LONDON (IT BOLTWISE) – Quishing-Attacken und SMS-Phishing steigen laut aktuellen Quartalsdaten massiv an: Quishing klettert um 146 %, im März wurden rund 18,7 Millionen Angriffe gezählt. Besonders QR-Codes in E-Mails und gefälschte Briefe leiten Opfer auf Seiten um, die Online-Banking-Logins nachahmen. Parallel wächst Smishing um 162 %, mit besonderem Schwerpunkt auf der WM-Phase. Für Unternehmen und Nutzer wird damit vor allem der proaktive Schutz wichtiger – von Passkeys bis zur sicheren Verifizierung unbekannter Links.

Die neue Welle aus Quishing und Smishing trifft inzwischen nicht mehr nur Technikaffine, sondern breit aufgestellte Nutzergruppen in Deutschland. Laut den vorliegenden Quartalszahlen stieg die Zahl der Quishing-Angriffe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 146 %. Allein im März wurden monatlich rund 18,7 Millionen Angriffsversuche registriert – eine Größenordnung, bei der selbst geringe Klickraten für Angreifer schnell reichen, um Konten zu übernehmen. Damit verschiebt sich das Bedrohungsmodell weg von klassischen Phishing-Mails hin zu QR-basierten Einstiegspunkten, die auf jedem Mobilgerät funktionieren und sich über beliebige Kommunikationskanäle verteilen lassen.
Technisch betrachtet ist Quishing eine gezielte Umleitung: Der QR-Code wirkt als bequemer, „harmlos scannbarer“ Link, führt aber beim Öffnen auf eine präparierte Webseite, die das Layout legitimer Banken oder Portale imitiert. Entscheidend ist dabei meist nicht die Rechenleistung der Angreifer, sondern die Prozesskette: QR-Code-Hosting, Redirects, gefälschte Formularlogik und das Einsammeln von Zugangsdaten oder Transaktionsnummern. Auffällig ist außerdem, dass die Angriffe zunehmend den Postweg mitnutzen: Gefälschte Briefe mit täuschend echten QR-Codes wurden in mehreren Regionen berichtet und führen ebenfalls auf Seiten, die Online-Banking von Instituten nachahmen. Für die Security-Abteilung wird so die Grenze zwischen Cyber- und „physischer“ Social-Engineering-Welt durchlässiger.
Auch Smishing zeigt eine analoge Dynamik, nur eben im SMS-Kanal. Für das zweite Quartal 2026 wird ein Wachstum von 162 % genannt, mit einem besonderen Fokus auf die Fußballweltmeisterschaft von April bis Juni. Sicherheitsbeobachtungen ordnen diese Phase als verstärktes Zeitfenster ein: Wenn viele Menschen parallel nach Spielständen, Ticketinformationen oder Reise-Updates suchen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass kurze, dringliche SMS mit Turnierbezug nicht sofort als Betrug erkannt werden. Ein weiterer Hebel ist die Personalisierung: Wenn Angreifer KI einsetzen, können sie ortsbezogene Reize aus scheinbar harmlosen Informationen ableiten. In einem Test soll ein KI-System den Standort anhand von Urlaubsfotos in 91 % der Fälle korrekt bestimmen – selbst ohne Metadaten. Genau diese Ortsnähe lässt sich dann in vermeintliche Sicherheitswarnungen lokaler Banken übersetzen.
Im Marktkontext bedeutet das: Automatisierte Erkennung stößt an Grenzen, sobald Angriffs- und Versandlogik nicht nur „gleichartige“ Mails produziert, sondern zielgerichtete Inhalte. Große Sicherheitsanbieter bauen zwar Filter für Phishing- und Malware-Indikatoren aus, doch Quishing umgeht viele klassische Muster, weil der sichtbare QR-Code selbst erst beim Scan als Redirect- und Landing-Mechanismus „lesbar“ wird. Hier ist der Vergleich zu etablierten Schutzansätzen hilfreich: Browser- und E-Mail-Schutzsysteme wie sie etwa von großen Plattformen und Security-Ökosystemen bereitgestellt werden, arbeiten häufig mit Reputation, URL-Checks und Erkennung von Login-ähnlichen Seitentexten. Quishing skaliert aber über neue Einstiegspfade und kann sich schnell an signalisierte Domains anpassen. Für Unternehmen heißt das praktisch: Schutz muss stärker „verhaltens- und prozessbasiert“ werden – etwa durch Absicherung des Login-Flows und nicht nur durch das Blockieren einzelner URLs.
