MAGDEBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Linke in Sachsen-Anhalt hat ein Neun-Punkte-Programm für die kommende Wahlperiode vorgestellt. Im Zentrum steht ein landeseigener Zukunftsfonds für Wirtschaft und Infrastruktur sowie eine Bundesratsinitiative zur Wiedereinführung der Vermögensteuer. Gleichzeitig fordert die Partei mehr staatliche Verantwortung in Kitas, Schulsozialarbeit und der medizinischen Versorgung. Vor allem mit Blick auf die AfD macht die Linke die Abgrenzung deutlich und stellt klar, nicht als „fünfte Kolonne der CDU“ aufzutreten.

Die Linke in Sachsen-Anhalt startet mit einem klaren inhaltlichen Paket in die verbleibende Phase bis zur Landtagswahl am 6. September. Laut einer Parteimitteilung bündelt das Neun-Punkte-Programm wirtschafts- und strukturpolitische Forderungen mit einem sozialpolitischen Ausbauplan und einem politischen Abgrenzungsversprechen. Interessant ist dabei, wie stark die Partei die Debatte vom reinen Standortstreit weg auf konkretere Hebel lenkt: Finanzierung und Prioritäten sollen sich nach ihrer Vorstellung nicht nur in Projekten zeigen, sondern auch in der Architektur der Haushaltsplanung, etwa über einen landeseigenen Zukunftsfonds für Wirtschaft und Infrastruktur.
Technisch gedacht bedeutet ein solcher Zukunftsfonds in der Praxis erst einmal etwas Profanes: Er soll Mittel bündeln, damit Infrastrukturvorhaben nicht jedes Mal neu durch kurzfristige Haushaltslogik nach hinten rutschen. Die Linke koppelt den Fonds explizit an Wirtschaft und Infrastruktur und zielt damit auf Bereiche, in denen die öffentliche Hand typischerweise als „Enabler“ wirkt, also Rahmenbedingungen schafft, damit Unternehmen investieren können. Dazu passt, dass die Partei zugleich mehr staatliche Verantwortung bei Kitas, Schulsozialarbeit und medizinischer Versorgung fordert. Gerade bei Bildung und Gesundheit wirken diese Entscheidungen mittelbar auch auf den Arbeitsmarkt, weil Betreuungskapazitäten und Versorgungssicherheit die Erwerbsbeteiligung beeinflussen – und damit wiederum die Frage, wie gut Unternehmen Personal finden oder halten können.
Mit Blick auf die Finanzierung setzt die Linke zudem auf eine Bundesratsinitiative zur Wiedereinführung der Vermögensteuer. Das ist weniger ein Detail für das Land allein, sondern eine Vorschlagskette, die von der Bundesebene abhängt: Ein Land kann Initiativen anstoßen, aber ob und wie eine Steueranpassung tatsächlich umgesetzt wird, entscheidet sich am Ende auf Bundes- und Gesetzesebene. Politisch verschiebt das den Schwerpunkt der Debatte von „woher nehmen wir Geld im Haushalt“ hin zu „welche fiskalische Logik soll künftig gelten“. In der Wahlberichterstattung dürfte genau dieser Mechanismus eine Rolle spielen, weil er Auswirkungen auf künftige Investitionsspielräume hat – unabhängig davon, wie schnell ein einzelnes Infrastrukturprojekt genehmigt und umgesetzt werden kann.
Parallel dazu positioniert sich die Linke gegenüber der AfD in einer Tonalität, die in einer Parteienkoalitionsrechnung schnell Wirkung entfaltet. In ihrer Mitteilung kritisiert die Partei, „Simson-Ausfahrten und die Rückkehr in die 1990er Jahre“ würden die Probleme des Landes nicht lösen. Zudem sagt die Linke, Sachsen-Anhalt werde nicht kippen – eine Formulierung, die weniger ein technisches Argument ist, sondern ein politisches Risiko-Narrativ adressiert. Die Wahlforschung wird in solchen Konstellationen häufig auf Themen wie demokratische Kultur, politische Stabilität und Regierungsfähigkeit eingehen, doch die Linke versucht hier vor allem, die Agenda zu kontrollieren: Wer regiert, entscheidet schließlich nicht nur über Etats, sondern auch darüber, welche gesellschaftlichen Gruppen sich als handlungsfähig erleben.
Die Abgrenzung wird in dem Bericht besonders über zwei Zitate verdichtet. Die Linke-Spitzenkandidatin Eva von Angern sagte vor Journalisten in Berlin wörtlich: „Wir wollen auf keinen Fall zulassen, dass Sachsen-Anhalt ein Experimentierfeld für eine rechtsextreme Partei ist. Man sei bereit, alles dafür zu tun, die AfD von den Schalthebeln der Macht abzuhalten.“ In demselben Zusammenhang fällt auch der Satz „Aber wir sind nicht die fünfte Kolonne der CDU“, ergänzt mit dem Hinweis, nach der Wahl nicht ausgerechnet in ein bestimmtes Koordinatensystem abtauchen zu wollen. Damit setzt sie eine Grenze auch für mögliche Gesprächsszenarien, die sich nach Wahlen häufig automatisch entwickeln: Selbst wenn inhaltliche Berührungspunkte existieren, will die Linke den Eindruck vermeiden, Teil einer breiten CDU-dominierten Regierungsroutine zu werden.
Unterstrichen wird dieser Kurs durch eine weitere Passage, die sich inhaltlich wie auch rhetorisch gegen Erwartungen absichert. Eva von Angern führt sinngemäß aus, es gebe eine „andere Politik“, und stellt als Gegenpol zu einer vermeintlichen Pragmatismus-Forderung klar: „Eine Linke gibt es nicht zum Nulltarif.“ Außerdem adressiert sie die CDU-Frage mit einem kräftigen Bild: „CDU-Ministerpräsident Sven Schulze soll nicht erwarten, dass wir hier wie die Lämmer über die Klippe springen.“ Der Kern liegt damit nicht nur in einer Abgrenzung zur AfD, sondern in einer klaren Selbstdefinition gegenüber potenziellen Koalitionsmechanismen mit der CDU. Für Unternehmen und Kommunen ist das relevant, weil stabile Mehrheiten häufig darüber entscheiden, ob längerfristige Programme durchlaufen oder in der Folge politisch neu aufgerollt werden.
Aus Sicht der Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik lässt sich daraus ein praktischer Erwartungsrahmen ableiten: Die Linke verbindet ihre Vorschläge zu Fonds, Infrastruktur, Bildung und Versorgung zu einer Agenda, die langfristige Handlungsfähigkeit signalisieren will. Ein Zukunftsfonds wird dabei oft als Instrument gelesen, das Projekte entkoppeln soll von kurzfristigen politischen Zyklen; die Forderung nach mehr Verantwortung in Kitas und medizinischer Versorgung deutet auf eine stärkere Gestaltung staatlicher Dienstleistungen hin. Gleichzeitig bleibt offen, wie eine Mehrheit nach dem 6. September zusammengesetzt wird und welche Teile des Programms dann tatsächlich priorisiert werden. Gerade weil die Partei mit der AfD ein zentrales Abgrenzungsziel benennt, dürfte der politische Spielraum für Koalitionen enger aussehen als in Konstellationen, in denen keine solche rote Linie gezogen wird.
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