SILICON VALLEY / LONDON (IT BOLTWISE) – Neue Ramp-Daten deuten darauf hin, dass OpenAI bei US-Geschäftskunden schneller als Anthropic wächst. Im Mai kippte die Marktführerschaft bei den von Ramp erfassten zahlenden Business-Usern von OpenAI zu Anthropic: 41% vs. 39%. Bis Juli lag Anthropic zwar vorn, aber bei rund 44% zu knapp 40%. Gleichzeitig steigt der Anteil der Unternehmen, die überhaupt KI-Budget für ihre Ausgaben einsetzen, über 50% bis fast 56%.

Ramp-Daten: OpenAI holt bei Unternehmensnutzung zu Anthropic auf
Ramp-Daten: OpenAI holt bei Unternehmensnutzung zu Anthropic auf (Foto: IT BOLTWISE)
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Für das Rennen zwischen OpenAI und Anthropic ist eine Kennzahl besonders schwer zu greifen: Wie „klebt“ KI-Ausgabeverhalten in Unternehmen wirklich an, sobald neue Modelle auf den Markt kommen. Genau hier setzen die zuletzt veröffentlichten Ramp-Zahlen an. Ramp erfasst über seine Corporate-Credit-Card- und Expense-Management-Produkte Ausgaben von Geschäftskunden und kann damit zumindest innerhalb seines eigenen Kundenbestands Hinweise geben, welche Anbieter in der Praxis häufiger gebucht werden. Entscheidend ist dabei nicht, dass Ramp den gesamten Markt abbildet, sondern dass die Daten eine zeitnahe Momentaufnahme des Wettbewerbs liefern – gerade in einem Umfeld, in dem beide Labs mit weiteren Produktzyklen und Modellgenerationen nachschärfen.

Im Mai zeigt sich der erste deutliche Umschwung: Anthropic erreichte laut Ramp bei den zahlenden US-Business-Usern eine Marktanteilsquote von 41%, während OpenAI bei 39% lag. OpenAI hatte zuvor in diesem Segment geführt – sowohl bei geschäftlichen als auch bei konsumorientierten Nutzern. Laut der gleichen Auswertung konnte OpenAI die Führung anschließend jedoch nicht zurückerobern. Bis Juli lag Anthropic wieder vor OpenAI, diesmal mit annähernd 44% gegenüber knapp 40% bei OpenAI. Für Unternehmen mit laufenden KI-Rollouts ist das relevant, weil selbst kleine prozentuale Verschiebungen in einem schnell wachsenden Tooling-Budget direkte Auswirkungen auf Tool-Konsolidierung, Nutzungsmetriken und Bestellrhythmen haben.

Technisch betrachtet erzählt diese Entwicklung weniger eine Geschichte über „bessere“ Modelle, sondern über Adoption in realen Workflows. Ramp beschreibt die Datenbasis als Messung über mehr als 70.000 amerikanische Unternehmen, die über Ramp Bill Pay sowie Corporate-Card-Produkte nutzen. Diese Firmen decken mehrere Branchen ab, sind aber als „klassischer“ Silicon-Valley-Typ von Kunden mit einem starken Tech-Schwerpunkt zu lesen. Beim Blick auf die jüngste Entwicklung wird es noch konkreter: Für Q3-to-date zeigt sich laut Ramp Economist Ara Kharazian, dass OpenAI im Vergleich zu Anthropic in diesem Segment schneller wächst. Gleichzeitig nennt Ramp keine absoluten Ausgabebeträge, sondern teilt nur prozentuale Veränderungen mit. Für die Interpretation heißt das: Die Wachstumsrichtung ist plausibel, aber die tatsächliche Größenordnung bleibt offen.