Historisch betrachtet war Phishing lange Zeit vor allem ein E-Mail-Problem; später kamen Spear-Phishing, Vishing und Botnet-getriebene Kampagnen hinzu. Quishing wirkt wie ein neuer Packaging-Mechanismus über etablierte Social-Engineering-Techniken: Es bleibt die Idee, Nutzer in einen Handlungszwang zu bringen, nur dass der „Klick“ als QR-Scan aus dem Alltag heraus gestaltet ist. In der aktuellen Bedrohungslage werden zusätzlich „neue“ Angriffsflächen relevant: Content-Creators sollen durch personalisierte E-Mails mit angeblichen Urheberrechtsverletzungen getroffen werden; über manipulierte PDF-Reader wird dabei Malware wie „Rhadamanthys“ beschrieben, die Daten ausliest. Daneben nimmt der Reisesektor zu: Über WhatsApp verschaffen sich Kriminelle Zugriff auf Buchungssysteme von Unterkünften, kontaktieren Gäste und versenden Links zu gefälschten Formularen, um Kreditkarteninformationen abzuschöpfen. Das zeigt, wie breit die Abzweigung von Quishing-Szenarien mittlerweile ist.
Für die Frage „Wer haftet bei Phishing-Schäden?“ zeichnet sich zudem eine klarere, regulatorisch geprägte Linie ab. Die Quelle nennt, der Bundesgerichtshof habe bereits im Juli 2025 festgestellt, dass Banken im Schadensfall erstatten müssen, sofern sie dem Kunden keine grobe Fahrlässigkeit nachweisen können. Diese Beweislastverteilung wird durch eine Entscheidung des belgischen Kassationshofs Ende Juni 2026 weiter gestützt: Demnach liegt die Beweisführung bei den Kreditinstituten, während der Kunde typischerweise nur bei untypischem Verhalten für sein Profil haftet. Unabhängig von der konkreten Rechtsfrage wird die betriebliche Konsequenz deutlich: Institute und Unternehmen müssen beweisen können, dass sie Schutzmaßnahmen nicht nur technisch angeboten, sondern auch in angemessener Weise umgesetzt haben – besonders bei mobilen Banking-Apps und QR-/SMS-Einstiegen.
Der Gesetzgeber zieht parallel eine verschärfte Sicherheitsagenda auf. Es wird von einem geschätzten jährlichen Schaden von rund 100 Milliarden Euro durch Finanzkriminalität ausgegangen und ein 26-Punkte-Plan angekündigt. Dazu sollen 1.500 neue Stellen in den Sicherheitsbehörden kommen, außerdem ist bei schweren Fällen eine Verschärfung des Strafmaßes auf bis zu 15 Jahre Haft vorgesehen. Für Nutzer empfiehlt sich ein sehr konkreter Handlungsrahmen: Bei unaufgeforderten QR-Codes oder SMS-Links besser nicht reagieren, im Verdachtsfall die offizielle App des jeweiligen Dienstleisters nutzen oder den Sperr-Notruf 116116 kontaktieren. Gleichzeitig setzen Unternehmen künftig stärker auf Passkeys und moderne Authentifizierung statt auf reines Passwort-Handling, weil diese Mechanismen den zentralen Angriffsweg „gestohlene Credentials“ systematisch reduzieren. In den nächsten Quartalen ist daher mit einer weiteren Professionalisierung von Quishing-Kampagnen zu rechnen: weniger Standardmails, mehr orts- und kontextbezogene Täuschung – während der Wettbewerb zwischen Abwehrmechanismen und Angriffsskripten weiter in den Detailgrad übergeht.
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