LONDON (IT BOLTWISE) – Berichten zufolge prüft Anthropic eine mögliche Übernahme des israelischen KI-Startups Decart. Im Raum steht dabei ein Kaufpreis von bis zu 6 Milliarden US-Dollar, wobei der Deal noch nicht feststeht. Decart liefert eine Software-Plattform, mit der sich KI-Modelle plattformübergreifend auf Rechenbeschleunigern trainieren und betreiben lassen. Für Anthropic wäre es zugleich die erste Akquisition in Israel.

Anthropic führt Gespräche zu israelischem KI-Startup Decart – mögliche 6 Milliarden US-Dollar
Anthropic führt Gespräche zu israelischem KI-Startup Decart – mögliche 6 Milliarden US-Dollar (Foto: IT BOLTWISE)
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Für Anthropic könnte der nächste Wachstumsschritt nicht in den USA oder Europa liegen, sondern in Israel: Nach übereinstimmenden Medienberichten führt das Unternehmen Gespräche über den Erwerb von Decart, einem erst rund drei Jahre alten Startup. Im Raum steht eine Bewertung von bis zu 6 Milliarden US-Dollar, doch laut den Berichten bleiben die Verhandlungen vorerst ohne Garantie für eine tatsächliche Umsetzung. Der Hintergrund ist für Marktteilnehmer bemerkenswert, weil es sich dabei um die erste Akquisition in Israel handeln würde. Gleichzeitig wäre es – falls die genannte Größenordnung zutrifft – die größte Übernahme, die Anthropic bislang angekündigt hätte.

Decart selbst rückt vor allem wegen seiner technischen Ausrichtung in den Fokus der größeren KI-Player. Das Startup hat eine Software-Plattform entwickelt, die darauf zielt, das Training und den Betrieb sogenannter generativer KI-Modelle in „Echtzeit“ über unterschiedliche Rechenumgebungen hinweg zu koordinieren. Entscheidend ist dabei nicht nur die Modellseite, sondern die Hardware-Nutzung: Decart setzt auf die Optimierung der Chip-Auslastung, sodass Training und Inferenz effizienter laufen. In den Berichten wird das konkret mit der Idee verbunden, den Nutzen der benötigten Chips zu steigern und dadurch die Rechenkosten für das Trainieren von KI-Modellen zu senken – ein Argument, das in einem Umfeld gewinnt, in dem Trainings- und Inferenzbudgets in der Praxis stark unter Druck geraten.

Der strategische Reiz liegt zudem in der Lage, in der sich viele Anbieter großer Sprachmodelle gerade befinden: Sie skalieren Datenzentren, investieren in teure Beschleuniger und müssen zugleich ihre Kosten pro berechnetem Ergebnis im Griff behalten. Die Berichte stellen außerdem in den Zusammenhang, dass OpenAI und Anthropic Milliardenbeträge in Rechenzentren mit kostenintensiver Hardware planen. Wenn mehrere Firmen gleichzeitig auf denselben Beschleuniger-Ökosystemen aufsetzen, wird jede Software-Schicht, die den Durchsatz erhöht oder die ineffiziente Auslastung reduziert, zur Hebeltechnologie. Decart versucht dabei, eine Brücke zwischen Plattformen wie NVIDIA, Amazon und Google-Umgebungen zu schlagen – genau an der Stelle, an der viele Organisationen bei der Portabilität und beim Ressourcenverbrauch Kompromisse machen müssen.

Auch der Marktmechanismus spielt mit: In den Berichten wird geschildert, dass nicht nur Anthropic im Rennen um Decart sei, sondern potenziell mehrere Bewerber aus dem Umfeld von KI-Plattformen und Chips. Gleichzeitig wird die Dynamik durch frühere, teils widersprüchliche Aussagen zur Übernahmeofferte verstärkt: So habe Elon Musk einen entsprechenden Bericht, in dem SpaceX ebenfalls als Interessent genannt wurde, auf seiner Plattform als „Fake News“ bezeichnet. Unabhängig davon zeigt die Episode vor allem, wie schnell sich Gerüchte in einem Segment verbreiten, in dem Chip-Zugänge, Rechenkapazitäten und Software-Optimierungen eng miteinander verflochten sind.

Für das Startup sind die finanziellen Signale ein weiterer Baustein: Decart hat im Mai eine Finanzierungsrunde über 300 Millionen US-Dollar gemeldet, angeführt von Radical Ventures; weitere Beteiligte werden in den Berichten ebenfalls genannt. Durch diese Runde sei die Bewertung auf nahezu 4 Milliarden US-Dollar gestiegen. Entscheidend für die Einordnung ist dabei die Entwicklung innerhalb weniger Monate: In den Berichten wird von einer zuvor deutlich niedrigeren Bewertung ausgegangen, was darauf hindeutet, dass der Markt den Bedarf an effizienten Trainings- und Inferenzpipelines schnell höher bewertet hat. Hinzu kommt, dass Decart laut den Berichten KI auf Textdaten sowie auf Millionen Stunden Videomaterial ansetzt, was nicht nur für die Modellqualität relevant ist, sondern auch für die Anforderungen an die Daten- und Compute-Pipeline.

Das Management- und Produktprofil macht Decart darüber hinaus auch im „Consumer-nahen“ Ökosystem sichtbar. In den Berichten heißt es, Decarts Technologie werde bei Live-Streaming-Szenarien in Online-Formaten genutzt, etwa im Umfeld von Creator-Plattformen. Für Unternehmen ist das mehr als nur ein Marketingpunkt: Live-Umgebungen stellen häufig hohe Anforderungen an Latenz, Stabilität und skalierbares Ressourcenmanagement. Gerade deshalb kann eine Plattform, die die KI-Bereitstellung effizienter macht, auch dann attraktiv werden, wenn große Sprachmodelle „nur“ als Service bereitgestellt werden und nicht als Forschungsergebnis.

Unabhängig davon, ob es zu einem Abschluss kommt, zeigt der Fall vor allem eines: Der Wettbewerb zwischen KI-Anbietern verlagert sich zunehmend von der reinen Modellarchitektur hin zur gesamten Wertschöpfungskette rund um Rechenleistung. Software, die Training und Inferenz über unterschiedliche Beschleuniger-Stacks hinweg optimiert, kann in einem Szenario mit begrenzten Chips und stark steigenden Datenzentrumsbudgets entscheidend werden. Für Investoren ist das zudem ein Signal, dass Hardware-nahe KI-Infra-Komponenten wieder stärker im Fokus stehen. Und für die Entwicklerseite bedeutet es: Wer Training, Deployment und Monitoring als durchgängige Pipeline versteht, kann durch solche Plattformen schneller Skalierungseffekte erreichen – selbst wenn die tatsächliche Übernahme noch nicht entschieden ist.


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