lässt sich ein klarer Trend zur „Living-off-the-Land“-Logik erkennen: statt exotischer Malware nutzen Angreifer vertraute Toolchains, um weniger auffällig zu wirken. Das betrifft nicht nur Fernwartungsplattformen, sondern auch den Umstand, dass Nachrichteninhalte zunehmend angepasst werden. Branchenexperten betonen in diesem Zusammenhang, dass Künstliche Intelligenz (KI) die Qualität von Social-Engineering deutlich hebt: Laut einer ausgewiesenen Studie gehen 64,5 Prozent der Betrugsopfer davon aus, dass KI für die Maschen eingesetzt wurde. Darüber hinaus berichten Sicherheitsstellen, dass 82,6 Prozent der schädlichen Nachrichten inzwischen KI-generiert sind, wodurch Grammatik, Tonalität und Timing realistischer werden.
Auch die Behördenlage unterstreicht den Druck auf die Praxis: Wenn Angriffe wie Whaling gezielt Führungskräfte adressieren, steigen die organisatorischen Kosten pro Vorfall schnell, weil Identitätsprüfung, Incident Response und rechtliche Bewertung nachgelagert laufen. Ein konkretes Beispiel aus der Region Delhi: Ein Finanzvorstand soll nach einer Täuschung über ein gefälschtes WhatsApp-Profil rund 8,8 Millionen Euro angewiesen haben; Behörden konnten bislang etwa 4,9 Millionen Euro einfrieren. Wettbewerber im Security-Ökosystem wie Microsoft (Defender/Identity) oder Anbieter aus dem Endpoint-Management-Umfeld rücken deshalb verstärkt Schutzketten in den Vordergrund, die auch bei gekaperten Konten greifen, etwa durch verhaltensbasierte Signale und strikte Verifizierungsprozesse.
Für die nächste Verteidigungslinie stellt sich die Frage, welche Maßnahmen sofort wirken und welche eher mittel- bis langfristig. Sicherheitsexperten raten zu äußerster Vorsicht bei unaufgeforderten Dokumenten, die über Messenger eintreffen, insbesondere wenn der Kontext eine schnelle Entscheidung erzwingt. Wichtig ist außerdem, Identitäten über offizielle Kanäle zu verifizieren, statt der Chatnachricht selbst zu vertrauen. In der Praxis heißt das: Unternehmen sollten Kommunikationswege für Freigaben und Zahlungen absichern, etwa durch unabhängige Rückkanäle oder organisatorische Regeln, die bei ungewöhnlichen Anfragen automatisch eine zusätzliche Prüfung auslösen. Hier zeigt sich der technische Vergleich zwischen Cloud-basierten Schutzsignalen und On-Device-Prüfungen: Beides braucht man, weil sich reine Filterlogik durch neue Formulierungen leicht überlisten lässt.
Blickt man nach vorn, dürfte sich die Bedrohungslage weniger über „neue Malware“ verändern als über die Automatisierung der Angriffsabfolge. Wenn Künstliche Intelligenz Textinhalte, Täuschungslogik und Zielansprache verbessert, werden Kampagnen schneller iterieren und häufiger in mehreren Sprachen ausrollen. Für Entwickler und IT-Teams entsteht dadurch ein klarer Handlungsauftrag: Endpunkt- und Management-Systeme müssen so konfiguriert werden, dass Installationen, UAC-Änderungen und Fernwartungs-Komponenten revisionssicher protokolliert und überwacht werden. Zusätzlich wird Identity Security stärker in den Mittelpunkt rücken, weil kompromittierte Accounts die „erste Stufe“ der meisten Angriffe bleiben. Unternehmen, die diese Kette schon jetzt testweise als Übung durchspielen, können die Reaktionszeit im Ernstfall spürbar reduzieren.
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