LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Angriffsserie mit 148 npm-Paketen tarnte sich als „Student-Proxy“ und verwandelte Browser in ein DDoS-Botnetz. Laut Analyse von JFrog lief die Kampagne Anfang Mai rund zwei Wochen und nutzte dabei einen Proxy-Client als Zustellmechanismus. Im Kern wird nicht beim npm-Installieren zugeschlagen, sondern erst im geöffneten Tab: Remote-Code wird nachgeladen und anschließend werden entweder HTTP-Floods oder WebSocket-basierte Wisp-Lasten erzeugt. Unternehmen und Schulen können den Schaden begrenzen, indem sie Domains auf DNS-Ebene blockieren und betroffene Abhängigkeiten aus Lockfiles sauber neu aufsetzen.

NPM: 148 „Student-Proxies“ wurden zu Browser-DDoS-Botnetzen
NPM: 148 „Student-Proxies“ wurden zu Browser-DDoS-Botnetzen (Foto: IT BOLTWISE)
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Eine scheinbar harmlose npm-„Proxy“-Sammlung entpuppte sich als Lieferkette für Client-seitige Angriffe: Wie JFrog in einer neuen Auswertung beschreibt, haben 148 als Student-Webproxies getarnte Pakete in den ersten beiden Maiwochen für Angriffsverkehr gesorgt. Bemerkenswert ist dabei das Zielprofil: Die Pakete richteten sich nicht primär gegen Entwickler, die sie bauen, sondern gegen die Nutzer, die die zugehörigen Proxy-Seiten öffnen wollten. Auf der Oberfläche half das System tatsächlich beim Umgehen von Inhaltsfiltern. Dahinter wurden Browser jedoch so eingebunden, dass sie während einer Session DDoS-ähnliche Last erzeugen konnten, ohne dass beim Einbinden in ein Projekt offensiv „maliziöse“ Install- oder Build-Schritte auftreten.

Technisch verschiebt sich das Risiko damit vom klassischen „npm install“-Szenario in Richtung Web-Execution im Browser. JFrog stellt heraus, dass die betroffenen Pakete bei der Installation keine Lifecycle-Hooks und keine nativen Build-Skripte nutzten; sie seien auch nie dafür gedacht, in fremden Projekten importiert zu werden. Stattdessen ist der entscheidende Schritt das spätere Öffnen einer Seite, die der Proxy-Client ansteuert. Die Pakete starten dann einen Remote Loader, der den eigentlichen Payload-Inhalt austauschen kann. Dadurch lässt sich die Angriffsfähigkeit nachträglich „umschalten“, ohne dass Nutzer eine neue Paketversion installieren müssten.

Für die Markt- und Sicherheitslage ist das vor allem deshalb relevant, weil öffentliche Registries seit Jahren zugleich als günstige CDNs dienen. In der Analyse wird ein Modul namens G2 beschrieben, das JavaScript über jsDelivr aus einem GitHub-Repository bezieht und dabei bewusst auf eine mutable „main“-Branch statt auf einen festen, signierten Commit setzt. Hinzu kommen fehlende Subresource-Integrity-Checks sowie eine Ausführung mit Origin-Privilegien der Proxy-Seite. Das bedeutet: Der geladene Code kann Cookies, Local Storage und Same-Origin-Endpunkte auslesen bzw. missbrauchen. Mit einer „no-referrer“-Policy wird außerdem die Herkunft der Requests weniger sichtbar gemacht. Das ist weniger ein einmaliger „Payload-Upload“, sondern ein Mechanismus, der Änderungen im GitHub-Account sofort in jedem Browser replizieren kann.

Konkreter wird es beim zweiten Modul I2, das stärker in Richtung volumetrischer bzw. zustandsbasierter Lastangriffe zielt. Hier lädt der Browser eine Klartextdatei („websocket.txt“), um Ziel-URLs sowie eine Socket-Anzahl zwischen 1 und 1.024 zu bestimmen. Anschließend eröffnet die Komponente in einer gestaffelten Schleife mehrere WebSocket-Verbindungen zu einem Wisp-basierten Endpunkt. Wisp selbst ist ein Mercury-Workshop-Protokoll, das viele TCP- und UDP-Sockets über einen einzelnen WebSocket tunnelt, und es ist in Browser-Proxy-Implementationen als „plumbing“ bekannt. Doch im Angriffsszenario wird das Ziel durch korrekt formatierte Wisp-CONNECT-Frames und CLOSE-Frames getaktet, wodurch ein Control-Plane-Problem entsteht: Server müssen Verbindungen ständig allozieren und wieder auflösen, während Log-Ausgaben explodieren.

Jenseits der reinen Payload zeigt die Kampagnenanalyse, wie „operational“ das Ganze war. JFrog rekonstruiert die Timeline aus deobfuskierter App-Logik und archivierten Artefakten (u.a. über die Wayback Machine) und beschreibt einen Entwicklungsbogen: zunächst Adware, dann die Einbindung des Remote Loaders und des Wisp-Generators, anschließend eine Live-Phase mit dem Flood am Monatsende sowie ab dem 31. Mai eine Bereinigung der Pakete. Dennoch bleibt die Fähigkeit zur Wiederaktivierung erhalten, weil der Loader auf einen mutablen Branch verweist. Eine zweite Welle am 8. Juli brachte insgesamt 148 Pakete hervor, jedoch mit einem „cleaned-up“ adware-only Build—wobei Loader-Mechanismen weiterhin vorhanden blieben.

Auch wenn die Geschichte als „Student-Proxy“-Szenario klingt, ist die Abwehr klar technikgetrieben. Laut JFrog sollten Betreiber von Schul- und Unternehmensnetzwerken die Proxy-Kampagnen-Domains auf DNS-Ebene blockieren; besonders nennt die Analyse aktuell noch erreichbare Monetarisierungs- und Script-Hosts wie woofbeginner[.]com und c.vipersfutbol[.]com. Zusätzlich empfiehlt sich für Nutzer, die eine der Proxy-Seiten geöffnet haben, Browser-Cache, Local Storage zu leeren und Service Worker zu entfernen, falls eine Proxy- oder Tutoring-Domain einen registriert hat. Für IT-Teams mit betroffenen Abhängigkeiten gilt: Pakete aus den Manifests sowie Lockfiles entfernen, anschließend sauber neu aufbauen und die Build-Pipeline so absichern, dass solche Client-side Proxy-Artefakte nicht erneut durchrutschen.

Vergleicht man das mit früheren npm-Angriffsmustern, wird die strategische Verschiebung deutlich: Viele Tools für Dependency Scanning und Install-Time-Sandboxing sind darauf ausgelegt, Code zu erkennen, der während des npm-Installierens aktiv wird. Diese Kampagne umgeht genau diesen Trigger—der schädliche Effekt entsteht erst im Browser-Tab, nachdem eine Proxy-Seite geladen wurde. Aus der Sicherheitscommunity wird daher zunehmend betont, dass öffentliche Registries als „kostenlose CDNs“ nicht nur Komfort, sondern auch eine Angriffsfläche für mutable, serverseitig umschaltbare Client-Assets schaffen. Der Blick in konkurrierende Schadsoftware-Modelle (etwa Client-side Loader + WebSocket-Flooding) zeigt, dass Botnetze künftig stärker über legitime Web-Workflows gebaut werden. Für die Zukunft heißt das: Unternehmen sollten neben Supply-Chain-Checks auch Web-Content-Restriktionen, Policy-basierte Blockierung (DNS/Proxy) und striktes Lockfile-Management als Standard etablieren.


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