LONDON (IT BOLTWISE) – Das Better Business Bureau warnt vor einer neuen Betrugswelle, die KI für gefälschte Shops, Phishing-Mails und manipulative Login-Seiten deutlich effizienter macht. Laut FBI beliefen sich die Verluste im Jahr 2025 auf mehr als 893 Millionen US-Dollar im Zusammenhang mit KI-gestützter Kriminalität. Gleichzeitig zeigen internationale Daten, dass der KI-Anteil an Cyberdelikten global stark zunimmt. Für Unternehmen bedeutet das: Schutzmaßnahmen gegen Datenklau und CEO-Fraud müssen schneller und konsequenter in der Praxis greifen.

Mit dem Start der Schul- und Urlaubsroutine ändert sich auch das Angriffsmuster: Das Better Business Bureau (BBB) sieht den typischen „Aufmerksamkeits-Shift“ der Nutzer als Chance für Betrüger. Der Kern der Warnung ist nicht nur, dass KI-Tools Phishing-Mails schneller formulieren können, sondern dass sie die gesamte Betrugskette skalierbar machen. Genannt werden gefälschte Online-Shops, Phishing-E-Mails sowie manipulierte Login-Seiten, die auf den ersten Blick wie legitime Portale wirken. Besonders auffällig sind betrügerische Websites, die angebliche KI-Hilfen für Hausaufgaben anbieten, in Wahrheit aber auf das Abgreifen sensibler Daten abzielen.
Technisch betrachtet verschiebt sich das Risiko weg von einzelnen „schlechten“ E-Mails hin zu glaubwürdigen, schwerer zu klassifizierenden Interaktionen. Wenn Angreifer KI-gestützt Textvarianten, Betreffzeilen und Landing-Page-Inhalte in hoher Zahl erzeugen, sinkt der Aufwand pro Ziel, während die Trefferquote steigt. Hinzu kommt der praktische Effekt von KI-gestütztem Social Engineering: Aus generischen Scams werden zielgerichtet wirkende Gespräche, die sich an Tonalität und Kontext anpassen. Das BBB koppelt diese Entwicklung an weitere Hinweise aus der Branche und verweist auf Tests, in denen KI-Agenten bei Fehlanwendungen dazu genutzt werden können, fremde Systeme zu kompromittieren.
Dass große Modellanbieter reagieren, passt in dieses Bild. OpenAI habe in den letzten Monaten laut den vorliegenden Angaben zahlreiche Konten entfernt, die KI für Social-Engineering-, Überwachungs- und koordinierte Einflussoperationen missbrauchten. Auch eine konkrete Maßnahme wird genannt: Im Rahmen der „Operation Vague Focus“ wurden demnach Konten unterbunden, die täuschende Nachrichten erzeugten und Kampagnen gegen Kritiker koordinierten, ergänzt durch aktualisierte Nutzungsrichtlinien, um solche Einflussoperationen künftig wirksamer zu blockieren. Der zweite Schwerpunkt betrifft den Einsatz von KI durch Betrugszentren in Poipet, wo die Technologie für gefälschte Ausweise und Übersetzungen von Betrugsnachrichten genutzt wurde – und damit die Sprachbarriere senkt, die früher international agierende Täter ausgebremst hat.
Die finanziellen Folgen unterstreichen, warum Sicherheitsteams inzwischen über reine Filterregeln hinausgehen müssen. Laut Daten des FBI verloren Amerikaner im Jahr 2025 mehr als 893 Millionen US-Dollar durch Verbrechen im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz. Für 2026 wird außerdem eine globale Dimension beschrieben: In Afrika seien bereits 55 Prozent der Cyberkriminalität durch KI getrieben; die Verluste hätten von 192 Millionen US-Dollar im Jahr 2024 auf 484 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 zugenommen. Parallel dazu wird von „Operation Red Card 2.0“ berichtet, bei der 651 Festnahmen verzeichnet und 4,3 Millionen US-Dollar sichergestellt wurden. Solche Maßnahmen sind zwar wichtig, ändern aber nicht automatisch die Innovationsgeschwindigkeit von Angreifern – gerade wenn KI den Generierungs- und Testaufwand drastisch reduziert.
Für Unternehmen verlagert sich die Angriffsfläche zusätzlich in die Arbeitswelt. Der Versicherer Resilience wird mit einer Zahl zitiert: In der ersten Jahreshälfte 2026 sollen Spearphishing-Angriffe für mehr als 85 Prozent der finanziellen Verluste verantwortlich gewesen sein – ein sprunghafter Anstieg gegenüber 18 Prozent im Jahr 2024. Ransomware erscheine zwar mit weniger als 6 Prozent der Vorfälle, verursache jedoch rund 75 Prozent der Gesamtschäden. Dieses Muster ist für Security-Teams entscheidend, weil es zwei Ebenen koppelt: Prävention gegen Kommunikation-basierte Angriffe (Spearphishing, CEO-Fraud) und Resilienz gegen disruptive Schadsoftware. In einem Proof-of-Concept wird außerdem gezeigt, wie ein kompromittiertes E-Mail-Konto mithilfe eines KI-Assistenten zur CEO-Kompromittierung genutzt werden kann, inklusive Umgehung von Mehrfaktor-Authentisierung (MFA) und das Anstoßen fiktiver Überweisungen in Höhe von 247.500 US-Dollar.
Während sich solche Beispiele auf Prozess- und Identitätsschutz beziehen, kommt eine zweite, zunehmend mediengetriebene Dimension hinzu: Deepfakes und manipulative Videos. Ein Fall aus Pune wird als Illustration beschrieben, bei dem ein 56-jähriger Geschäftsmann zwischen Anfang Juni und Ende Juli in 36 Transaktionen insgesamt 1,07 Crore Rupien verloren haben soll. Auslöser war demnach ein manipuliertes Video der indischen Finanzministerin Sitharaman sowie ein angebliches SpaceX-IPO-Angebot. Genau solche Kombinationen aus synthetischem Video und vermeintlich „marktnahem“ Kontext machen es Angreifern leicht, Zeitdruck zu erzeugen und Rückfragen zu entwerten.
Für den praktischen Schutz empfiehlt das BBB vor allem konsequente Verifikation: Links müssten vor dem Anklicken genau geprüft werden, und für Online-Käufe wird die Nutzung von Kreditkarten hervorgehoben, weil sie bei Betrugsfällen in vielen Fällen einen besseren Rückkanal bieten als reine Überweisungen. Zudem wird auf konkrete Maschen verwiesen, etwa Microsoft-365-Login-Tricks zur Umgehung von Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA), gefälschte Support-Warnungen oder betrügerische Postident-Verfahren. Ergänzend sollten Unternehmen organisatorisch und technisch prüfen, wie stark sie CEO-Fraud- und Spearphishing-Risiken bereits begrenzen: Hier geht es weniger um einzelne „Insellösungen“, sondern um die Kette aus Postfach-Sicherheit, Identitätsprüfung, Freigabeprozessen für Zahlungen und der Fähigkeit, auch überzeugende KI-generierte Kommunikation als Risiko zu behandeln.
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