LONDON (IT BOLTWISE) – In dieser Woche bündelt sich die Konjunkturberichterstattung besonders stark: zentrale Daten fallen in einer engen Schlagfolge, mit Schwerpunkt auf dem Donnerstag. Im Fokus stehen Entscheidungen der US-Notenbank Fed, der Bank of England und der Bank of Japan sowie der Datenmix aus Wachstum und Preisentwicklung für USA, Euroraum und Deutschland. Während Inflationsraten in den USA zuletzt spürbar nachgegeben haben, bleibt die Lage in Europa differenziert und die EZB-Perspektive bleibt datenabhängig. Für Marktteilnehmer zählt vor allem, ob sich der Trend Richtung niedrigerer Inflation bestätigt und wie die Zentralbanken die nächsten Schritte einpreisen.

Konjunktur im Blick: Ifo, BIP, Inflation und Notenbank-Signale im Wochenendruck
Konjunktur im Blick: Ifo, BIP, Inflation und Notenbank-Signale im Wochenendruck (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Woche startet mit dem Gefühl, dass jemand die wichtigsten Makro-Schlüssel in eine einzige Tasche gestopft hat: Kaum ist man gedanklich im Urlaub, drängen sich die Termine enger als üblich. Im Zentrum steht ein ganzer Datenblock, der Wachstum und Inflation auf beiden Seiten des Atlantiks in kurzer Taktung zusammenführt. Das macht die Preisfindung an den Märkten zugleich einfacher und riskanter: einfacher, weil neue Informationen gesammelt wirken, riskanter, weil bereits kleinste Abweichungen von den Erwartungen über mehrere Releases hinweg durchrutschen können.

Den zeitlichen Auftakt setzt die US-Notenbank: Der Offenmarktausschuss des FOMC lässt den Leitzins voraussichtlich unverändert. Der Markt rechnet damit, dass der Fed-Funds-Zielsatz im Korridor von 3,50 bis 3,75 Prozent bleibt; die Entscheidung wird am Mittwoch bekanntgegeben, gefolgt von der Pressekonferenz mit Fed-Chairman Kevin Warsh. Gleichzeitig liefert die jüngste Inflationsentwicklung in den USA Hinweise auf eine Entspannung: Die Verbraucherpreise stiegen im Juni nur noch mit 3,5 Prozent im Jahresvergleich (nach 4,2 Prozent im Mai), die Kernverbraucherpreise mit 2,6 Prozent (nach 2,9 Prozent). Unterstützend wirken Erzeugerpreisdaten, die den Rückgang plausibilisieren; das erhöht den Erwartungsdruck für den PCE-Deflator, der am Ende des Datenmixes als nächster Inflationsbaustein in die Erwartungskette greift.

Auch der Arbeitsmarkt bleibt im Blick, weil das Fed-Doppelmandat aus Inflation und Beschäftigung jede einseitige Entwarnung sofort relativiert. Dass der Markt für den weiteren Pfad nicht in Jubel ausbricht, zeigt sich in den Fed-Funds-Futures: Bis Dezember wird eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte zu rund 90 Prozent eingepreist. Für den Donnerstag bedeutet das: Es geht weniger um eine plötzliche Richtungsänderung, sondern um die Frage, wie nachhaltig der Trend bei den Inflationsraten ist und ob die Daten zur Aktivität den Eindruck einer Abkühlung bestätigen oder dämpfen. Die Pressekonferenz am Mittwoch bleibt dabei ein möglicher Reibungspunkt, weil sie die bisherige Kommunikation in einen noch konkreteren Pfad übersetzen kann.

Während die USA ihre nächste Inflationsmessung mit dem PCE-Deflator weiterführen, schwenkt der Fokus auf Europa und Japan. Die Bank of England dürfte ihren Leitzins ebenfalls unverändert lassen, und zwar in einem Umfeld, in dem die Zentralbank gleichzeitig Inflation kontrollieren und die Wirtschaft gegen die Belastungen hoher Energiepreise stabilisieren muss. Konkrete Daten stützen die Hoffnung auf keine weitere Verschärfung: Die Inflationsrate sank im Juli auf 2,6 Prozent (nach 2,8 Prozent im Juni). Dazu kommt eine politische Komponente, die zumindest indirekt in die Preisfantasie der Märkte hineinwirken kann: Der neue Premierminister Andy Burnham hat John Healey zum Schatzkanzler ernannt, und Berichten zufolge soll die Mehrwertsteuer auf Energierechnungen gesenkt werden; das könnte die Inflation für ein Jahr um etwa 0,1 Prozentpunkte drücken. Diese Wechselwirkung aus Geldpolitik und fiskalisch wirkenden Preishebeln ist ein Grund, warum die BOE-Folgereaktionen nach wie vor eng am Datenkalender hängen.

