LONDON (IT BOLTWISE) – Das Bundeskabinett hat eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) beschlossen, die die Förderung kleiner Photovoltaik-Anlagen ab 2027 umstellt. Für neue Anlagen unter 25 Kilowatt soll die bisher feste Einspeisevergütung wegfallen und durch einen schrittweisen Übergang ersetzt werden. In der Anlaufphase ist eine Abnahme durch den Netzbetreiber für 36 Monate vorgesehen, danach wird die Direktvermarktung verpflichtend. Zusätzlich schafft die Reform einen Direktvermarktungsbonus sowie eine Obergrenze für die Einspeisung auf 50 Prozent der maximalen Wirkleistung.

EEG-Reform 2027: Feste Einspeisevergütung für kleine PV-Anlagen fällt weg
EEG-Reform 2027: Feste Einspeisevergütung für kleine PV-Anlagen fällt weg (Foto: IT BOLTWISE)
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Mit der am 29. Juli 2026 verabschiedeten EEG-Reform verschiebt die Bundesregierung die Förderlogik für Photovoltaik spürbar – und zwar genau dort, wo bislang vor allem auf Planungssicherheit durch eine garantierte Einspeisevergütung gesetzt wurde. Ab 2027 soll es für neue PV-Anlagen mit weniger als 25 Kilowatt keine feste Vergütung über 20 Jahre mehr geben. Stattdessen entsteht ein gestuftes Modell: Zuerst gibt es eine befristete Übergangszahlung, anschließend setzt der Gesetzesentwurf auf die Marktintegration des erzeugten Stroms. Für Betreiber kleiner Anlagen bedeutet das nicht nur eine andere Erlösstruktur, sondern auch einen anderen Betriebspfad – weg vom „einfach einspeisen“ hin zu Vermarktungsprozessen und mehr Anreizen für Eigenverbrauch.

Der Übergang ist dabei eng getaktet. Für neue Anlagen unter der 25-kW-Grenze soll ab Januar 2027 zunächst eine Zahlung für 36 Monate gelten, die sich laut Angaben aus Regierungskreisen auf eine Abnahme durch den Netzbetreiber zu 5,20 Cent pro Kilowattstunde stützt. Dieser Wert liegt demnach unter dem Niveau der bisherigen festen Einspeisevergütung, womit die Reform frühzeitig den wirtschaftlichen Druck erhöht. An die dreijährige Phase schließt sich die verpflichtende Direktvermarktung an: Der erzeugte Strom soll dann nicht mehr primär über eine langfristig garantierte Einspeisevergütung laufen, sondern über den Markt vermarktet werden. Um diesen Systemwechsel abzufedern, sieht die Reform einen Direktvermarktungsbonus vor, der über vier Jahre mit 1,5 Cent pro Kilowattstunde beziffert ist.

Zusätzlich werden technische und betriebliche Grenzen gesetzt, die den Charakter von Kleinanlagen verändern sollen. Der Entwurf begrenzt die Einspeisung für kleine und mittlere Neuanlagen künftig auf 50 Prozent der maximalen Wirkleistung. Ziel ist laut Reformtext ein stärkerer Anreiz für den Eigenverbrauch – also dafür, den Strom zeitnah im Haushalt oder im Betrieb zu nutzen – sowie für die Nutzung von Stromspeichern und Elektroautos. In der Praxis bedeutet das: Wer eine PV-Anlage installiert, muss stärker als bisher mit Blick auf Lastprofile, Speichergröße, Ladeinfrastruktur und Energiemanagement planen. Technisch wirkt die 50-Prozent-Regel wie ein regulatorisch vorgegebenes „Schutzgeländer“, das Netze entlasten und gleichzeitig die Eigenverbrauchsquote fördern soll.

Politisch wird der Kurs als Paradigmenwechsel gerahmt. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche bezeichnete die EEG-Reform am 29. Juli 2026 als notwendigen Schritt, um erneuerbare Energien stärker in den Markt zu integrieren. Rückenwind erhielt der Kurs aus dem Umfeld der Industrie, unter anderem vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der die Reform begrüßte. Der Gegenwind kam jedoch ebenso deutlich: Die Pläne stießen bei Oppositionsparteien und Branchenverbänden auf Kritik. Der Grüne-Vorsitzende Felix Banaszak argumentierte, die Gesetzesänderungen würden den Ausbau der Erneuerbaren bremsen und insbesondere Familien ausbremsen, während Großkonzerne profitieren würden. Michael Kellner warnte zudem vor wirtschaftlichen Folgen für das Handwerk und nannte das Risiko von bis zu 10.000 gefährdeten Arbeitsplätzen.

