BATANG / LONDON (IT BOLTWISE) – Indosat Ooredoo Hutchison, Ooredoo Group, Nokia und NVIDIA haben den Start der KI-Plattform Zankore für Indonesien offiziell angekündigt. Das Projekt soll eine NVIDIA-DSX-AI-Factory mit anfänglicher Kapazität von rund 200 Megawatt aufbauen und langfristig auf 1 Gigawatt skalieren. Geplant ist der Betrieb mit NVIDIA GB300 NVL72 Systemen. Außerdem soll die Infrastruktur das Hosting eines indonesischen Large Language Models namens Sahabat-AI ermöglichen.

Indonesiens nächste große KI-Infrastruktur-Initiative bekommt mit Zankore konkrete Umsetzungspläne: Indosat Ooredoo Hutchison, die Ooredoo Group, Nokia und NVIDIA haben den offiziellen Start einer Plattform angekündigt, die Rechenleistung mit Netzwerk- und Hardware-Services zu einem Full-Stack-Betriebskonzept verbindet. Im Zentrum steht dabei die Idee, nicht nur einzelne Rechenzentren oder einzelne KI-Instanzen bereitzustellen, sondern eine wiederholbare Architektur für KI-Workloads aufzubauen, die Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen in Indonesien schneller an Hochleistungsressourcen bringt. Für Entscheider ist das vor allem deshalb relevant, weil KI-Projekte in der Praxis oft an der Schnittstelle zwischen Daten, Netzwerklatenz, Betriebsfähigkeit und Skalierung scheitern – genau dort setzt Zankore mit einem integrierten Ansatz an.
Technisch ist die Plattform auf eine NVIDIA-DSX-AI-Factory ausgerichtet, deren Kapazität in mehreren Stufen wachsen soll. Für die erste Phase nennt das Projekt rund 200 Megawatt, die Umsetzung ist für das erste Halbjahr 2027 geplant. Der langfristige Zielkorridor geht deutlich weiter: Die Partner streben eine Gesamtkapazität von 1 Gigawatt an, um Indonesien stärker als digitalen Knotenpunkt zu positionieren. Begleitet wird der Prozess vom indonesischen Ministerium für Kommunikation und Digitales (Komdigi), das für das 1-Gigawatt-Ziel eine Realisierung innerhalb der kommenden drei Jahre in Aussicht stellt. Für die Planung in Unternehmen bedeutet das: Wenn KI-Workloads künftig in einer solchen Fabrik-Logik orchestriert werden, verlagert sich der Schwerpunkt von „Wie bekomme ich Rechenleistung?“ hin zu „Wie passe ich Anwendungen, Datenpipelines und Governance an eine skalierende Infrastruktur an?“
Als Hardware-Basis für die erste Phase werden NVIDIA GB300 NVL72 Systeme eingesetzt. Solche Plattformen sind darauf ausgelegt, dass KI-Anwendungen auch bei steigender Parallelisierung stabil laufen, also nicht nur Training oder Inferenz „irgendwie“, sondern mit einem konsistenten Zusammenspiel aus Beschleunigern, Systemsoftware und Betriebsprozessen. In der DSX-Factory-Logik ist dabei typischerweise entscheidend, dass die Infrastruktur so geplant wird, dass sie wiederkehrende Lastprofile abbilden kann: Entwicklungs-Teams benötigen schnellen Zugriff, produktive Services brauchen dagegen planbare Auslastung, Monitoring und Betriebsfenster. Dass die Plattform zusätzlich als Full-Stack-Lösung beschrieben wird, hängt damit zusammen, dass Rechenleistung in der KI oft erst dann wirtschaftlich wird, wenn die Anbindung an Datenquellen und Netzwerkpfade ebenso mitgedacht sind.
Die Rollenverteilung macht dabei deutlich, wie Zankore organisiert ist: Die Ooredoo Group übernimmt die Rolle des Lead-Investors und stellt damit die finanzielle Basis für den Aufbau der Infrastruktur bereit. Nokia tritt als Technologiepartner auf und liefert eine KI-native Netzwerktechnologie, die für den effizienten Betrieb und die Vernetzung der Plattform-Komponenten benötigt wird. Indosat agiert als Betreiber der Plattform, während NVIDIA die technologische Architektur und das Hardware-Ökosystem beisteuert. Für die Praxis ist das ein Hinweis darauf, dass Zankore nicht als reines „Serverprojekt“ gedacht ist, sondern als Verbund aus Netzwerkfunktionen und Rechenressourcen – also als Baustein, der sich in bestehende Unternehmenslandschaften integrieren lassen soll. Rechtlich wurde Indosat bei der Ausgestaltung dieser komplexen Partnerschaft durch die Kanzlei Herbert Smith Freehills Kramer beraten.
Als Standort für die AI Factory wurde Batang in der Provinz Zentral-Java gewählt. Das Vorhaben wird von Regierungsseite ausdrücklich begrüßt; das Ministerium für Kommunikation und Digitales beschreibt den Bau als die größte KI-Fabrik Südostasiens. Ein besonders konkreter Use Case ist das Hosting von Sahabat-AI, einem indonesischen Large Language Model (LLM) mit über 70 Milliarden Parametern. Lokale Bereitstellung solcher Modelle gilt als Baustein digitaler Souveränität, weil dadurch weniger Abhängigkeiten von externen Rechen- und Datenflüssen entstehen und sprachspezifische KI-Anwendungen enger an regionale Anforderungen angepasst werden können. Gleichzeitig erzeugen solche Modell-Hosting-Szenarien neue Betriebsanforderungen: Unternehmen, die später darauf aufsetzen, müssen mit Blick auf Datenqualität, Zugriffssteuerung, Latenz und Modellupdates ihre Prozesse im Betrieb stärker professionalisieren.
Die politische Unterstützung ordnet Zankore in den größeren Kontext der digitalen Transformation Indonesiens ein. Ministerin Meutya Hafid betonte die Unterstützung des Vorhabens; das Ministerium sieht Zankore als wesentlichen Baustein für den Ausbau von KI- und Digitalisierungsfähigkeiten im Land. Für den Markt heißt das: Wenn internationale Technologiekompetenz mit lokaler Infrastruktur kombiniert wird, dürften sich Zugangswege zu Hochleistungsressourcen für Entwicklung und Implementierung von KI-Systemen verkürzen. Für Unternehmen entsteht daraus ein neues Entscheidungsfeld: Wer KI strategisch einführt, muss früher als bisher über die technische Integration hinaus auch Themen wie Betriebsarchitektur, Sicherheitskonzepte und Wartungsprozesse mitplanen, statt diese Aspekte als nachgelagerte „IT-Aufgabe“ zu behandeln. Damit wird Zankore weniger nur ein Infrastrukturprojekt, sondern ein organisatorischer Hebel, der die Art bestimmt, wie KI-Produkte in Indonesien entstehen, getestet und betrieben werden.
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