Am anderen Ende des Zeitstrahls positioniert sich die Bank of Japan mit einer Zinserwartung, die derzeit eher eine Pause als eine Trendwende signalisiert: Für die nächste Sitzung wird ein unverändertes Zinsniveau von 1,00 Prozent erwartet. Die nächste Erhöhung um 25 Basispunkte liegt demnach eher im Dezember; zugleich wird diskutiert, dass ein anhaltender Inflationsdruck und die Schwäche des Yen auch schon im Oktober zu einem früheren Schritt führen könnten. Da diese Zinspause weitgehend eingepreist ist, verlagert sich der Schwerpunkt auf den Quartalsbericht und die Pressekonferenz von BoJ-Gouverneur Kazuo Ueda. Marktbeobachter achten dabei besonders auf Revisionen bei Wachstum und Inflation im Kontext von Stagflationsrisiken, weil sich daran die Glaubwürdigkeit der geldpolitischen Normalisierung ablesen lässt. Für die Marktlogik ist relevant, ob der Yen weiter unter Druck bleibt, obwohl das Erhöhungstempo bereits eingepreist scheint.

Der Donnerstag ist schließlich der eigentliche Verdichtungsmodus: Die US-Wirtschaft soll im zweiten Quartal leicht zulegen, Analysten erwarten ein Wachstum von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf Jahresbasis (nach 2,1 Prozent im ersten Quartal). Dazu passen die Erwartungen an den PCE-Deflator, der im Juni wohl nur leicht nachgeben dürfte: Der Preisindex der persönlichen Konsumausgaben werde stagniert gegenüber dem Vormonat erwartet und liege dennoch bei 3,8 Prozent im Jahresvergleich (nach 4,1 Prozent im Mai). Parallel dazu kommt Europa in eine neue Wachstums- und Preisphase. Für den Euroraum wird ein BIP-Anstieg im zweiten Quartal von 0,2 Prozent erwartet; zugleich spielen technische Revisionen eine Rolle, weil etwa Eurostat das erste Quartal zuletzt auf plus 0,0 Prozent revidiert hat. Deutschland wird ebenfalls mit einem leichten Wachstumstempo in Verbindung gebracht, wobei die Erwartungen nahelegen, dass Impulse aus dem privaten Konsum bei hohen Energiepreisen geringer ausfallen und ein Wachstumsbeitrag eher vom Bau getragen wird.

Auch die Inflationsseite wird am Donnerstag weiter verdichtet. Für den Euroraum erwarten Analysten im Juli eine Stagnation bei 2,8 Prozent Gesamtinflation und 2,4 Prozent Kerninflation. Wenn diese Erwartung erfüllt wird, stärkt das häufig die Planbarkeit für eine mögliche EZB-Anhebung im September. In Deutschland wiederum rechnen Volkswirte beim HVPI mit einem Wiederanstieg: Der harmonisierte Verbraucherpreisindex soll gegenüber dem Vormonat um 0,9 Prozent steigen und im Jahresvergleich 2,8 Prozent erreichen (nach 2,4 Prozent im Juni). Zusätzlich liefern Daten aus mehreren Bundesländern die Feinabstimmung. Nicht zuletzt startet gleich zu Wochenbeginn der Ifo-Index: Das Geschäftsklima soll im Juli marginal steigen, auf 85,7 Punkte (nach 85,6). Bemerkenswert ist dabei der Hinweis, dass Stimmungsindizes derzeit schwer interpretierbar sind, weil Schwankungen im Nahen Osten die Erwartungshaltung der Akteure beeinflussen können. Damit wird aus der Statistik nicht nur eine Zahl, sondern ein Faktor für die Unternehmenserwartungen.

Für Unternehmen und Treasury-Abteilungen ergibt sich daraus ein klares Muster: Der Markt versucht, Preis- und Zinsrisiken in eine fortlaufende Klammer zu bringen, während die Datenlage zugleich einen möglichen Pfad Richtung „weniger Inflation“ vorbereitet, aber noch keinen sicheren Endpunkt setzt. Wer in der Woche Entscheidungen treffen muss, profitiert weniger von einem einzelnen Release als vom Muster über mehrere: US-Inflationstrend, US-Wachstum, europäische Preisstabilität, plus die EZB-Erwartungslage. Genau deshalb lohnt es sich, nicht nur den Donnerstag als „großen Datenblock“ zu sehen, sondern die Abfolge als Prüfstein für die Narrative, die bis zur nächsten Zentralbank-Kommunikation dominieren.


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