Jenseits des politischen Streits liegt der Kern der Reform auch in der Netzrealität. Hintergrund sind stark gestiegene Kosten zur Stabilisierung des Stromnetzes; für 2025 werden die sogenannten Redispatch-Kosten auf über 3 Milliarden Euro beziffert. Wenn Einspeisung und Netzkapazität nicht zusammenpassen, müssen Betreiber gegensteuern – technisch durch das Umschalten von Fahrplänen und systemseitig durch Entschädigungsmechanismen. Hier setzt die Reform ebenfalls an: Sie sieht vor, dass auch große Solarparks bei Netzengpässen stärkere Kürzungen bei Entschädigungen akzeptieren müssen, die bis zu 20 Prozent des Jahresertrags erreichen können. Diese Logik koppelt die Erlössituation damit stärker an die Systemverträglichkeit der Erzeugung – was im Ergebnis das Energiesystem in Richtung stärker steuerbarer, „verbrauchsnaher“ Nutzung drückt.

Trotz der Einschnitte hält die Bundesregierung an dem Klimaziel fest, den Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch bis 2030 auf 80 Prozent zu steigern; aktuell liegt er bei knapp 60 Prozent. Zur Umsetzung sieht die Novelle 2027 zusätzliche Ausschreibungen für Windenergie an Land im Umfang von 12 Gigawatt vor. Daneben soll der Smart-Meter-Rollout beschleunigt werden, mit dem Abschlussziel bis 2032. Für PV-Betreiber ist das insofern relevant, als präzisere Mess- und Abrechnungsdaten die Grundlage für Markt- und Vergütungsmodelle bilden. Unabhängig von der EEG-Novelle hat die Bundesnetzagentur außerdem zum 1. August 2026 eine planmäßige Senkung der aktuellen Einspeisevergütungen um 1 Prozent angekündigt; für Teileinspeisung lagen die Sätze zuletzt zwischen 5,44 und 7,70 Cent pro Kilowattstunde, bei Volleinspeisung zwischen 10,24 und 12,22 Cent. Bestehende Anlagen sollen von den Neuregelungen ausgenommen sein und ihre zugesagte Vergütung über den Zeitraum von 20 Jahren behalten.

Die wirtschaftliche Wirkung der Umstellung dürfte sich daher nicht nur in Centbeträgen zeigen, sondern auch in der Umsetzungsfähigkeit kleiner Betreiber. Direktvermarktung erfordert betriebliche Prozesse, passende Technik im Zusammenspiel mit Wechselrichtern und Messkonzepten sowie in der Regel eine Koordination über Abwicklungsstrukturen, die bisher nicht in jeder „Standardinstallation“ gleichermaßen vorgesehen waren. Dass Verbände wie der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) die Reform als Mogelpackung kritisierten und unter anderem einen Rückgang der Nachfrage um bis zu zwei Drittel prognostizierten, verweist auf genau diesen Punkt: Planungssicherheit ist in der Investitionsphase nicht nur ein politisches Versprechen, sondern ein Risikofaktor für Finanzierung und Projektkalkulation. Gleichzeitig läuft das Gesetz in eine Phase, in der die Politik über Smart Meter und Marktmechanismen das System für erneuerbare Einspeisung insgesamt robuster machen will – und die Debatte wird damit mehr als nur eine Vergütungsfrage.

Im weiteren Verlauf geht es nun in die parlamentarische Beratung im Bundestag; die SPD kündigte bereits weiteren Änderungsbedarf an. Für Unternehmen im Energiedienstleistungs-Umfeld, für Installationsbetriebe und für Betreiber, die bisher vor allem auf die klassische Einspeisung gesetzt haben, wird die Reform damit zu einem klaren Projektauftrag: Anlagenplanung, Vermarktungswege, Speicher- und Ladeplanung sowie Abrechnungsprozesse müssen frühzeitig zusammen gedacht werden. Ob sich der Systemwechsel tatsächlich wie intendiert in Richtung Eigenverbrauch und netzdienlicher Fahrweise entwickelt, dürfte wesentlich davon abhängen, wie reibungslos der Übergang zur Direktvermarktung praktisch umgesetzt wird – gerade bei Anlagen, die bislang bewusst klein dimensioniert wurden.


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