Gerade diese Einschränkung ist auch der zentrale Kontext, den man im Enterprise-Umfeld mitdenken sollte. Ramp-Daten erfassen nicht zwangsläufig alle KI-Ausgaben großer Konzerne, die häufig auf eigene Spend-Management-Stacks oder Zahlungslösungen wie Amex statt auf Ramp setzen. Damit ist der Vergleich „OpenAI gegen Anthropic“ zwar als Marktindikator brauchbar, aber nicht als Gesamtbild des Adoptions-Mix der gesamten Wirtschaft zu verstehen. Dennoch liefert die Entwicklung einen wichtigen Hinweis auf die „Stickiness“: Unternehmen scheinen – so liest sich zumindest der Datenverlauf – zwischen Anbietern wechseln zu können, sobald neue Modelle verfügbar sind oder Teams ihre Toolketten anpassen. Das ist ein Signal, das Investoren typischerweise skeptisch stimmt, weil es die Frage aufwirft, ob KI-Budgets eher projektbasiert kurzfristig rotieren oder langfristig in Standard-Setups einrasten.

Die Kennzahlen werden zudem durch Aussagen von Kharazian ergänzt, die die technischen Produkteigenschaften als Kontext für die Nachfrage heranziehen. So wird auf OpenAIs GPT-5.6 Sol verwiesen, das seiner Einschätzung nach zunehmend die Wahl für Entwickler sei. Gleichzeitig wird auf Fable als höherpreisiges Modell-Tier bei Anthropic eingegangen, das trotz Erwartungen in der Praxis offenbar hinter der Nutzungs- und Anwendungsdynamik zurückbleibt – unter anderem im Zusammenhang mit Preis- und Datenanforderungen. In der Quelle wird ferner erwähnt, dass Anthropic Fable-Nutzer darauf hingewiesen habe, ihre Daten 30 Tage zu behalten. Ob und wie stark solche Faktoren (Preisgestaltung, Datenschutz- und Retention-Regeln, Ziel-Use-Cases statt „General Chat“) die Einkaufsentscheidung beeinflussen, lässt sich natürlich nicht direkt aus Ramp-Anteilen ableiten. Aber der Mechanismus passt zu dem, was in Unternehmen regelmäßig bei der Beschaffung von KI-Services sichtbar wird: Teams evaluieren nicht nur die Modellqualität, sondern auch Kostenmodelle und Governance-Anforderungen.

Ein zweiter Kontextblock stützt die These, dass der Wettbewerb nicht nur „Nullsummenspiel“ ist. Ramp-Daten deuten gleichzeitig darauf hin, dass beide Anbieter von einem wachsenden Gesamtkuchen profitieren könnten: Der Anteil der Ramp-Kunden, die überhaupt KI bezahlen, steigt über die Zeit. Laut der Auswertung lag dieser Anteil im März bei über 50% und erreichte bis Juli fast 56%. Für die strategische Planung heißt das: Selbst wenn ein Anbieter kurzfristig Marktanteile verliert, kann die absolute Nachfrage trotzdem wachsen – sofern Unternehmen insgesamt KI stärker in Prozesse integrieren. Für IT- und Procurement-Entscheider ergibt sich daraus eine pragmatische Konsequenz: Vertrags- und Tool-Strategien sollten so gestaltet werden, dass Wechsel in der Modellnutzung möglich bleiben, ohne dass Governance, Kostenkontrolle und Datenflüsse beim nächsten Modellrelease neu aufgerollt werden müssen.

Unterm Strich zeigen die Ramp-Zahlen, dass OpenAI im Geschäftskundensegment nicht dauerhaft zurückliegt, sondern in Q3-to-date offenbar schneller nachzieht. Gleichzeitig bleibt Anthropic im Juli insgesamt vorn, was darauf hindeutet, dass die Marktverschiebung nicht in eine einzige Richtung „einrastet“. Der wahrscheinlich wichtigste Punkt für die Praxis ist deshalb weniger die exakte Prozentzahl als die Geschwindigkeit, mit der Unternehmen zwischen Lab-Ökosystemen pendeln können. Wer KI-Entscheidungen trifft, sollte daher die eigene Architektur so absichern, dass wechselnde Modellpräferenzen nicht zu einem organisatorischen Engpass werden, und dass Kosten- sowie Datenrichtlinien in jeder Kombination aus Modell-Tier und Anbieter konsistent abgebildet sind.


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